ASA-Verband erwartet höhere Kosten durch SEP-Richtlinie

Autor: Steffen Dominsky

Fast 40 Jahre hat man gebraucht, die „Scheinwerfer-Geräterichtlinie“ zu überarbeiten. Ab dem 1. Januar 2021 tritt die neue Version in Kraft. Doch die gibt laut dem ASA-Bundesverband Anlass zu Kritik. Die Regelungen sind praxisfremd und erhöhen die Bürokratie .

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Kaum ist die neue „Scheinwerfer-Geräterichtlinie“ verkündet, hagelt es bereits reichlich Kritik.
Kaum ist die neue „Scheinwerfer-Geräterichtlinie“ verkündet, hagelt es bereits reichlich Kritik.
(Bild: R.Scheidler)

Mit Verkehrsblatt 17/2020 vom 15. September hat das Bundesverkehrsministerium eine neue Fassung der „Richtlinie für die Prüfung von Scheinwerfereinstellprüfgeräten“ verabschiedet – kurz „SEP-Richtlinie“ genannt. Diese ersetzt die längst zur Novellierung überfällige Fassung aus dem Jahr 1981. Zwar kann Christian Thalheimer, Vorstandsmitglied im Bundesverband der Hersteller und Importeure von Automobil-Service-Ausrüstungen (ASA) und Leiter des ASA-Fachbereichs Prüfstände, der neuen SEP-Richtlinie auch Positives abgewinnen – so schafft diese in einigen Punkten Klarheit, indem sie zum Beispiel nun auf digitale Geräte, Farbfilter oder verbaute Nivelliereinrichtungen eingeht.

Dennoch ist das Ergebnis der Überarbeitung nach 39 Jahren laut Christian Thalheimer enttäuschend: „Die Konsequenzen, die sich aus der nun verabschiedeten Richtlinie für die Gerätehersteller ergeben, werden vermutlich auch Kfz-Betriebe und deren Kunden indirekt zu spüren bekommen.“ Mit anderen Worten: Die Kosten für die Geräte werden steigen. Ein Grund hierfür ist die Tatsache, dass die Baumusterfreigabe für ein Scheinwerfereinstellprüfgerät künftig alle fünf Jahre erneuert werden muss. Dies auch, wenn keine technische Änderung am Gerät erfolgt.

Eine neue Baumusterprüfung ist zudem auch dann durchzuführen, wenn lediglich die Gerätesoftware aktualisiert wird. Dabei ist eine Differenzierung zwischen messtechnisch relevantem Teil und Anwendersoftware, wie es beispielsweise bei Abgastestern bewährte Praxis ist, nicht vorgesehen. Im schlimmsten Fall bedeutet dies, dass ein Softwareupdate eine komplette Baumusterprüfung erfordert. Solche Softwareupdates sind bei den meisten Herstellern mehrmals im Jahr üblich.

Expertenratschläge nicht berücksichtigt

Im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) ist man den meisten der 28 Änderungsvorschläge nicht gefolgt, die ein Unterarbeitskreis des Fachbereichs Prüfstände detailliert erarbeitet hatte. „Wir haben in unserem Arbeitskreis redaktionelle Unschärfen des Richtlinienentwurfs aufgedeckt und Korrekturvorschläge unterbreitet, um in der Praxis erfahrungsgemäß entstehende unnötige Interpretationsspielräume und Missverständnisse in der Anwendung der Richtlinie zu vermeiden“, erklärt Christian Thalheimer. So wirft die seit 2014 viel diskutierte HU-Scheinwerferprüfrichtlinie bis heute in der Branche Fragen auf und ist trotz Korrekturfassungen ebenfalls nicht eindeutig zu interpretieren und praxisorientiert umsetzbar.

Zudem geht die neue SEP-Richtlinie nun auch auf Scheinwerfereinstellprüfgeräte ein, bei denen Unebenheiten des Fahrzeugaufstellplatzes elektronisch kompensiert werden. Doch erstens ist der Einsatz dieses Gerätetyps laut neuer Geräterichtlinie erst noch von den einzelnen Bundesländern zu genehmigen und zweitens widerspricht die Geräte- dann der HU-Prüfrichtlinie, die die Fahrzeugaufstellfläche klar reglementiert. „Hier sind in der Praxis Diskussionen darüber vorprogrammiert, welche Regelung konkret anzuwenden ist“, fürchtet der ASA-Fachbereichsverantwortliche.

Ein weiterer Kritikpunkt der ASA: Während man die Gültigkeit der Baumusterprüfung für erstmals nach dem 1. Januar 2021 geprüfte Geräte auf fünf Jahre begrenzt, können laut alter Richtlinie vom 25. September 1981 die vor dem 1. Januar 2021 geprüften Scheinwerfereinstellprüfgeräte ohne neuerliche Baumusterprüfung bis 31. Dezember 2034 eingesetzt werden.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group