Angst vor Fahrverboten blockiert Diesel-Entspannung

Bereitschaft zur finanziellen Beteiligung an Nachrüstungen

| Autor: Christoph Seyerlein

Die Diskussion um Dieselfahrverbote beeinflusst die Kaufentscheidung von Auto-Kunden in Deutschland maßgeblich.
Die Diskussion um Dieselfahrverbote beeinflusst die Kaufentscheidung von Auto-Kunden in Deutschland maßgeblich. (Bild: DUH)

Viele potenzielle Autokäufer in Deutschland sehen den Diesel nicht grundsätzlich skeptisch, sondern würden vor allem aus Angst vor Fahrverboten in Innenstädten beim nächsten Fahrzeug nicht zu einem Selbstzünder greifen. Das geht aus dem jüngsten „Diesel-Barometer“ der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) hervor.

Wären Fahrverbote vom Tisch, könnte sich offenbar jeder Dritte der insgesamt 1.019 Befragten vorstellen, einen Diesel zu kaufen. Die Bereitschaft zum Dieselkauf könnte sich dadurch mehr als verdoppeln. Aktuell, da eine Entscheidung über die Verbannung von Dieseln aus Innenstädten immer noch in der Schwebe ist, ziehen dagegen nämlich nur 14 Prozent der Umfrageteilnehmer den Kauf eines Selbstzünders in Betracht. Zudem gab fast jeder dritte Befragte (30 %) im September an, den Autokauf aufzuschieben, um die Entwicklung in Sachen Dieselfahrverbote abzuwarten. Das waren vier Prozent mehr als bei der letzten Verbraucherbefragung der DAT im August.

Entsprechend wichtig seien klare Signale von den aktuellen Koalitionsverhandlungen an den Automarkt, sagte DAT-Geschäftsführer Jens Nietzschmann. „Sollten diese ausbleiben und tatsächlich Fahrverbote kommen, wird das die Fahrzeugwerte noch deutlicher unter Druck setzen und die Verunsicherung im Markt weiter verstärken.“

Bemerkenswert am aktuellen Diesel-Barometer ist außerdem, dass fast die Hälfte (46 %) der befragten Dieselfahrer dazu bereit wäre, sich an Hardwarenachrüstungen für ihr eigenes Auto finanziell zu beteiligen. Auch hier war das Thema Fahrverbot ein entscheidendes Pfund: Wer Geld für die Nachrüstung investieren würde, täte das zumeist, um Fahrverbote zu vermeiden (71 %). Aber auch die Hoffnung, sich durch Nachbesserungen nicht vom „liebgewonnenen Auto“ trennen zu müssen, steht bei den Entscheidungsgründen hoch im Kurs (70 % bestätigten dies). Für 63 Prozent stand der mit der Nachrüstung verbundene Werterhalt des eigenen Diesels im Fokus. Mehrfachnennungen waren dabei laut DAT möglich.

Weiter große Schere zwischen Benzinern und Dieseln

Die Standzeiten gebrauchter Diesel sind im September laut DAT im Vergleich zum August zurückgegangen. Im Schnitt stand ein Selbstzünder demnach zuletzt 96 Tage beim Händler, im August waren es noch 101 Tage gewesen. Allerdings war dies auch ein trauriger Höhepunkt in der Entwicklung gewesen, trotz der fünf Tage weniger im September kann deshalb noch längst nicht von einer Entspannung die Rede sein. Einen gebrauchten Benziner hatte ein Händler nach den jüngsten Zahlen nach durchschnittlich 77 Tagen wieder los.

Etwas weiter auseinander geht derweil die Schere zwischen der Wertentwicklung von Benzinern und Dieseln. Im September war ein drei Jahre alter Benziner mit einer Laufleistung von bis zu 60.000 Kilometern noch 56,3 Prozent von seinem Listenneupreis wert (+0,2 % im Vergleich zum August). Ein entsprechender Diesel erreichte dagegen nur 54,1 Prozent (-0,1 %).

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