Aston Martin DBX soll den Karren für die Briten aus dem Dreck ziehen

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Das Ergebnis ist ein Erlebnis

Das Ergebnis ist ein Erlebnis, das einerseits ganz typisch ist für Aston Martin und das andererseits ein paar handfeste Überraschungen bereit hält. Denn wenn man mit souveräner Gelassenheit hart am Limit der Legalität lustvoll über die Landstraßen gleitet, dann fühlt sich der DBX an wie jeder andere Gran Turismo aus Gaydon, nur dass er noch ein bisschen mehr Restkomfort bietet und man ihm erst bei verschärfter Gangart ein paar provozierende Untertöne entlocken kann.

Ungewöhnlicher sind dagegen die Eindrücke auf fremdem Terrain – denn so, wie ein SUV eigentlich nichts auf einer Rennpiste verloren hat, so war für einen Aston Martin bis dato die Pampa perdu. Doch mit dem DBX geht beides. Denn auf einem Rundkurs duckt sich der Wagen niedriger auf den Asphalt, schärft alle Sinne und lässt unter dem Wimmern der Reifen auf den riesigen 22-Zöllnern sein gewaltiges Gewicht vergessen, wenn er überraschend eng an der Ideallinie und ungewöhnlich aufrecht durch die Schikanen schneidet.

Und im Unterholz scheut er mit aufgeblasener Luftfeder und knapp fünf Zentimetern mehr Bodenfreiheit weder Schlamm noch Steine und wühlt sich tapfer durch den dicksten Dreck. Schon möglich, dass ein Range Rover im Abseits weiterkommt und eine G-Klasse natürlich erst recht. Doch fürs Abenteuer im Alltag ist der gemeine Aston Martin-Fahrer damit bestens gerüstet.

Auch hinten komfortabel

Mehr noch als den Fahrer überrascht der DBX allerdings die Passagiere. Denn zum ersten Mal in einem Aston Martin haben die auch hinten komfortabel Platz. Wo der Rapide als bislang einziger Viertürer schon für Schulkinder eine Zumutung war, reisen bei 3,06 Metern Radstand nun auch Erwachsene in der zweiten Reihe wie in der ersten Klasse.

Und bei über 600 Litern Kofferraum kann man endlich mehr mitnehmen als nur das kleine Schwarze und eine gut gedeckte Kreditkarte. Selbst Dachträger und allerlei Halterungen für Sportgerät haben die Briten bei ihrem ersten Auto für Praktiker im Programm.

Neue Hardware – alte Software

Auch sonst ist die Liste der Standards und Optionen lang – und trotzdem nicht lückenlos. Das gilt vor allem für das Infotainment, das Aston Martin genau wie den Motor und die 9-Gang-Automatik beim Anteilseigner AMG einkauft.

Während die Briten bei der Hardware allerdings den neuesten Stand bekommen, müssen sie bei der Software eine alte Generation auftragen und deshalb ohne Touchscreen und Online-Funktionen auskommen. Vom Rear-Seat-Entertainment ganz zu schweigen. Das könnte gerade in dieser Fahrzeugklasse deutlich schwerer werden als bei den Sportwagen.

Hersteller in der Krise

Schaut man nach dem Erfolg der Konkurrenz, steht trotzdem außer Frage, dass wahrscheinlich auch der DBX ein Bestseller wird. Aber das ist auch bitter nötig. Denn erstens hat Aston Martin mit einer neuen Plattform und einer neuen Fabrik einen gewaltigen Aufwand für den Hoffnungsträger getrieben.

Und zweitens lahmt der Absatz der klassischen Sportwagen so sehr, dass die Firma aktuell tief in den Miesen steckt. Da ist es irgendwie passend, dass der DBX zugleich der erste Aston Martin mit einer Anhängerkupplung ist – so kann er den Karren vielleicht doch noch aus dem Dreck ziehen.

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