Audi E-Tron GT Concept: Am Steuer der Zukunft

| Autor: Jens Meiners/Ampnet

Das Auto E-Tron GT Concept auf Testfahrt durch Los Angeles.
Das Auto E-Tron GT Concept auf Testfahrt durch Los Angeles. (Bild: Audi)

Ob die Elektromobilität sich wirklich durchsetzt, ist keineswegs ausgemacht, aber es geht längst nicht mehr nur darum, herrisch vorgetragene Politikerwünsche zu erfüllen. Es geht auch um den Stolz der deutschen Autoindustrie. Man ist es leid, ständig zu hören, von Tesla abgehängt worden zu sein. Und deshalb kommt Schwung in die Sache. Jüngstes Beispiel ist ja der Audi E-Tron, der jetzt in den Handel kommt.

Der Marktstart ist für Ende 2020 geplant. Was auf die Kunden zukommt, zeigte Audi in Los Angeles mit einer Studie. Und wir hatten die Gelegenheit, eine ausgedehnte Runde am Steuer zu drehen, begleitet von zwei Motorradpolizisten – nicht nur um uns vor dem Verkehr abzuschirmen, sondern auch, um beherzt Gas geben zu können – beziehungsweise Strom.

Das Design des E-Tron GT Concept ist atemberaubend: Genau so sollte eine große Sportlimousine proportioniert sein. Mit 496 Zentimetern Länge, 196 Zentimetern Breite und nur 138 Zentimetern Höhe ist der Auftritt extrem. Genauso wie die Details: Die Scheinwerfer sind mit neuester LED- und Lasertechnologie ausgerüstet, das Audi-Gesicht ist geschlossen und „invertiert“ ausgeführt, es gibt ein riesiges Panorama-Glasdach und 285er-Reifen der Serie 30, die auf 22-Zoll-Felgen aufgezogen sind. Statt einer Pseudo-Auspuffanlage, wie sie heute auch viele Autos mit Verbrennungsmotor ziert, gibt es einen brutalen Heckdiffusor.

Es ist eine besonders gute Nachricht, dass fast alles auf das Serienmodell übertragen wird. Wenn der E-Tron GT auf den Markt kommt, wird die Fronthaube, die aktuell als Aero-Element dient, „geschlossen“; die 22-Zoll-Räder werden durch 21-Zoll-Felgen ersetzt. Das Glasdach kann durch ein Kohlefaser-Dachelement substituiert werden. Doch ansonsten soll das Konzeptfahrzeug der künftigen Realität entsprechen. Und wir finden, es sieht aufregender aus als der weicher gezeichnete Porsche Taycan, sein eng verwandtes Schwestermodell.

Entwicklung durch Audi-Sportwagentochter

Ferdinand Piëch, einst Hüter des internen Wettbewerbs, würde sich über diese Schlacht freuen: Ja, der Porsche Taycan ist die Spitzenversion dieser Plattform. Doch der E-Tron GT ist nicht nur ein Audi: Es wird von der Tochtermarke Audi Sport Division entwickelt, der einstigen Quattro GmbH. Dort baut man ansonsten auch den Supersportwagen R8. Dass man sich dort einfach hinter Porsche einsortiert, ist unwahrscheinlich. Natürlich soll erst einmal ein Pro-forma-Abstand zum Porsche Taycan eingehalten werden. Den interpretiert Audi Sport so: Der Taycan hat 600 Pferdestärken, der E-Tron GT 590. Das liegt innerhalb der Toleranzen.

Wir sitzen am Steuer des E-Tron GT und stellen fest, dass das Cockpit der Modellreihe immer futuristischer wird. Das Lenkrad hat nahezu die Form eines Hexagons angenommen, die Mittelkonsole liegt hoch, als Wählhebel dient ein gleitendes Objekt. Die Zughebel am Lenkrad dienen zur Einstellung der Rekuperationsrate in drei Stufen.

Innenraum: Vegan geht auch bei Audi

Dank der Stoffsitze spricht Audi von einem „veganen Interieur“, man brüstet sich mit dem Verzicht auf echtes Leder. Freunde des klassischen Luxus können jedoch beruhigt sein: Natürlich wird es das Serienmodell auch mit einer Innenausstattung aus Naturleder geben. Passform und Verarbeitungsqualität sind jedenfalls sensationell. Insgesamt erinnert das Interieur an einen R8 für vier Personen. Nicht vorgesehen sind übrigens die elektronischen Rückspiegel des regulären E-Tron; die Bildschirme würden zu tief sitzen. Vermisst werden sie hier nicht.

Fahren wir los: Die 590 PS und 890 Nm Drehmoment des Serienautos, die von einem vorderen und einem hinteren Elektromotor erzeugt werden, sind im E-Tron GT Concept noch nicht vollständig verfügbar. Dennoch gibt es keine Enttäuschung, als wir auf das Fahrpedal drücken: Diese Studie beschleunigt mit großem Nachdruck, die E-Motoren surren hörbar – genau wie von Audi vorgesehen. Wenn dieses Auto auf den Markt kommt, wird es trotz seines Leergewichts von über zwei Tonnen die 100-km/h-Marke in weniger als 3,5 Sekunden durchschreiten. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 240 km/h abgeregelt – ein knapper Abstand zu den 260 km/h des Porsche Taycan.

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