Reifencheck Alle zwei Jahre ist alles in Ordnung

Autor: Jan Rosenow

Die Sachverständigenorganisation Dekra hat über 1.000 Autos auf ihren Reifenzustand hin untersucht. Die Ergebnisse waren überraschend gut – doch das hatte einen bestimmten Grund.

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Die Profiltiefe lag nur bei wenigen untersuchten Reifen unter 1,6 Millimetern.
Die Profiltiefe lag nur bei wenigen untersuchten Reifen unter 1,6 Millimetern.
(Bild: Dekra)

Immer wieder zeigen Untersuchungen, dass viel zu viele Autofahrer ihren Reifen nicht die nötige Aufmerksamkeit schenken und beispielsweise die Kontrolle des Fülldrucks vernachlässigen. Doch die Prüforganisation Dekra ist zu deutlich positiveren Ergebnissen gekommen, als sie im April an sechs ihrer Niederlassungen zusätzlich zur Hauptuntersuchung besonders auf die Reifen geschaut hat.

Gut 1.000 Pkw mit insgesamt mehr als 4.200 Reifen sind im Rahmen der Aktion an den Dekra-Niederlassungen Oldenburg, Minden, Chemnitz, München, Planegg und Rosenheim in die Auswertung eingeflossen. Bezogen auf Alter und Laufleistung bildeten die untersuchten Fahrzeuge eine Bandbreite ab, die laut Dekra mit der Gesamtflotte in Deutschland im Wesentlichen vergleichbar ist. Überprüft wurde neben Reifenalter, Profiltiefe und Fülldruck auch, ob Sommer-, Winter- oder Ganzjahresreifen montiert und Montageempfehlungen eingehalten waren.

Nur zwölf Prozent Ganzjahresreifen

Die Fahrzeuge waren alle auf dem Weg zur HU und sicher in vielen Fällen in einer Werkstatt darauf vorbereitet worden. Daher waren die Ergebnisse bei Luftdruck und Profiltiefe insgesamt erfreulich. „Beim Fülldruck gab es einzelne Ausreißer nach unten, manchmal auch sehr weit nach unten: Der Negativrekord lag bei 0,8 bar“, berichtet Dekra-Reifenexperte Christian Koch. „Auffällig war, dass zu niedriger Fülldruck bei Ganzjahresreifen häufiger vorkam. Hier fällt die routinemäßige Prüfung beim zweimaligen Wechsel jedes Jahr weg – und wenn der Autobesitzer selbst das Thema vernachlässigt, kann hier der Druck extrem niedrig werden.“

Darüber hinaus ermöglicht die Untersuchung einen interessanten Einblick in den aktuellen Zustand der Reifen auf deutschen Autos. So waren im Aktionszeitraum vom 6. bis 30. April fast zwei Drittel der Fahrzeuge noch mit wintertauglicher Bereifung unterwegs. Das war durchaus vernünftig, denn in diesem Jahr war es auch bis lange nach Ostern kalt, und es gab auch in vielen Regionen noch Schneefälle. Rund zwölf Prozent der untersuchten Reifen identifizierten die Prüfer als Ganzjahresreifen.

Links statt rechts oder falsch herum: Erstaunlich viele Montagefehler

Gut 45 Prozent der untersuchten Reifen stammten aus den Produktionsjahren 2018 und später, waren also maximal dreieinhalb Jahre alt. 14 Prozent waren sieben Jahre und älter, davon knapp fünf Prozent über zehn Jahre alt. Die absoluten Ausreißer beim Reifenalter mit über 20 Jahren machten weniger als 0,4 Prozent aus. „Die Gummimischung härtet mit der Zeit aus“, erklärt Christian Koch, „und das hat Folgen für das Fahrverhalten. Wenn ein Reifen zehn Jahre alt ist, sollte man ihn auf jeden Fall ersetzen.“

Montagefehler fielen den Prüfingenieuren bei der Untersuchung in immerhin neun Prozent der Fälle auf. Dass Innen- und Außenseite vertauscht sind, was nur bei der Montage des Reifens auf die Felge passieren kann, kam aber selten vor. Ein häufigerer Fehler war, dass das Rad in der falschen Laufrichtung montiert wurde, also ein linkes Rad auf der rechten Fahrzeugseite. Das deutet auf Do-it-yourself-Räderwechsel hin.

Viele Fahrer kümmern sich um ihre Reifen – zumindest vor der HU

Mit abgefahrenen Reifen traute sich immerhin kaum ein Fahrer zur HU – doch auch einige solche Fälle gab es. Fast drei Viertel (gut 74 Prozent) hatten aber fünf Millimeter Restprofiltiefe oder mehr. Knapp elf Prozent waren unter vier Millimeter, darunter gut 2,5 Prozent unter drei Millimeter.

Unterm Strich zeigt der Dekra-Reifencheck, dass viele Autobesitzer sich vernünftig um ihre Reifen kümmern – aber noch längst nicht allen scheint die Bedeutung wirklich bewusst zu sein. „Bei der Sicherheit sollte es keine Kompromisse geben“, meint der Unfallsachverständige und Reifenexperte Koch. „Und das fängt nun mal beim Reifen an.“

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Über den Autor

 Jan Rosenow

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Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group