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Alles schon mal da gewesen – Teil 3: die Dashcam

Autor: Steffen Dominsky

Manche Entwicklung rund ums Auto sorgt beim Betrachter für ein „Deja vu“-Erlebnis. So ist es auch mit den heiß diskutierten Dashcams, die schon den Bundesgerichtshof beschäftigten. Doch den Spion hinter der Windschutzscheibe gab es schon vor 50 Jahren.

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War ihrer Zeit offenbar deutlich voraus: die erste „Dashcam“ im Super-8-Format.
War ihrer Zeit offenbar deutlich voraus: die erste „Dashcam“ im Super-8-Format.
(Bild: Archiv)

Das große weite Russland und seine Bewohner sind für so manches berühmt. Eine Errungenschaft unserer östlichen Nachbarn hat beim ein oder anderen Zeitgenossen sicher schon mal für Unterhaltung gesorgt bzw. tut es regelmäßig. Die Rede ist von sogenannten Dashcam-Videos. Mit einer solchen, also einer Armaturenbrettkamera, ist mittlerweile beinahe jedes russische Auto, jeder russische Bus und Lkw ausgestattet. Weshalb? Ganz einfach: Der gemeine Russe hatte in der Vergangenheit immer öfter Probleme mit seiner Versicherung.

Zu absurd klangen die Aussagen und Begründungen für diesen oder jenen Unfallhergang in den Ohren der Schadenssachbearbeiter. Das Loch in der Haube stammt von einem Meteoritenbrösel? Ein Panzer schoss aus dem Nichts plötzlich über die Fahrbahn? Der Passant warf sich aus freien Stücken vor den Wagen? Scheinbar unglaubliche Ereignisse, die doch passiert sind bzw. tagtäglich auf russischen Straßen passieren.

Um genau solche Ereignisse gegenüber der Assekuranz dokumentieren zu können, heften sich die Bewohner von Kaliningrad bis Wladiwostok eine dieser handlichen Digitalkameras hinter die Windschutzscheibe. Die moderne Mikroelektronik macht es seit ein paar Jahren möglich, Autofahrten aus Sicht des Fahrers und der Passagiere zu dokumentieren. Und überhaupt: Erst der moderne und entsprechend dichte Massenverkehr der letzten Jahre machte eine solche Überwachung notwendig. Wirklich? „Nein!“, ist man geneigt zu sagen, denn: „Vollautomatisch – Ihr bester Unfallzeuge – unentbehrlich für jeden Autofahrer“ titelte bereits vor rund fünfzig Jahren die Firma Bender aus Metzingen.

Sie bot mit ihrer Unfallkamera im Super-8-Format nämlich genau das an, was wir heute unter dem Begriff Dashcam kennen: Eine hinter der Windschutzscheibe montierte Kamera, die Unfälle und andere Absurditäten festhält. Zwar nicht digital auf einem digitalen Speichermedium, aber immerhin – Respekt! Doch wie es sich mit so mancher Erfindung verhält: Manchmal dauert es sehr lang, bis etwas marktreif ist.

Nach dem Motto „Dieses Teil gab’s schon vor x Jahren“ beziehungsweise „Diese Technologie setzte bereits XY ein“ oder „So beziehungsweise ähnlich sah damals der von Z auch aus“ werfen wir einen Blick zurück in die Automobil- und Werkstatttechnik vergangener Jahrzehnte. Bisher erschienen:

- Teil 1: Reifen und Reifenprofile

- Teil 2: Automobil- und Werkstatttechnik

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group