ASA-Verband: Die Boomjahre sind vorüber

Autor: Ottmar Holz

Die Werkstattausrüster gehen mageren Zeiten entgegen. Nach einigen sehr ertragsstarken Jahren ist der Markt in wichtigen Bereichen gesättigt – und neue Umsatzbringer sind in weiter Ferne. Verbandspräsident Beaujean sieht „herausfordernde Jahre“ in einem kommenden Verdrängungsmarkt heraufziehen.

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(Bild: ASA)

Beim diesjährigen Pressegespräch des ASA-Verbandes in den Räumen der Messe Frankfurt zeichnete ASA-Präsident Frank Beaujean zwar kein düsteres, aber dennoch ein eher gedeckt koloriertes Bild des aktuellen und künftigen Werkstattausrüstungsmarkts. Nach einem guten Auftakt auf dem Niveau des Vorjahres haben sich die Umsätze in der zweiten Jahreshälfte bereits in vielen Produktgruppen wieder auf das Niveau von 2016 eingependelt.

Noch ungebrochen ist die starke Nachfrage nach Bremsprüfständen. Hier konnte Beaujean sogar die beeindruckende Zahl von circa 12.000 Verkäufen bis Ende 2019 vermelden. Doch der ebenfalls von gesetzgeberischen Maßnahmen befeuerte Boom bei Scheinwerfereinstellgeräten und Abgastestern ist bereits weitgehend eingebrochen. Gleichfalls zu Ende ging der Umsatzschub durch die Einführung der 5,5-Tonnen-Schwerlastbühnen durch VW. „Die Investitionen in diesen Produktgruppen waren vor allem durch Gesetzgebungen getrieben. Das wird sich nicht wiederholen. Provokant könnte man formulieren: Die fetten Jahre sind vorbei“, sagte Beaujean.

ASA-Jahrespressegespräch in Frankfurt (v.l.): Wolf Erik Schmitt, Fachbereichsleiter Hebetechnik; Wolfgang Börsch, Fachbereichsleiter Software und Dienstleistungen; Bernhard Hoffmann, Fachbereichsleiter Reifendienst und Achsmessgeräte; Christian Thalheimer, Leiter Arbeitsgruppe Scheinwerfereinstellprüfgeräte; Frank Beaujean, Präsident ASA; Jürgen Spieker, ASA-Beirat und Vorstandsmitglied; Harald Hahn, Vizepräsident ASA; Michael Hofmann, Fachbereichsleiter b2b; Andreas Weber, Fachbereichsleiter Abgasabsauganlagen sowie Olaf Mußhoff, Director Automechanika Frankfurt (zum Vergrößern anklicken).
ASA-Jahrespressegespräch in Frankfurt (v.l.): Wolf Erik Schmitt, Fachbereichsleiter Hebetechnik; Wolfgang Börsch, Fachbereichsleiter Software und Dienstleistungen; Bernhard Hoffmann, Fachbereichsleiter Reifendienst und Achsmessgeräte; Christian Thalheimer, Leiter Arbeitsgruppe Scheinwerfereinstellprüfgeräte; Frank Beaujean, Präsident ASA; Jürgen Spieker, ASA-Beirat und Vorstandsmitglied; Harald Hahn, Vizepräsident ASA; Michael Hofmann, Fachbereichsleiter b2b; Andreas Weber, Fachbereichsleiter Abgasabsauganlagen sowie Olaf Mußhoff, Director Automechanika Frankfurt (zum Vergrößern anklicken).
(Bild: Ottmar Holz/»kfz-betrieb«)

Brexit und kein Ende

Auch international wird es im Zeichen einer abkühlenden Weltkonjunktur durch den Handelsstreit zwischen den USA und China sowie dem im nächsten Jahr wahrscheinlichen Brexit wohl keine belebenden Impulse geben. Immerhin werden die britischen Kollegen des Werkstattausrüsterverbandes GEA dem europäischen Werkstattausrüster-Dachverband EGEA weiterhin angehören. Das sei umso wichtiger, weil der EGEA sich in seiner Lobbyarbeit in Brüssel in den kommenden Jahren voll auf das Thema „freier Datenzugang am Fahrzeug“ fokussieren möchte. „Der faire Zugang zum beziehungsweise in das Fahrzeug (Sensoren, Fahrzeugbordnetz, Dashboard und Daten) bestimmt wesentlich die mittel- und langfristige Zukunft der Werkstattausrüsterbranche, der freien Werkstätten und Teilehändler.“ betonte Frank Beaujean.

Politisch aktiv

Dass die Verbandsarbeit auch für die Werkstätten positive Einflussnahme auf den deutschen Gesetzgeber beinhaltet zeigt die Bildung der Fachgruppe SEP unter der Leitung von Christian Thalheimer. Die Expertengruppe hat sich mit der Scheinwerferrichtlinie auseinandergesetzt und insgesamt 49 Punkte gefunden, die aus ihrer Sicht nachgebessert werden müssen. „Die Ergebnisse unserer Fachgruppe haben wir mit der Erfahrungsgruppe SEPS (kurz: ERFA SEPS) zusammengesetzt aus Vertretern von Dekra, TÜV, KÜS und GTÜ konsolidiert und dabei hohe Übereinstimmungen erzielt“, berichtete Christian Thalheimer.

Ob das Ziel der Expertengruppe, einer Überarbeitung und möglichen Revision der im Dezember 2018 vom Bundesverkehrsministerium umgesetzten HU-Scheinwerferprüfrichtlinie 2018/174 zu realisieren ist, wird sich noch im November zeigen. Dann stellt Christian Thalheimer gemeinsam mit weiteren Vertretern der „ERFA SEPS“ die Kommentarfassung beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur vor. „Wir sind gespannt, ob man unseren Empfehlungen folgt und das Ministerium noch Änderungen in die Richtlinie einarbeitet“, sagte Christian Thalheimer.

Endlich Gesamtdaten

Auch ASA-Vizepräsident Harald Hahn konnte überraschend Positives berichten. Zwar sieht auch er in der 2021 kommenden Partikelzählung wirtschaftlich keinen Ersatz für die abgelaufenen Ertragsbringer Scheinwerfer- und Bremsprüfstandsrichtlinie, aber die Umsetzung der gesetzgeberischen Vorschriften wie beispielsweise Kalibrierung haben alle Beteiligten insgesamt erfolgreich gestemmt. Mittlerweile sind acht Kalibrierlabore akkreditiert – und die Gesamtzahl der kalibrierten AU-Komponenten stieg bis September auf 46.000 Einheiten. Hahn zeigte sich optimistisch, dass bis Jahresende alle der etwa 90.000 nötigen Kalibrierungen zu schaffen sind.

In diesem Zusammenhang offenbarte Hahn in einem eher unspektakulären Nebensatz Erstaunliches: „Der ASA-Verband erhebt monatlich für alle Kalibrierlabore die Zahl der Kalibrierungen. Künftig wird er diese auf Wunsch der Unterarbeitsgruppe Akkreditierung des Bund-Länder-Fachausschusses (BLFA-TK) auch für Scheinwerfereinstellprüfgeräte und Bremsprüfstände erheben.“ Damit zeichnet sich zum ersten Mal die Möglichkeit ab, genaue Bestandszahlen der im Markt befindlichen Geräte zu erhalten.

Gesetzliche Fahrwerkprüfung rückt näher

Nach langer Zeit der Stagnation konnte zumindest der Fachbereichsleiter für Reifendienst und Achsvermessung, Bernhard Hoffmann, bei zwei Maschinengruppen deutlich steigende Verkaufszahlen melden. So setzen sich zunehmend Reifenmontiermaschinen mit zentraler Montagesäule im Markt durch, und der wachsende Anteil von Fahrzeugen mit Fahrerassistenzsystemen bringt eine starke Absatzsteigerung bei 3-D-Achsvermessungsanlagen mit sich – freilich zulasten der herkömmlichen CCD-Geräte, stellte Hoffmann fest.

Ein bisschen Umsatzanschub durch die PTI könnte es gesetzgeberseitig doch noch geben, allerdings erst in ein paar Jahren: Auf europäischer Ebene haben sich EGEA und CITA (International Motor Vehicle Inspection Committee) mittlerweile auf ein einheitliches Verfahren für die „Stoßdämpferprüfung“ geeinigt. Das so genannte Phasenverschiebungs- oder Phase-Shift-Verfahren setzt Belgien seit 2012 bei schon mehr als zwölf Millionen Fahrzeuguntersuchungen ein.

Vereinfacht dargestellt versetzt beim Phase-Shift-Verfahren eine oszillierende Platte das Fahrwerk über das auf der Platte aufstehende Rad in Schwingung. Das Verfahren bewertet den zeitlichen Verzug und die Änderung der Bodenaufstandkraft des Reifens. Hier könnte sich wieder ein Nachrüstbedarf für Prüfstützpunkte ergeben. Doch im Gegensatz zur relativ „brotlosen Kunst“ der präzisen Scheinwerfereinstellung könnte die genaue Detektierung defekter Fahrwerke einen deutlichen Umsatzschub für die Werkstätten mit sich bringen, zumal für die genaue Diagnose und Instandsetzung des defekten Teils die Expertise der Fachwerkstatt unabdingbar ist.

Ausblick auf die Automechanika 2020

Zu guter Letzt gab Hausherr Olaf Mußhoff, Director Automechanika Frankfurt, den anwesenden Firmen- und Pressevertretern einen Ausblick auf das Konzept der kommenden Automechanika 2020. Hier springen beim Blick auf den Übersichtsplan eine saubere Zweiteilung von Ausrüstung und Teilehandel sowie die zwei neuen Produktgruppen „Diagnose und Reparatur“ sowie „Händler- und Werkstattmanagement“ ins Auge. Halle 5 wird abgerissen, „Reifen und Räder“ zieht aus Halle 12.1 in Halle 12.0 – gemeinsam mit den Themen „Waschen und Pflege“ sowie „Classic Cars“. Mußhoff zeigte sich abschließend mit der bereits erreichten Zahl der Vorbuchungen sehr zufrieden.

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Redakteur Service und Technik