Amazon testet Kofferraum-Zustellung

Autor / Redakteur: dpa/gst / Gerd Steiler

Der Online-Händler Amazon testet die Paketzustellung ins Auto der Kunden. Ein Pilotprojekt mit Audi und DHL startet Anfang Mai in der Nähe von München.

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Auto als Paketstation: Der Online-Händler Amazon testet in einem gemeinsamen Pilotprojekt mit Audi und DHL die Paketzustellung ins Kunden-Auto.
Auto als Paketstation: Der Online-Händler Amazon testet in einem gemeinsamen Pilotprojekt mit Audi und DHL die Paketzustellung ins Kunden-Auto.
(Foto: DHL)

Der Online-Händler Amazon testet in Deutschland die Lieferung von Bestellungen in den Kofferraum der Kunden. Das Verfahren wird ab Anfang Mai in einem Pilotprojekt in der Nähe von München in Zusammenarbeit mit Audi und DHL ausprobiert, wie Amazon am Mittwoch in München mitteilte.

Der Lieferweg soll zunächst nur Kunden des Zusatzdienstes Amazon Prime offenstehen. Langfristig solle die Kofferraum-Zustellung allen Prime-Mitgliedern unabhängig von der Automarke angeboten werden, betont Amazon. In Arbeit sei auch eine ähnliche Lösung zum Abholen von Retouren.

Der Lieferung läuft wie folgt: Der Nutzer muss bei der Bestellung zunächst den ungefähren Standort seines Autos angeben. Der Zusteller bekommt danach mit Zustimmung des Besitzers die exakte Position des Fahrzeugs über den Dienst Audi Connect übermittelt. Zudem erhält er einen Einmal-Code, mit dem er den Kofferraum des geparkten Autos kurzzeitig öffnen kann. Der Zugang zum Kofferraum ist auf einen kurzen Zeitraum begrenzt und an die Bestellung gebunden.

Kunden-Auto als Paketstation

Es ist nicht das erste Experiment dieser Art. Der schwedisch-chinesische AutobauerVolvo hatte die Warenlieferung in Autos bereits 2014 in einem ähnlichen Verfahren ausprobiert. Der Zustellservice soll ein häufiges Problem bei Zustellungen lösen - dass Kunden tagsüber nicht zu Hause sind, wenn der Paketbote klingelt.

Bei der Direktlieferung à la Volvo wird ein digitaler Schlüssel erstellt, den der Autobesitzer kurzfristig für den Paketboten freigeben kann. Die neue Technik basiert auf der Telematik-App „Volvo on Call“, mit der der Besitzer heute schon aus der Ferne auf sein Auto zugreifen kann. Künftig kann er sein Auto beim Online-Shopping als Bestellort angeben. Dadurch werden Kunde und Lieferant unabhängig von einer festen Zustelladresse.

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Neue Zustelltechnik: flexibel und bequem

Wenn der Lieferdienst Waren zustellen (oder abholen) möchte, wird der Nutzer per Smartphone oder Tablet benachrichtigt. Dann gibt er einen digitalen Schlüssel für den Boten frei und kann dabei nachverfolgen, wann das Auto geöffnet und wieder abgeschlossen wird. Nach Abschluss der Zustellung erlischt der digitale Schlüssel.

Der Bedarf an einer solchen Technik liegt aus Sicht der Wirtschaft auf der Hand: Obwohl Online-Shopping immer beliebter wird, sind mit der Lieferung der bestellten Waren oft Probleme verbunden. Zustelldienste müssten ihre Ware im Schnitt 2,8 Mal ausliefern, bis sie den Empfänger erreichten, heißt es.

Beim Volvo-Pilotprojekt bestätigten 86 von 100 Teilnehmern, dass sie durch den flexiblen Service Zeit gespart hätten. 92 Tester fanden es bequemer, die Bestellung ins Auto statt nach Hause geliefert zu bekommen.

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