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Autohaus Tendyck: Trotz Insolvenz optimistisch

| Autor: Jakob Schreiner

Dieselkrise, Leasingrückläufer, Probleme mit dem Hersteller und eigene Fehler – aus dieser Gemengelage heraus, meldet das Autohaus Tendyck aus Nettetal (NRW) Insolvenz an. Im Gespräch mit »kfz-betrieb« erläutert der Nissan-Händler Richard Tendyck die Hintergründe.

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(Bild: Autohaus Tendyck)

Der Nissan-Händler Tendyck aus Nettetal direkt an der holländischen Grenze ist in finanzielle Schieflage geraten. Trotzdem blickt der Unternehmer optimistisch in die Zukunft. Er sei überzeugt, dass er sein Unternehmen nach dem Abschluss des Verfahrens am 1. April weiterführen kann, sagte der Inhaber Richard Tendyck im Gespräch mit »kfz-betrieb«. Er beantragte die Insolvenz selbst beim Amtsgericht Krefeld, wo das Verfahren seit dem 24. Januar läuft.

Als einen Hauptgrund für die finanzielle Schieflage identifizierte er die Absatzeinbrüche von Diesel-Neufahrzeugen und den schleppenden Verkauf gebrauchter Euro-5-Diesel. „Wir haben 40 Prozent weniger Neuwagen mit Dieselmotor verkauft“, sagt er. Der Selbstzünder machte vor der Krise rund 60 Prozent der Verkäufe aus, jetzt sei man bei 20 Prozent angelangt. Hinzu kamen die Diesel-Rückläufer aus den Leasingverträgen, die jetzt auf dem Hof des Unternehmers stehen. Durch den hohen Dieselanteil im Verkaufs- und Leasinggeschäft verschärften sich die Effekte bei Tendyck.

Probleme mit dem Importeur

Für den vollen Hof seien aber nicht nur die Leasingrückläufer schuld. Mitverantwortlich dafür sei auch der hohe Eigenzulassungsanteil bei Nissan. Der Importeur führte vergangenes Jahr die Eigenzulassungsstatistik in Deutschland mit fast 50 Prozent an. Das und weitere Punkte, wie die geforderten Investitionen in die CI, die bei ihm rund 130.000 Euro ausgemacht hätte, kritisierte Tendyck. Damit schließt sich der Unternehmer der Kritik des Nissan Händlerverbandes am Importeur weitestgehend an.

Trotz dieser Schwierigkeiten will der Unternehmer – wie die vergangenen 30 Jahre – Nissan-Händler bleiben, sich aber ein zweites Fabrikat ins Haus holen. Ziel dabei ist es, sich in Zukunft ein zusätzliches Standbein aufbauen, um die beschriebenen Effekte künftig abfedern zu können.

„Wir haben auch Fehler gemacht“

Tendyck will die Schuld aber nicht nur beim Importeur und der Dieseldebatte suchen. „Wir haben auch Fehler gemacht“, sagt er selbstkritisch. Konkret habe man sich zu spät auf das Gebrauchtwagengeschäft fokussiert, das den Einbruch des Neuwagengeschäftes hätte abfedern können. Außerdem habe er sich die Händlerprämie mit Eigenzulassungen erkauft, wodurch zu viel Kapital gebunden gewesen sei, das dann an anderer Stelle fehlte.

Die Autohaus Tendyck GmbH betreibt neben dem Stammbetrieb in Nettetal noch eine freie Werkstatt in Kempen und ein Nissan-Autohaus in Dormagen. Lediglich der 2011 übernommene Standort in Dormagen steht nach seinen Aussagen auf der Kippe, da die Pacht zu hoch und das Gebäude nicht mehr zeitgemäß sei. An den drei Standorten arbeiten insgesamt 32 Personen. Richard Tendyck bleibt trotz der schwierigen Situation zuversichtlich und sieht sogar etwas Positives darin: „Wir nutzen die Phase jetzt, um uns neu aufzustellen und fit für die Zukunft zu machen.“

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Über den Autor

 Jakob Schreiner

Jakob Schreiner

Redakteur Ressort Service & Technik