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Audi: „Unsere Händler sind kreativ und ausdauernd“

| Autor: Christoph Seyerlein

Das Europa-Geschäft ist bei Audi besonders stark von der Corona-Pandemie gebeutelt. Vertriebsvorständin Hildegard Wortmann und Vorstandschef Markus Duesmann sind dennoch davon überzeugt, dass ihr Krisenmanagement greift.

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Audi-Vertriebschefin Hildegard Wortmann will nicht alles digitalisieren.
Audi-Vertriebschefin Hildegard Wortmann will nicht alles digitalisieren.
(Bild: Audi)

Bei Audi zeigt man sich zuversichtlich, die schlimmste Phase der Corona-Pandemie überwunden zu haben. Vertriebsvorständin Hildegard Wortmann sagte am Dienstagabend im Rahmen der virtuellen Weltpremie des Q4 E-Tron Concept: „Im April waren wir am Tiefpunkt angekommen. Im Mai haben sich unsere Verkaufszahlen bereits signifikant verbessert.“ Insgesamt setzte es im zweiten Quartal allerdings ein Absatzminus von 22,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Dabei entwickelten sich die großen Märkte zuletzt unterschiedlich. China erlebt bereits wieder einen kleinen Boom, in den USA erkennt man bei Audi zumindest einen gewissen Aufwärtstrend. Das Sorgenkind ist derzeit der europäische Markt. Dieser erhole sich langsamer, sagte Wortmann. Verkauf und Service würden mittlerweile kontaktlos angeboten. „Wir haben unsere Kunden nicht im Stich gelassen“, lobte die Managerin das Vertriebsnetz.

Wortmann: „Die Corona-Pandemie hat alles umgeworfen“

Generell habe Corona den Hersteller hart getroffen. „Wir hatten einen klaren Plan, waren gut positioniert und hatten einen starken Start ins Jahr. Doch dann hat die Corona-Pandemie alles umgeworfen.“ Man habe sich dann schnell entschlossen, stärker auf digitale Mittel zu setzen, um beispielsweise mit den Händlern und Kunden in Kontakt zu bleiben.

Bei der Digitalisierung wolle man nun ein noch höheres Tempo anschlagen. Übertreiben will es Wortmann aber nach eigenen Angaben nicht: „Ich bin überzeugt davon, dass die persönliche Note und die Erfahrung entscheidend für das Wachstum einer Premiummarke bleiben werden.“ Es gehe nicht darum alles zu digitalisieren, sondern eine Kombination aus digitalem und physischem Erlebnis für die Kunden zu schaffen. Oder wie es Wortmann nannte: „Phigital“ laute ihr neues Credo.

Duesmann: „Dieser Job ist mein Lebenstraum“

Auch der seit April amtierende Audi-Chef Markus Duesmann äußerte sich im Rahmen der Produktneuvorstellung. Er sagte: „Ich hätte einen anderen Start bevorzugt. Aber ich bin froh, dass es nun wieder vorangeht. Dieser Job ist wirklich mein Lebenstraum. Es ist eine großartige neue Herausforderung. Ich habe mich lange darauf gefreut und bin froh und stolz, Teil der Audi-Familie zu sein.“

Die Corona-Pandemie wolle er dabei auch als Chance begreifen, Innovationen und die Transformation bei Audi zu beschleunigen. „Wir haben große Aufgaben zu bewältigen. Aber wir werden das schaffen“, so der Audi-Chef. Viele Kolleginnen und Kollegen würden mit voller Überzeugung ausstrahlen, dass Audi die derzeitige Krise überwinden kann. „Und das stimmt mich wirklich optimistisch“, meinte Duesmann.

Ende der Kurzarbeit in Sicht

Bei einer Online-Diskussion auf „Focus Online“ mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zeigte sich Duesmann am Mittwoch zuversichtlich, dass die Audi-Belegschaft bis zum Herbst vollzählig aus der Kurzarbeit in die reguläre Beschäftigung zurückkehren könne. Derzeit seien noch 15.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. „Wir laufen seit Ende des letzten Monats fast wieder auf Normalniveau. Im Herbst, denke ich, dass wir die Kurzarbeit komplett auf null haben.“

Ungeachtet aller Unkenrufe, dass die deutsche Autoindustrie bei Zukunftstechnologien wie Elektroautos und autonomem Fahren hinter der Konkurrenz aus Asien und den USA zurückliege, verbreitete Duesmann

Optimismus: „Ich denke nicht, dass wir die Lufthoheit verloren haben. (...) Der weltweite Automarkt, da sind sich alle Prognosen einig, wächst stark.“ Die Prognose für dieses Jahr sei etwa 60 Millionen Fahrzeuge, für 2025 etwa 80 Millionen. „Die Deutschen sind mit solcher Stärke gesegnet, dass ich glaube, dass sie in Zukunft noch eine große Rolle spielen werden.“

Söder sagte, dass er sich weniger Sorgen um die Autokonzerne als um die Zulieferer mache. „Da liegt das größere Problem.“ Die Politik müsse für den Herbst vor allen Dingen überlegen, wie sie die Zulieferer mit Hilfe für Forschung und Innovation unterstützen könne.

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