Autohaus Bald zeigt Optimismus für 2010

Autor / Redakteur: Stephan Richter /

Das Autohaus Bald mit Hauptsitz in Siegen geht optimistisch ins Jahr 2010. Mit einem eigenen Lkw-Fahrertraining möchte das Mercedes-Benz-Autohaus weitere Kunden an sich binden.

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Tobias Bald, geschäftsführender Gesellschafter der Bald Automobilgesellschaft, bleibt auch im Angesicht der Finanzkrise und sinkender Absatzzahlen gelassen: „Während des Zweiten Weltkriegs sind unsere Gebäude komplett zerstört worden. Mein Urgroßvater und mein Großvater mussten bei null wieder anfangen, das Unternehmen aufzubauen. Wir sind schon früher erfolgreich durch eine Krise gegangen, dann schaffen wir das auch heute!“

Die Bald-Gruppe mit Hauptsitz in Siegen hat schon viel durchgemacht. Die Gebäude lassen nicht viel davon erahnen und gleichen vielen anderen Autohäusern dieser Welt. Aus den hochgelegenen Fenster des Konferenzraums ist es ein Leichtes, das Firmengelände zu überschauen, dessen Gebäude sich wie eine Perlenkette an der stark befahrenen Leimbachstraße aufreihen.

Lange Firmengeschichte

Erst der Blick an die Zimmerwände offenbart die weitreichende Geschichte des Unternehmens: Dankesbriefe, Gründungsurkunden, Anerkennungsschreiben und Visitenkarten aus dem 19. Jahrhundert sind Zeichen aus einer Zeit, in der es noch gar keine Automobile gab.

Vielmehr gründete der Wagenbauer Heinrich Bald 1862 eine Wagenfabrik mit Dampfbetrieb und legte den Grundstein für das heutige Unternehmen Bald in Siegen. Der ursprüngliche Plan war, Kutschen und Lieferwagen zu fertigen, und zwar ein Jahr, nachdem die Ruhr-Sieg-Bahn und die Eisenbahnstrecke zwischen Siegen und Köln eingeweiht worden waren. Der Trend ging zur Schiene, Fuhrunternehmer protestierten. Nur Heinrich Bald behielt den Weitblick, dass die Konsumenten auch zukünftig den Wunsch haben würden, Reiseverkehr mit eigenem Gefährt zu tätigen und Güter selbst zu transportieren.

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Regional verbunden

Heute zählt das Unternehmen neun Standorte und vertritt Mercedes-Benz, Smart, Audi und Volkswagen, sodass die Geschichte des Automobils im Siegerland scheinbar untrennbar verbunden ist mit dem Namen Bald. Über fünf Generationen hinweg leiteten immer Mitglieder der Familie die Geschicke der Firma. Auch heute noch befindet sich das inzwischen 500 Mitarbeiter starke Unternehmen in Familienhand. Bis 2004 waren noch neun Bald-Kinder gleichzeitig als Inhaber des Unternehmens geführt, heute leitet Tobias Bald die Geschäfte gemeinsam mit Uwe Hucklenbroich.

In diesem Jahr begann auch die Restrukturierung der Autohaus-Gruppe in den Bereichen Organisation, Computertechnik, Führungsstruktur und Personal. Im Zuge dessen musste der Betrieb fast 100 Arbeitsplätze abbauen: „Das war eine schwierige Zeit und es war gut, dass wir auf loyale Mitarbeiter bauen konnten“, erinnert sich Bald: „Wir haben unsere Prozesse vor einigen Jahren optimiert und können jetzt im Gegensatz zu vielen anderen davon zehren.“ Für 2010 rechnet Bald mit einer großen Insolvenzwelle im mittelständischen Fahrzeughandel.

Fahrertraining und Software

In der gesamten Firmengeschichte hat sich die Bald-Gruppe große Nutzfahrzeugkompetenz erarbeitet. „Dieses Wissen wollten wir nicht ungenutzt lassen“, sagt Tobias Bald. Daher investierte das Unternehmen 2009 160.000 Euro in Schulungsräume und -fahrzeuge und bildete einen seiner Mitarbeiter aus, um Fahrertrainings anbieten zu können.

Der Erfolg gibt der Idee Recht: Seit Mai 2009 hat das Autohaus 200 Fahrer geschult und ist bis März 2010 ausgebucht. „Neben der Ladungssicherung bringen wir die Trucker auch in Sachen ökonomischer und ökologischer Fahrweise auf den neuesten Stand“, erklärt Bald. „Zudem sind die Trainings ein wichtiges Kundenbindungsinstrument.“ Zu den Fahrern gehören aber nicht nur Bald-Kunden; auch Speditionen mit gemischten Fuhrparks oder mit Fremdmarken melden ihre Fahrer zu den Fahrertrainings an.

Ein weiterer Baustein der Zukunftsstrategie war die Umstellung auf ein neues Dealer-Management-System von SAP. Das Unternehmen verfügt jetzt an allen Standorten über einen einzigen Kundenstamm für Service und Handel. „Als Pilothändler brauchten wir zwei Jahre, bis das System unseren Erwartungen entsprach und wir es Mitte 2008 freischalten konnten“, sagt Bald. Diese „Herkulesaufgabe“ sei nach seinen Aussagen eine der wichtigsten Investitionen für das Unternehmen gewesen und lässt ihn optimistisch in die Zukunft blicken.

Über Generationen

Wie viele mittlere und größere Firmen des Siegerlands begann das Unternehmen recht bescheiden und entwickelte sich erst allmählich durch Fleiß, gute Leistungen und eine anspruchsvolle Lebensweise Stufe um Stufe weiter. Heinrich Bald baute die Wagenfabrik auf, und seine Söhne und Enkel führten das Geschäft weiter. Dabei konnten Kriege, Geldentwertungen und Brände das Gedeihen nicht verhindern.

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Die künstlerisch talentierte Ehefrau des Gründers und ihr Sohn, Fritz Bald sen., malten Monogramme, Firmen- und Reklameschilder sowie Strichabsetzungen an den Rädern und Drehgestellen der Kutschen und Geschäftswagen. Heinrich Bald sen. betreute den Betrieb, und Fritz Bald sen. war für die kaufmännischen und technischen Büroarbeiten mit Entwürfen und Bauzeichnungen für die verschiedenen Aufträge zuständig. Allein und per Fahrrad aquirierte er neue Kunden in einem Umkreis von 60 Kilometern – einem Gebiet, in dem heute 22 Verkäufer für das Automobilgeschäft zuständig sind.

Verkauf weitet sich aus

Der Vertrieb von Automobilen begann im Jahr 1906 mit dem Verkauf von Dixi-Limousinen und zwei Jahre später mit Horch-Wagen. Seit dem Jahr 1911 verkaufte die Firma Heinrich Bald auch Benz-Pkw und -Lkw. Nach der Fusion der Daimler-Motoren-Gesellschaft und der Benz-Cie., Rheinische Automobil- und Motorenfabrik, dehnte das Unternehmen 1926 die Verkaufsorganisation auf die Daimler-Benz AG aus. Seit dieser Zeit vertreibt die Firma Bald Mercedes-Benz-Wagen.

Immer in der Bauphase

Ab diesem Zeitpunkt standen neue Gebäude auf dem Plan: Reparaturhallen, Bürogebäude und Ersatzteillager – alles brauchte seinen Platz. Vor allem, da sich auch die Erzeugnisse der Daimler-Benz-Werke verbesserten, optimierte Fahreigenschaften vorwiesen und schneller fuhren.

1955 errichtete das Unternehmen daher die erste Filiale in Altenkirchen.

Im August 1960 erwarb das Autohaus Bald ein 25.000 Quadratmeter großes Grundstück, auf dem nach zwei Jahren der Bau der heutigen Geschäftsräume begann. „Derzeit planen wir keine weiteren Standorte“, sagt Bald: „Im Moment möchten wir die Qualität unserer Arbeit verbessern. Vor einigen Jahren war die Kundenzufriedenheit noch nicht besonders hoch, heute zählen wir zu den besten zehn Betrieben in Deutschland.“ Damit das so bleibt, investiert das Unternehmen weiterhin in die Ausbildung seiner Mitarbeiter.

Eigene Bald-Standards

Heute gibt es neben dem Hauptbetrieb in Siegen sieben Filialen, die im wesentlichen Dienstleistungsfunktionen ausüben und teilweise Ausstellungs- und Verkaufsräume haben. Dazu zählen Dillenburg, Betzdorf, Waldbröl, Bad Marienberg, Altenkirchen, Kreuztal und Rennerod.

„2009 haben wir die vorläufigen Bauarbeiten an den Gebäuden abgeschlossen“, sagt Bald. Neben den Richtlinien von Mercedes-Benz verfügen die Ausstellungsräume über eigene „Bald-Standards“. Dazu gehört ein großer Abdruck der ersten Visitenkarte des Unternehmens, der hinter jedem Empfangstresen steht, sowie ein eigenes Lichtdesign, das die Kunden entlang der Neuwagen führen soll.

Weitere Umbauten geplant

„Jetzt fehlt nur noch der Nutzfahrzeugbetrieb in Siegen“, sagt Bald. Für die Immobilie plant er unter anderem Übernachtungsmöglichkeiten für die Fahrer, ein Restaurant und eine neue Dialogannahme. „Wir möchten die Fahrer in höchsten Maßen wertschätzen, schließlich sind sie wichtige Kunden und entscheiden beim Kauf eines neuen Lkw mit“, sagt Bald.

Fazit: Die Bald Automobilgesellschaft ruht sich nicht auf ihren Erfolgen aus. Die lange Unternehmensgeschichte verpflichtet und bietet zudem allerlei Anlass, Firmenjubiläen und Ehrungen langjähriger Mitarbeiter zu feiern. Innerlich bereitet sich das Unternehmen auf das Jahr 2012 vor, für das schon jetzt das 150-jährige Firmenbestehen groß im Kalender steht.

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