Suchen

Autoindustrie mit Lieferengpässen bei E-Autos: Verzockt oder Kalkül?

| Autor: Christoph Seyerlein

Der Staat fördert Elektroautos in Deutschland aktuell stark. Doch einige Modelle haben extreme Lieferzeiten oder sind gar nicht erst verfügbar. Lässt die Autoindustrie hier Chancen liegen oder stecken andere Überlegungen dahinter?

Firmen zum Thema

Viele Elektroautos haben in Deutschland aktuell sehr lange Lieferzeiten oder sind gar nicht erst bestellbar.
Viele Elektroautos haben in Deutschland aktuell sehr lange Lieferzeiten oder sind gar nicht erst bestellbar.
(Bild: Skoda)

Elektroautos sind in Deutschland aktuell gefragt wie nie. Nicht zuletzt ist das auf die erhöhte staatliche Förderung seit Juni zurückzuführen. Gleichzeitig steigen bei einigen Herstellern allerdings auch die Lieferzeiten für die Stromer – oder diese sind gar nicht mehr bestellbar.

Stellt sich die Frage: Hat sich die Autoindustrie verzockt und sich zu spät auf die Rahmenbedingungen eingestellt? Eine deutliche Mehrheit sagte dazu bei einer Umfrage von »kfz-betrieb« via Instagram: ja. 79 Prozent der insgesamt 1.803 Teilnehmer stimmten jener These zu.

Aus dem Volkswagen-Umfeld war zuletzt zu hören, dass der Hersteller von der politischen Entscheidung in Folge der Corona-Krise, lediglich elektrifizierte Autos und keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zu prämieren, ein Stück weit überrumpelt wurde. Die Folge waren hohe Bestelleingänge gerade für kleine E-Autos wie den VW E-Up oder den Skoda Citigo-E. Für jene Modelle verhängten die Marken zuletzt Bestellstopps, da sie die Nachfrage nicht mehr bedienen konnten.

Allerdings gibt es Zweifel, ob der Konzern darüber überhaupt allzu unglücklich ist. Denn gerade mit den Kleinst-Stromern verdienen Hersteller bislang kaum Geld. Im Gegenteil: Volkswagen-Chef Herbert Diess erklärte vor einigen Wochen, dass VW bei jedem E-Up und E-Golf bis zu 5.000 Euro draufzahle.

Auch lieferfähige Modelle können im Handel Druck erzeugen

Für den Handel birgt eine mangelnde Lieferfähigkeit von Elektrofahrzeugen das Risiko enttäuschter Kunden. Allerdings kann in manchen Fällen auch der umgekehrte Fall für Schwierigkeiten sorgen. So ist etwa aus dem Renault-Handel zu hören, dass längst nicht jeder Partner glücklich darüber ist, dass es das lieferfähige Auto aktuell zu sehr günstigen Konditionen zu haben gibt.

Hintergrund sind dabei die Restwerte gebrauchter E-Fahrzeuge. Die Preise für jene „ältere“ Stromer, die keine Förderung mehr erhalten, geraten durch die hohen Subventionen für neue und junge Gebrauchte Modelle zunehmend unter Druck. Das stellte zuletzt beispielsweise auch die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) in einer Analyse fest. So gesehen könnte bei manchem Hersteller hinter den langen Lieferzeiten auch ein gewisses Kalkül stecken, die Restwerte besser kontrollieren zu wollen.

(ID:46893158)

Über den Autor