Tarifstreit in Baden-Württemberg Arbeitgeber appellieren wegen Nullrunde an Kfz-Beschäftigte

Autor: Doris Pfaff

Die Tarifverhandlungen in Baden-Württemberg starten, doch die Fronten scheinen verhärtet. Die Forderungen nach mehr Gehalt will die Tarifgemeinschaft der Kfz-Betriebe mit Verweis auf die Situation des Kfz-Gewerbes nicht erfüllen und fordert solidarisches Verhalten der Beschäftigten.

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In Baden-Württemberg starten am Dienstag die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im Kfz-Gewerbe.
In Baden-Württemberg starten am Dienstag die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im Kfz-Gewerbe.
(Bild: IG Metall)

Das Kfz-Gewerbe sei nicht über den Berg, sondern stehe aufgrund der Pandemiefolgen teilweise am Abgrund, argumentierte die Tarifgemeinschaft für Betriebe des Kraftfahrzeug- und Tankstellengewerbes Baden-Württemberg (TGBW). „Wir hoffen darauf, dass die IG Metall und unsere Beschäftigten mit ihren Arbeitgebern so solidarisch sind, wie es die Betriebe in der Coronakrise mit ihnen sind“, erklärte Andreas Göritz, Verhandlungsführer der Tarifgemeinschaft.

Wie berichtet fordert die Gewerkschaft vier Prozent mehr Einkommen. Die Tarifgemeinschaft will jedoch eine Nullrunde für 18 Monate, vereinheitlichte Zuschläge an Werktagen von 25 Prozent und eine Regelung, dass Mehrarbeitszuschläge erst ab der 41. Wochenstunde gezahlt werden. Der Samstag soll, zuschlagsfrei, regulärer Arbeitstag werden.

„Bisher gab es immer etwas zu verteilen. Corona und die Corona-Maßnahmen der Bundes- und der Landesregierung haben mit dem Lockdown und der Forcierung der E-Mobilität dafür gesorgt, dass es dieses Mal nicht so ist“, begründete der Verhandlungsführer die Position der Arbeitgeber.

Entlassungen zu vermeiden und das Kurzarbeitergeld auf 80 Prozent des Nettoeinkommens aufzustocken, sei für das Kfz-Gewerbe bislang selbstverständlich gewesen. Obwohl der Umsatz in den Autohäusern im Handel teilweise um fast die 30 Prozent gesunken sei, hätten sie nicht von den staatlichen Hilfen profitieren zu können. Deswegen reiche das verbliebene Werkstattgeschäft nicht aus, „um jetzt Tariferhöhungen zu fordern, wie die IG Metall es tut“, so Göritz.

Das Kfz-Gewerbe setze drauf, dass es bis 2023 wieder zu alter Stärke zurückkehren könne, benötige dazu aber eine „tarifliche Verschnaufpause“ und eine Nullrunde bei den Gehältern für 18 Monate, damit sich die Betriebe wirtschaftlich erholen und wieder auf sicheren Füßen stehen können.

Göritz hofft auf das Verständnis der Beschäftigten, da sie die Situation und schwache Auslastung in den Werkstätten selbst erlebten: „Wir stehen genau jetzt am Höhepunkt der Krise, und keiner hat etwas davon, wenn jetzt Firmen über die Kante gekippt werden, statt ihre Zukunft zu sichern. 2022 können wir gerne wieder über Tarifsteigerungen verhandeln, wenn es die wirtschaftliche Lage dann hergibt.“

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Über den Autor

 Doris Pfaff

Doris Pfaff

Redakteurin bei »kfz-betrieb«, Ressort Verbände & Politik