Auto China 2018: Hersteller zwischen SUV und NEV

Marktöffnung sorgt für gute Stimmung

| Autor: Stefan Grundhoff

Die Messehallen sind voll und die Stimmung scheint prächtig – auch weil die chinesische Regierung langsam Anstalten macht, den abgeschotteten Markt zu öffnen. So hat der chinesische Präsident Xi Jinping unter anderem in Aussicht gestellt, die Einfuhrzölle (derzeit 25 Prozent) auf Produkte wie Autos zu senken. Außerdem planen die Chinesen, die Strafabgaben auf verschiedene Produkte zu senken, um das Investitionsumfeld für internationale Unternehmen zu verbessern. Doch damit nicht genug, denn auch die Vorgabe, dass im Land nur unter einer 50-Prozent-Beteiligung eines lokalen Konzerns produziert werden darf, könnte in den nächsten Monaten kippen.

NEV-Quoten kommen 2019

Im vergangenen Jahr gab das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie in China bekannt, dass Automobilhersteller, die jährlich über 30.000 konventionelle Fahrzeuge in China produzieren, ab 2019 NEV-Quoten einhalten müssen. Demnach müssen OEMs ab 2019 eine NEV-Quote von zehn Prozent der gesamten Fahrzeugverkäufe erfüllen, 2020 werden dies zwölf Prozent sein. Das nationale NEV-Segment, bestehend aus Hybrid- und Elektroautos, verzeichnete in China 2017 einen Absatz von 777.000 Einheiten, was einer Steigerung von 53,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Produktion stieg um 53,8 Prozent auf 794.000 Einheiten. Dies entspricht jedoch nur 2,9 Prozent der Neuwagenverkäufe in China.

Überraschend gering zeigt sich die Zahl der reinen Elektroautos auf der Auto China in Peking. In Europa sind bisher ohnehin allenfalls nur Modelle von Byton oder Nio bekannt geworden, die beide auch in der westlichen Welt als elektrische SUV Marktchancen haben. Lexus zeigt in Peking erstmals sein neues Oberklassemodell ES, das mit seinem 218 PS starken Hybrid ohne Plug-In-Modul jedoch nicht in die Fahrzeugklasse der chinesischen NEV (new electric vehicle) fällt, zu der nur Plug-In-Hybride mit einer Reichweite von mindestens 50 Kilometern und reine Elektrofahrzeuge gehören.

VW und JAC gründen Elektromarke

Auch deshalb hat VW zusammen mit dem Joint Venture Partner JAC die Elektromarke „Sol“ (Sonne) gegründet. Noch dieses Jahr erscheint mit dem 4,15 Meter langen Sol E20X das erste der rein elektrischen Fahrzeuge. Die Basis für den 1.460 Kilogramm schweren Crossover ist der JAC iEV 7s. „Wir haben das Auto deutlich verbessert“, stellt Seat-Entwicklungschef Matthias Rabe klar. Das fängt bei der Crashstruktur, einer steiferen Karosserie und einem höheren Sicherheitsniveau an, und hört beim Exterieur- und Interieur-Design auf, das von den Seat-Formengebern überarbeitet wurde.

Die Formensprache des E20X soll wegweisend für die folgenden Sol-Modelle sein. Das kleine Elektro-SUV verfügt über einen 80 kW/109 PS Elektromotor und dank der 43-Kilowattstunden-Batterie über eine Reichweite von mehr als 300 Kilometern. Innerhalb einer Stunde sollen die Akkus wieder zu 80 Prozent gefüllt sein. Ein weiteres wichtiges Auto des VW-Konzerns ist der Lavida, von dem der Wolfsburger Autobauer im vergangenen Jahr rund 450.000 Modelle verkauft hat. Die Stufenheck-Limousine, die zusammen mit dem Joint-Venture-Partner SAIC produziert wird, hat bei der Länge zugelegt und wird als weitere Version einen Kombi namens Lavida Plus erhalten.

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