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Audi: Spätheimkehrer mit Spannung

Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Einst fristete er sein automobiles Dasein auf einer kleinen Nordseeinsel: Nun fand ein DKW-Elektro-Schnellaster seinen Weg zurück nach Hause.

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Revival in der alten Heimat: der DKW-Elektro-Schnellaster auf Wangerooge.
Revival in der alten Heimat: der DKW-Elektro-Schnellaster auf Wangerooge.
(Foto: Audi AG)

Die Geschichtswächter von Audi präsentieren einen außergewöhnlichen Neuzugang in ihrer historischen Sammlung: einen „DKW Elektro-Wagen“ von 1956. Zwischen 1955 und 1962 produzierte die Auto Union GmbH in Ingolstadt den „Schnellaster“ von DKW. Etwa 100 davon entstanden als Elektromobile, die das Unternehmen vor allem an Energieunternehmen, Stadtwerke oder Batteriehersteller verkaufte. Bei dem nun nach aufwendiger Restauration „heimgekehrten“ Elektro-Schnellaster handelt es sich um ein besonderes Exponat: Der DKW fuhr auf der Nordseeinsel Wangerooge, wo Automobile mit Verbrennungsmotoren verboten sind.

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Normalerweise war der DKW-Schnellaster mit einem Zweitaktmotor ausgestattet, der „Elektro-Wagen“ hingegen mit einem fünf Kilowatt (kW) leistenden Reihenschluss-Motor. Die seitlich in zwei Kästen gelagerten Bleibatterien hatten eine Nennspannung von 80 Volt und eine Kapazität von 200 Amperestunden (AH). Das reichte für eine Fahrstrecke von maximal 80 Kilometern. Seinem Namen wurde der Bayer allerdings nicht mehr gerecht: Die Höchstgeschwindigkeit betrug gerade einmal 40 km/h – kein Wunder in Anbetracht der rund 1.800 kg Gewicht. Allerdings war seine berufliche Heimat auch die Stadt.

Erstes Fahrzeug der neu gegründeten Auto Union

Nur zwei aller jemals gebauten Elektro-Schnellaster haben überlebt. Das Audi-Exemplar wurde über mehrere Jahre aufwendig restauriert und ist nach Vollabnahme wieder im betriebsfähigen Zustand. Dabei stammt dieser E-DKW von der Nordseeinsel Wangerooge, wo er lange Jahre zuverlässig seinen Dienst verrichtete. Dort werden Transportdienste traditionell emissionsfrei mit Elektroautos geleistet.

Der DKW-Schnellaster war übrigens das erste Fahrzeug, das die neue Auto Union GmbH herstellte. Am 3. September 1949 in der alten bayerischen Herzogstadt Ingolstadt gegründet, war diese ein von der ehemaligen sächsischen Auto Union AG rechtlich unabhängiges Unternehmen. Die Auto Union AG war im sächsischen Chemnitz beheimatet und in der sowjetischen Besatzungszone nach einer Zeit der Zwangsverwaltung aus dem Handelsregister gelöscht worden.

Unter bescheidenen Bedingungen startete die Produktion von Fahrzeugen in angepachteten Räumen. Dem Lieferwagen des Typs F 89 L mit Frontantrieb und Zweizylinder-Zweitaktmotor folgte im November 1949 die Produktion des ersten Nachkriegsmotorrades. Es trug die Bezeichnung DKW RT 125 W („W“ stand für „West“) und war die Neuauflage eines zwischen 1940 und 1945 in Zschopau produzierten Erfolgstyps.

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