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Autoindustrie macht sich wegen Corona Sorgen um Arbeitsplätze

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Wehner

Der Verband der Automobilindustrie sieht angesichts der Corona-Krise Jobs in der Branche bedroht. Viele Unternehmen gehen allerdings sehr verantwortungsvoll mit ihren Mitarbeitern um, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller.

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(Bild: BMW)

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht angesichts der Coronavirus-Krise Jobs in der Branche bedroht. „Wir machen uns Sorgen um die Arbeitsplätze und die Zukunft“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller am Montag im ARD-Morgenmagazin.

Momentan sehe sie allerdings Unternehmen, die sehr verantwortungsvoll mit ihren Mitarbeitern umgingen. Firmen schöpften die Instrumente voll aus, um die Menschen auch an Bord zu halten. Einen Ausblick auf die Zukunft der Branche wollte Müller nicht geben: „Wir möchten uns im Moment noch nicht beteiligen an Spekulationen, wie hoch eine Rezession ausfallen wird.“ Zwar sei es richtig, im Hintergrund verschiedene Szenarien zu entwickeln. Es helfe aber nicht, wirre Spekulationen zu verbreiten.

In der vergangenen Woche hatte der Verband die Sorge geäußert, dass die staatlichen Hilfen in der Corona-Krise „für manches Unternehmen zu spät“ kommen könnten. Es sei fraglich, „ob Behörden und Verwaltungen in der Lage sind, die große Zahl der Anträge auf Liquiditätshilfen und steuerliche Erleichterungen in der kurzen Zeit abzuarbeiten“, sagte Hildegard Müller am Freitag mit Blick auf die vom Bundesrat beschlossenen Maßnahmen. Wenn aber die Hilfen erst in drei oder vier Wochen greifen, dann tue sich beim einen oder anderen Betrieb genau in diesem Zeitraum ein Liquiditätsengpass auf.

Es sei daher zu überlegen, ob staatliche Stellen bei der Bearbeitung der Anträge und Umsetzung der Hilfsmaßnahmen „auf Kapazitäten der Privatwirtschaft und Dienstleister zurückgreifen sollten“, meinte Müller. So könne die Abwicklung der Hilfen beschleunigt werden.

Die Maßnahmen seien „zielführend und richtig“. Demnach können nun große Firmen unter einen 600 Milliarden Euro umfassenden Schutzschirm schlüpfen und notfalls auch ganz oder zum Teil verstaatlicht werden. Für kleine Firmen und Selbstständige gibt es direkte Zuschüsse in Höhe von insgesamt 50 Milliarden Euro.

Dudenhöffer: Nachfrage dürfte um 15 Prozent einbrechen

Nach Ansicht von Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer droht in der deutschen Autoindustrie der Verlust von mehr als 100.000 Arbeitsplätzen durch die Corona-Krise. Die Nachfrage dürfte dieses Jahr um 15 Prozent einbrechen, und nach den Erfahrungen aus der Finanzmarktkrise werde der Aufholprozess mehr als zehn Jahre dauern, heißt es in einer Studie, die der „Deutschen Presse-Agentur“ vorliegt.

In den deutschen Werken gebe es über Nacht Überkapazitäten von 1,3 bis 1,7 Millionen Fahrzeugen. Kurzarbeitergeld überbrücke nur kurze Zeiten. Kein Unternehmen könne ungenutzte Produktionskapazität jahrelang vorhalten. Deshalb seien 100.000 der heute 830.000 Arbeitsplätze bei Autobauern und Zulieferern in Deutschland gefährdet – „unter optimistischen Annahmen“, schrieb Dudenhöffer.

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