CO2-Reduktion Autobauer bieten schärfere Grenzwerte gegen bessere Infrastruktur

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

Diskussionen um verschärfte CO2-Ziele lösen normalerweise Ablehnung unter den Autobauern aus. Nun signalisiert der Herstellerverband Acea erstmals Entgegenkommen. Doch die Hersteller wollen dafür eine Kompensation.

Künftig zunehmend CO2-frei: Der Herstellerverband Acea signalisiert Entgegenkommen im Falle schärferer CO2-Vorgaben der EU.
Künftig zunehmend CO2-frei: Der Herstellerverband Acea signalisiert Entgegenkommen im Falle schärferer CO2-Vorgaben der EU.
(Bild: BMW)

Die europäische Autoindustrie zeigt sich offen für eine Verschärfung von Kohlendioxid-Grenzwerten für mehr Klimaschutz. Dies müsse aber gekoppelt werden an verbindliche Ausbauziele der EU-Staaten für Elektroladesäulen und Wasserstofftankstellen, erklärte der Branchenverband Acea am Mittwoch in Brüssel. Dies habe Acea bei einem Treffen mit EU-Kommissionsvize Frans Timmermans vor einigen Tagen signalisiert, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen.

„Die Autobauer bleiben dem Ziel einer Kohlenstoff-neutralen Mobilität verpflichtet, und wir bringen die nötige Technologie sehr schnell auf den Markt“, versicherte Acea-Chef Oliver Zipse, der Vorstandsvorsitzende von BMW. „Aber das kann keine einseitige Verpflichtung sein.“ Der Erfolg bei der Senkung der CO2-Werte hänge von der nötigen Infrastruktur ab.

Bisher gilt, dass der CO2-Ausstoß von Neuwagen im Jahr 2030 im Schnitt um 37,5 Prozent niedriger sein muss als 2021. Da jedoch das EU-Klimaziel für 2030 erhöht werden soll, will Timmermans auch die Vorgaben für Autos und Vans nachschärfen. Ein offizieller Vorschlag wird für Juni erwartet.

Umweltverband sieht Autobauer auch beim Laden in der Pflicht

Der Umweltverband BUND sieht die Forderung der Industrie nach staatlich aufgebauten Ladesäulen kritisch. „Für den Aufbau von Ladeinfrastruktur ist die Automobilwirtschaft verantwortlich“, erklärte BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg. „Dass sie dazu finanziell in der Lage ist, zeigen die auch für 2020 ausgezahlten Dividenden in Milliardenhöhe. EU und Bundesregierung können und müssen dafür in erster Linie die rechtliche Rahmen setzen.“

Timmermans hatte Mitte März im „Tagesspiegel am Sonntag“ noch von Widerständen in der Autoindustrie gegen neue Grenzwerte gesprochen. In der Vergangenheit habe es regelmäßig aus der Branche geheißen, dass neue Vorgaben unmöglich zu schaffen seien. „Und dennoch haben wir gerade in diesem letzten Jahr gesehen, dass die Automobilindustrie es dann doch geschafft hat“, sagte der Kommissionsvizepräsident damals.

Unabhängig von der Debatte über schärfere CO2-Werte will die EU-Kommission 2021 auch eine neue Abgasnorm Euro 7 mit strikteren Grenzwerten für Stickoxide und andere Schadstoffe einführen. Dagegen mobilisiert der Verband der Automobilindustrie. Die anvisierten Grenzwerte seien so streng, dass dies auf ein Ende des Verbrennungsmotors ab 2025 hinauslaufe, moniert der VDA.

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