Das Abomobil Autoabos in Eigenregie statt Margenverlust an Dienstleister

Von Andreas Wehner

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Das Autohaus Heinemann hat mit Entwicklern und Marketingspezialisten ein Start-up gegründet. Das Ziel: Eine Aboplattform zu schaffen, deren Erträge komplett im Handel bleiben. Damit schaffte es das Hyundai-Autohaus unter die Gewinner des Automotive Business Awards 2022 in der Kategorie „Digitalisierung“.

Das Autohaus Heinemann informiert in den Autos im Showroom, dass die Fahrzeuge über die Plattform „Das Abomobil“ abonniert werden können.
Das Autohaus Heinemann informiert in den Autos im Showroom, dass die Fahrzeuge über die Plattform „Das Abomobil“ abonniert werden können.
(Bild: Wehner – Vogel Communications Group )

In immer mehr Geschäftsbereichen schieben sich Dienstleister zwischen Autohäuser und ihre Kunden. Autoabos sind dafür ein klassisches Beispiel. Start-ups drängen mit ihren Angeboten auf den Markt und machen das Geschäft mit den Kunden entweder komplett selbst oder wollen zumindest einen ordentlichen Anteil an der Marge einstreichen.

Das muss doch anders gehen, dachten sich Marc Heinemann, Inhaber der Heinemann-Gruppe, und sein Betriebsleiter Jürgen Kolodziej. Sie entschlossen sich, ein eigenes Autoabo-Portal aufzusetzen – für sich selbst und für andere Händler. Das Ziel: Der Händler soll über Angebot und Ertrag komplett selbst bestimmen können.

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Also taten sich die beiden mit Entwicklern und Marketingspezialisten zusammen und gründeten ein Start-up. Seit einigen Monaten ist nun die Plattform „Das Abomobil“ am Markt. Händler können sie nutzen, um ihren Kunden eigene Aboangebote zu machen. Anders als bei vielen anderen Anbietern ist die Laufzeit komplett flexibel. Kunden können bei „Das Abomobil“ ein Fahrzeug also für einen Tag, eine Woche, einen Monat oder ein Jahr abonnieren.

Und wie funktioniert das Ganze? Der Händler kann alle seine Bestandsfahrzeuge aus der Fahrzeugverwaltungssoftware in die Plattform einspielen, dann aber für jedes einzelne Fahrzeug selbst entscheiden, ob er es im Abo anbieten möchte. Aktuell gibt es Schnittstellen für die Software von Schwacke, DAT, Locosoft und Carex. Weitere sollen folgen. Die Fahrzeuge landen auf der Plattform von „Das Abomobil“. Das Autohaus hat jedoch dank einer White-Label-Lösung auch die Möglichkeit, den Kunden auf seiner eigenen Website ein Aboangebot zu machen.

Bei den angebotenen Fahrzeugen spielt es keine Rolle, ob es sich um Neu- oder Gebrauchtwagen handelt. „Wichtig ist nur: Es müssen echte, verfügbare Fahrzeuge sein“, erläutert Kolodziej. Sie dürfen bis zu zehn Jahre alt sein.

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Die Aboplattform stellt den Händlern einen Kalkulator zur Verfügung, mit dem sie die Abopreise errechnen können. Er arbeitet mit automatischen Vorgaben, die der Händler aber ändern kann. So lassen sich variable Kosten eingeben und der Preis ändern. Der Kalkulator zeigt dann an, wie sich das auf die Marge auswirkt. Der Händler kann also selbst entscheiden, wie viel Ertrag er machen möchte. Im Hintergrund prüft die Software gleichzeitig, ob die Preisgestaltung marktgerecht ist. „Wir zeigen dem Händler auf einen Blick, wie viel er verdient. So kann er selbst entscheiden, ob und wann sich ein Angebot für ihn lohnt“, erklärt Kolodziej.

Das Autohaus Heinemann nutzt „Das Abomobil“ selbst bereits ausgiebig. Die rund 350 Bestandsfahrzeuge der Gruppe sind alle im System, ungefähr ein Viertel davon sind für die Kunden sichtbar. Heinemann nutzt die Plattform unter anderem auch für kostenpflichtige Werkstattersatzwagen bei Unfallreparaturen. „Wir bieten den Kunden auch an, Fahrzeuge für ein Wochenende oder eine Woche Probe zu fahren – gegen Bezahlung. Das kommt gut an, gerade bei Interessenten, die über ein Elektroauto nachdenken“, erzählt Kolodziej.

Und wie will „Das Abomobil“ Geld verdienen? „Wir wollen zusätzliche Services und Dienstleistungen gegen Bezahlung anbieten“, kündigt Kolodziej an. Es wird also auch eine Bezahlversion der Aboplattform geben. „Aber die Basis des Geschäfts, also Autoabos zu generieren und an Kunden zu verkaufen, wird kostenlos bleiben“, versichert Kolodziej. Einen Anteil erhält die Plattform beispielsweise, wenn ein Händler den kostenpflichtigen Bonitätscheck nutzt.

Das Angebot soll nun stufenweise ausgebaut werden. So steht eine App für mobile Endgeräte kurz vor dem Start. Händlerseitig sind eine dynamische, digitale Preisanpassung und ein Inzahlungnahmerechner geplant. Zudem soll es eine digitale Verkaufsstrecke geben. „Das Ziel ist ja, den Abonnenten zum Käufer zu machen“, sagt Kolodziej. Mithilfe eines Sofortkauf-Buttons soll sich der Kunde jederzeit entscheiden können, das Auto zu kaufen. Als weitere Ausbaustufe will das Start-up ein Serviceabo anbieten, um Kunden im Aftersales zu binden.

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