Audi digitalisiert Schauraum

Autor / Redakteur: sp-x/gr / Andreas Grimm

Das gesamte Wunschauto auf einem Stick: Mit einem neuen Verkaufsraum-Konzept animiert Audi die gewählten Modelle der Kunden und spart sich zugleich horrende Mieten.

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Audi hat in London ein neues Schauraum-Konzept eingeweiht. Echte Fahrzeuge spielen da nur noch eine Nebenrolle.
Audi hat in London ein neues Schauraum-Konzept eingeweiht. Echte Fahrzeuge spielen da nur noch eine Nebenrolle.
(Foto: Audi)

Audi wirbt in London mit einem neuen Schauraumkonzept um Kunden: Nahe des Picadilly Circus in der Londoner Innenstadt hat an diesem Montag „Audi City“ eröffnet. Auf wenig Fläche präsentiert der Hersteller sein gesamtes Modellangebot ausschließlich digital. Nach eigener Aussage wird Audi mit dieser Art des Showrooms in den kommenden Jahren in weitere Metropolen vordringen. Bis 2015 sollen gut 20 dieser Stores die Marke repräsentieren. Die nächsten geplanten Standorte sind in Peking und Berlin-Adlershof.

Als „effiziente Flächennutzung“ beschreibt Audi einen Baustein des Konzepts, nämlich den Spagat zu schaffen zwischen den galoppierenden Flächenpreisen für Verkaufsräume in den Städten einerseits und immer mehr Modellvarianten und Nischenprodukten andererseits, die ausgestellt werden müssen – einschließlich aller Farb- und Ausstattungsoptionen sowie Funktionen.

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Andere Aspekte sind die geografische Nähe zum Kunden, zumindest hinsichtlich seiner Arbeitswelten, sowie die „neuen Freiräume für maßgeschneiderte Leistungen und eine noch individuellere Kundenansprache“, wie Peter Schwarzenbauer, Vorstand für Marketing und Vertrieb von Audi, es nennt. Aus Sicht des Herstellers soll sich die Kontaktaufnahme zwischen Mensch und Marke dank Multimediatechnologie persönlicher und lockerer gestalten als in herkömmlichen Autohäusern.

„Die Menschen setzen heute stärker als je zuvor auf ein direktes und persönliches Vertrauensverhältnis zu ihrer Automobilmarke – gerade angesichts der immer größeren Vielfalt an Produkten und verfügbaren Informationen“, wird Schwarzenbauer in einer Pressemitteilung zitiert.

Computerdisplay statt Ledergeruch

Ein Besuch im begehbaren Modell in Ingolstadt offenbart die markantesten Unterschiede zum herkömmlichen Autohaus: keine geparkte Flotte, keine Verkaufstische. Nur ein Modell steht in der Lounge-artigen Architektur, die an drei Seiten von bespielbaren Videoleinwänden dominiert wird, dazu eine Couchecke. Vor einer Wand, die einem Computerdisplay ähnelt, kann man sich hinstellen und mit kleinen Gesten das Menü steuern: das abgebildete Auto drehen, die Türen aufmachen, den Innenraum aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Es ist, als wäre man in die Software seines Smartphones oder Tablets geschlüpft.

In einem diskreten, aber transparent gestalteten Nebenraum kann der Kunde dann zur Tat schreiten. Statt Ausstattungsbroschüren wälzen zu müssen, werfen Beamer im Maßstab 1:1 das gewünschte Auto an die Wand. Mit einer Berührung der Displays stellt man Motorvarianten, gewünschte Assistenzsysteme, Ausstattungselemente wie Farben und Materialien zusammen. Die Leistungsdaten sowie den Preis der Auswahl kann man sofort ablesen. Reale Muster zum Anfassen gibt es aber auch beim vom Rechner gesteuerten Autokauf noch.

Anschließend erhält man vom Verkäufer, der jetzt Kunden-Manager heißt, einen kleinen Datenstick für den häuslichen Computer; diese Informationen werden zugleich bei Audi mit Kundenkennung gespeichert. Das Händlernetz ist in das Konzept der Audi City eingebunden und wird die traditionellen Funktionen wie Wartung und Betreuung weiter ausüben.

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