AMG-Modelle bekommen elektrischen Turbolader

Neu: Elektromotor in den Abgasturbo integriert

| Autor: Jan Rosenow

Der elektrische Turbolader soll in der nächsten Modellgeneration von AMG zum Einsatz kommen.
Der elektrische Turbolader soll in der nächsten Modellgeneration von AMG zum Einsatz kommen. (Bild: Daimler)

Der Daimler-Konzern arbeitet gemeinsam mit dem Zulieferer Garrett an einem elektrischen Turbolader, der demnächst in Modellen der Tuningmarke AMG zum Einsatz kommen soll. Die Technik stammt laut Angaben aus Stuttgart direkt aus der Formel 1 und löst den Zielkonflikt zwischen einem kleinen, schnell ansprechenden Lader, der jedoch eine vergleichsweise geringe Spitzenleistung erzielt, und einem großen Lader mit hoher Spitzenleistung, der wiederum erst verzögert anspricht.

Elektrische Turbolader sind keine neue Technik, sondern werden schon seit einigen Jahren bei Serienmodellen von Audi und auch Mercedes-Benz genutzt. Doch die bislang ausgeführten Konstruktionen sind gewissermaßen elektrische Zusatzgebläse, also eigenständige Einheiten aus Elektromotor und Verdichterrad.

Ladedruck bleibt auch beim Bremsen erhalten

Der Clou der neuen Garrett-Technik: Ein rund vier Zentimeter schmaler Elektromotor sitzt direkt auf der Laderwelle zwischen dem Turbinenrad auf der Abgasseite und dem Verdichterrad auf der Frischluftseite. Dieser elektronisch gesteuerte E-Motor treibt das Verdichterrad so lange an, bis der Abgasstrom genügend Power hat, um den Lader allein anzutreiben.

Die Elektrifizierung des Turboladers verbessert das Ansprechverhalten direkt ab Leerlaufdrehzahl. Das Turboloch dürfte dadurch so gut wie eliminiert werden. Der Verbrennungsmotor reagiert spontaner auf Fahrpedalbefehle. Außerdem ermöglicht die Elektrifizierung des Turboladers ein höheres Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen. Auch wenn der Fahrer vom Gas geht oder bremst, kann der E-Turbolader den Ladedruck aufrechterhalten.

Rekuperation im Abgasstrang ist möglich

Es ist sogar möglich, aus dem Abgasstrom Energie zurückzugewinnen. Bei gleichmäßiger Fahrt, wenn kein hoher Ladedruck benötigt wird, könnte der Elektromotor als Generator geschaltet werden und Strom erzeugen, wenn ein passendes Speichermedium dafür an Bord ist. In der Formel 1 wird diese Möglichkeit bereits genutzt.

Der Turbolader schafft Drehzahlen von bis zu 170.000 min-1. Er lässt sich mit einem 48-Volt-Bordnetz betreiben. Lader, Elektromotor und Leistungselektronik sind an den Kühlkreislauf des Verbrennungsmotors angeschlossen.

Jan Rosenow
Über den Autor

Jan Rosenow

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 46659285 / Technik)

Plus-Fachartikel

Eventmarketing: Corona-Rock statt Blues

Eventmarketing: Corona-Rock statt Blues

Sind Veranstaltungen passé, bis es einen Corona-Impfstoff gibt? Nein, es bedarf nur kreativer Konzepte. Das digitale Wohnzimmerkonzert des Autohauses Büdenbender und das Pop-up-Autokino des Ford-Stores Kreissl sind dafür beispielhaft. lesen

Umsatzsteuer: Neue Steuersätze

Umsatzsteuer: Neue Steuersätze

Ein Weg aus der Coronakrise führt nach Vorstellungen des Gesetzgebers über Mehrwertsteuerentlastungen. Aus diesem Grund wird der allgemeine Steuersatz ab dem 1.7.2020 vorübergehend abgesenkt. Das betrifft die Autohäuser unmittelbar. lesen