Aufräumarbeiten bei der AVAG

Bessere Auslastung der Kapazitäten / Separierung der Marken

| Autor: Jens Rehberg

Roman Still: „Wachstum geht in nächster Zeit nur mit Betriebsübernahmen.“
Roman Still: „Wachstum geht in nächster Zeit nur mit Betriebsübernahmen.“ (Foto: Rehberg)

Die Kaufzurückhaltung auf dem Pkw-Privatmarkt ist auch am zweitgrößten deutschen Neuwagenhändler nicht spurlos vorübergegangen. Die Augsburger AVAG hat im abgelaufenen Geschäftsjahr (1.9.2012 bis 31.8.2013) in den fünf von ihr besetzten europäischen Märkten rund 2.800 Neufahrzeuge weniger verkauft. Der Gesamtumsatz der Gruppe ging im Vergleich zum Vorjahr um knapp drei Prozent auf rund 1,31 Milliarden Euro zurück. Das Vorsteuerergebnis steigerte die AVAG allerdings leicht auf 8,3 Millionen Euro (2011/2012: 8,0 Mio. Euro).

„Wir liegen einen Schnaps über dem Vorjahr“, kommentierte Finanzvorstand Markus Kruis am Mittwoch vor Pressevertretern in Augsburg das Ergebnis. Dabei hätten etwa eine Million Euro an Restrukturierungskosten den Gewinn gedrückt. Im Zuge des aktuellen Konsolidierungskurses hat die AVAG im vergangenen Geschäftsjahr zehn Filialen geschlossen. Drei Betriebe kamen im selben Zeitraum allerdings auch wieder hinzu. Zudem wurde in manchen Bereichen Personal aufgebaut, sodass die Mitarbeiterzahl der AVAG nach Angaben von Vorstandssprecher Roman Still nach wie vor bei rund 3.500 liegt – 2.500 davon in Deutschland.

Der Rückgang bei den Neuwagenverkäufen auf 44.900 Autos zog sich quer durch die AVAG-Hauptmarken mit Ausnahme von Ford – in dem noch jungen Geschäft mit dem Kölner Hersteller konnte die Gruppe um 500 Einheiten zulegen. Mehr als die Hälfte ihres Neuwagenvolumens macht die AVAG nach wie vor mit Opel – rund 25.700 Einheiten (Vorjahr: 27.200). Die aktuell wieder gestiegenen Zielvorgaben aus Rüsselsheim sieht Roman Still gelassen. Die gut laufenden neuen Modelle Mokka und Adam könnten zusammen mit dem neuen Corsa, der im späteren Jahresverlauf erwartet wird, die benötigten Impulse geben.

Das Gebrauchtwagengeschäft der Autohandelsgruppe fiel mit rund 36.200 Fahrzeugen etwas schwächer aus als im Vorjahr (36.500).

Auch das Aftersalesgeschäft blieb mit einem Umsatz von knapp 336 Millionen Euro nahezu auf dem Niveau des Vorjahres (338 Millionen Euro).

Auf ihren drei größeren Auslandsmärkten Österreich, Polen und Kroation mussten die Augsburger im abgelaufenen Geschäftsjahr rückläufige Umsätze hinnehmen. Allein in Ungarn verzeichnete die AVAG ein Plus – allerdings auf niedrigem Niveau. „Uns stimmt aber positiv, dass wir unterm Strich auf allen Märkten positiv rauskommen“, so Roman Still.

AVAG-Standorte in Europa – zum Vergrößern bitte klicken.
AVAG-Standorte in Europa – zum Vergrößern bitte klicken. (Grafik: AVAG)

Das neue Geschäftsjahr ist nach Angaben des Vorstandssprechers gut angelaufen, es gibt jedoch große Baustellen – allen voran das Thema Rentabilität. So verblieb die durchschnittliche Umsatzrendite der AVAG-Autohäuser im Geschäftsjahr 2012/2013 mit 0,6 Prozent auf dem mäßigen Vorjahresniveau. Von einer langfristig angestrebten Zielrendite in Höhe von 1,5 Prozent ist das Unternehmen weit entfernt.

Zudem fehlt bald das Chevrolet-Volumen – zuletzt immerhin rund 4.200 Einheiten. Der Abzug der Marke soll mit verschiedenen Maßnahmen kompensiert werden bis hin zu Verschiebungen innerhalb des Markenportfolios der Gruppe. Still schließt allerdings auch nicht aus, eine neue Marke hinzuzunehmen. Nichtsdestotrotz gewinnt er der Entscheidung des GM-Konzerns auch etwas Positives ab: „Der Rückzug von Chevrolet ist ein eindeutiges Signal für Opel.“

Im Zuge der weiteren Konsolidierung des Unternehmens setzen die Vorstände unter anderem auf dezentrale Gruppenstrukturen, eine bessere Auslastung von Kapazitäten an den einzelnen Standorten sowie eine konsequente Separierung der Marken – nicht nur in Richtung Kunde, sondern vor allem in der eigenen Organisationsstruktur. Neue Standorte sollen spätestens nach drei Jahren schwarze Zahlen schreiben. Außerdem soll die Eigenkapitalquote des Unternehmens weiter ausgebaut werden.

Die AVAG ist derzeit mit 47 Vertragshändlern an 131 Betriebsstätten in Deutschland, Österreich, Kroatien, Polen und Ungarn aktiv. Neben den Stammfabrikaten Opel und Chevrolet vertritt die Autohandelsgruppe die Marken Toyota/Lexus, Ford, Nissan, Honda, Subaru, Suzuki, Kia, Peugeot, Citroën, Fiat und Alfa Romeo.

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