Insolvenzen Ausgesetzte Antragspflicht verzerrt weiterhin die Bilanz

Autor: Andreas Grimm

Mitten im Lockdown halbieren sich die Insolvenzen im Kfz-Gewerbe – das besagen die offiziellen Zahlen. Doch selbst die Statistiker warnen vor Trugschlüssen. Spannend wird es mit den Mai-Zahlen, denn seit Monatsanfang gilt wieder vollumfänglich die Insolvenzantragspflicht.

Firmen zum Thema

Nichts geht mehr oder doch noch? Im Kfz-Gewerbe sinkt die Zahl der Insolvenzen noch immer.
Nichts geht mehr oder doch noch? Im Kfz-Gewerbe sinkt die Zahl der Insolvenzen noch immer.
(Bild: Holz / »kfz-betrieb«)

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Kfz-Gewerbe nimmt weiter steil und stetig ab. Wie aus der jüngsten Auswertung des statistischen Bundesamts für die Monate Januar und Februar 2021 hervorgeht, haben in diesem Zeitraum nur 48 Betriebe aus der Kfz-Branche ein akutes Liquiditätsproblem angezeigt. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 107 Unternehmen gewesen (-55,1 %).

Damit ist der Rückgang in der Kfz-Branche nochmals deutlich stärker ausgefallen als in der bundesdeutschen Gesamtwirtschaft. Über alle Branchen hinweg verbuchte das Destatis in den ersten beiden Monaten des Jahres einen Rückgang um 26,2 Prozent von 3.138 auf 2.303 Fälle. Dabei ist auch den Statistikern klar, dass sich „die wirtschaftliche Not vieler Unternehmen durch die Corona-Krise noch nicht in einem Anstieg der gemeldeten Unternehmensinsolvenzen widerspiegelt“.

Die Insolvenzantragspflicht war bis Ende April für Unternehmen ausgesetzt, bei denen die Auszahlung der seit 1. November 2020 vorgesehenen staatlichen Hilfeleistungen noch aussteht. Sie müssen im Falle eines Falles ihre Insolvenz aber seit dem 1. Mai 2021 wieder beantragen – insofern dürften die Statistiken ab Mai wieder wirklich interessant werden.

Dann dürfte auch die Zahl der betroffenen Mitarbeiter wieder steigen. In den ersten beiden Monaten waren 416 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von der Insolvenz ihres Betriebes betroffen – neben Autohäusern und Werkstätten sind das Lackierbetriebe und Waschanlagen, Teile- und Zubehörhändler sowie Motorradbetriebe. Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger summierten sich auf 38,1 Millionen Euro.

Die Rückgänge der Insolvenzen waren in den beiden ersten Monaten in fast allen Bereichen der Kfz-Branche festzustellen. Einzig bei den Motorradbetrieben blieb die Zahl mit 5 Fällen konstant. Im klassischen Automobilhandel sanken die Fälle um zwei Drittel von 48 auf 18 betroffene Betriebe. Bei den Kfz-Werkstätten war der Rückgang von 28 auf 16 Betriebe etwas weniger stark ausgeprägt (-42,8 %). Am stärksten war der Rückgang im Teile- und Zubehörhandel von 14 auf 4 Fälle (-71,4 %).

(ID:47402417)

Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«