Studie Autobauer könnten Chipmangel für kräftige Preiserhöhungen nutzen

Autor Andreas Grimm

Der anhaltende Chipmangel in der Autoproduktion sorgt derzeit für lange Lieferverzögerungen. Mittelfristig könnten die Käufer die Folgen direkt im Geldbeutel spüren – eine Studie sieht Spielraum für bis zu zehn Prozent Neupreis-Aufschlag.

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Neuwagen sind gefragt, doch das Angebot ist knapp. Einer Studie zufolge könnte ein starker Preisauftrieb folgen.
Neuwagen sind gefragt, doch das Angebot ist knapp. Einer Studie zufolge könnte ein starker Preisauftrieb folgen.
(Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Der Kreditversicherer Euler Hermes rechnet für den deutschen Markt mit einem Preisaufschlag für Neuwagen von 4 bis 10 Prozent. Wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung schreibt, könnten die Listenpreise im Europaschnitt um 3 bis 6 Prozent klettern. Grund für die Entwicklung sei „die noch nie dagewesene und sich verschärfende Materialknappheit, insbesondere bei Halbleitern“. Das entstandene Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage im Neuwagenmarkt könne noch bis zum ersten Halbjahr 2022 anhalten.

Gemäß dem klassischen ökonomischen Grundsatz, dass sich der Preis aus Angebot und Nachfrage bildet, hätten die Automobilhersteller nun die Gelegenheit, die Preise nach fast 20 Jahren anzuheben und ihre Margen deutlich zu verbessern, heißt es von Euler Hermes (Anm. d. Red.: gemeint ist vermutlich ein Aufschlag über die allgemeinen Preissteigerungen hinaus). „Die europäischen Autobauer sitzen am längeren Hebel und könnten in den kommenden Monaten deutlich an der Preisschraube drehen", prophezeien die Experten für Warenkreditversicherungen.

Allerdings schränkt Euler Hermes selbst ein, dass die Chance zum Preisaufschlag nur so lange bestehe, „bis sich der Ausnahmezustand bei den Halbleitern wieder normalisiert“. Für steigende Preise spricht zudem, dass die generelle Nachfrage nach Pkw aufgrund der großen „Wiedereröffnung der Wirtschaft“ nach dem Lockdown deutlich angezogen hat. Die Neuzulassungen in Europa stiegen im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25,2 Prozent auf fast 5,4 Millionen Pkw.

„Der Nachhol-Boom ist in vollem Gang und die Branche gibt wieder Gas“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland. Zwar sei längst noch nicht das Vorkrisenniveau erreicht, die Zuwachsraten der Neuzulassungen in allen wichtigen europäischen Märkten seien aber deutlich zweistellig, insbesondere in Italien (+51 %) und Spanien (+34 %). „Diese Erholung sowie die steigende Preissetzungsmacht ist für die gesamte Branche ein Hoffnungsschimmer für die baldige Rückkehr in eine neue Normalität.“ Das sei auch für die Zulieferer ein wichtiges Signal.

Die Branche müsse gleichzeitig dringend über den Tellerrand hinausschauen und wichtige Weichen stellen, um beim Thema Nachhaltigkeit und alternative Antriebstechniken nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten, mahnt Euler Hermes. „Mit höheren Preisen und Margen ist das nicht die schlechteste Ausgangssituation.“

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