Kfz-Werkstattrecht Autoklau nach Schlüsseleinwurf

Autor Doris Pfaff

Wenn Kunden ihre Autos zur Reparatur in die Werkstatt bringen und die Schlüssel in den Briefkasten werfen, besteht mitunter die Gefahr, dass die Fahrzeuge gestohlen werden. Ob dann die Versicherung zahlt, hängt von der Art des Werkstatt-Briefkastens ab. Auch, ob die Werkstatt in Regress genommen werden kann.

Firmen zum Thema

Sicher oder nicht? Ein Werkstattkunde sollte, bevor er seine Autoschlüssel in einen solchen Briefkasten wirft, genau prüfen, ob Langfinger diese nicht wieder herausholen können.
Sicher oder nicht? Ein Werkstattkunde sollte, bevor er seine Autoschlüssel in einen solchen Briefkasten wirft, genau prüfen, ob Langfinger diese nicht wieder herausholen können.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Es passiert nicht oft, aber doch hin und wieder: Wenn Kunden außerhalb der Öffnungszeiten die Schlüssel ihrer Fahrzeuge in den Briefkasten der Werkstatt werfen und das Auto dort abstellen, besteht das Risiko, dass Langfinger den Schlüssel herausfischen und den Wagen stehlen.

Ist das Auto gestohlen, prüft die Kaskoversicherung, ob der Fahrer im Umgang mit seinen Schlüsseln grob fahrlässig handelte, als er mit dem Einwurf Schlüssel und Fahrzeugschein für andere zugänglich machte. In einem solchen Fall hat der Bestohlene nicht den vollen Anspruch auf Entschädigung.

Das Landgericht Oldenburg (AZ 13 O 688/20) beschäftigte sich mit einem solchen Fall und kam zu dem Urteil, dass es immer auf den Einzelfall ankommt und insbesondere auf den Briefkasten der Werkstatt.

In dem Verfahren hatte ein Autofahrer gegen seine Versicherung geklagt, weil die nicht die volle Entschädigungssumme für den gestohlenen Wagen zahlen wollte. Die Versicherung war der Meinung, dass der Autofahrer grob fahrlässig gehandelt habe und ihn eine Mitschuld treffe, weil er den Schlüssel in den Briefkasten seiner Werkstatt eingeworfen habe.

Denn aus diesem hatten sich Unbekannte den Schlüssel herausnehmen und das Auto stehlen können, argumentierte die Versicherung. Der Versicherte hielt dagegen, dass der in der Fassade eingebaute Briefkasten auf ihn einen sehr sicheren Eindruck gemacht habe. Er sei davon ausgegangen, dass die Schlüssel tief genug und ins Gebäudeinnere fielen, sodass Diebe sie nicht hätten herausnehmen können. Dass es tatsächlich anders war, sei für ihn nicht erkennbar gewesen. Der Werkstattkunde glaubte sich deshalb auf der sicheren Seite und habe nicht fahrlässig gehandelt.

Wirkt der Briefkasten sicher, trifft Kunden keine Mitschuld

Das sah das Gericht auch so. Aufgrund der Bauart des Briefkastens hätte der Kunde an der Sicherheit des Briefkastens keine Zweifel bekommen müssen. Deshalb treffe ihn keine Mitschuld. Die Versicherung müsse die volle Entschädigungssumme zahlen.

In einem solchen Fall sei allein der Umstand entscheidend, welchen Eindruck der Briefkasten mache, so die Urteilsbegründung. Wenn ein Kunde jedoch schon an der Art des Briefkastens Zweifel bekommen müsse, weil erkennbar sei, dass der leicht aufgebrochen oder sogar in den Kasten hinein gefasst werden könne, dann sei die Sachlage anders. In einem solchen Fall handele der Kunde fahrlässig und mache sich mitschuldig, wenn er dennoch seine Fahrzeugschlüssel einwerfe.

Folgen für die Kfz-Werkstatt

Was das Urteil für die Kfz-Werkstatt bedeutet, erklärt Stefan Laing von der ZDK-Rechtsabteilung: „Bei einem Schlüsselklau aus einem Werkstattbriefkasten stellt sich immer die Frage, wer für den entstandenen Schaden (das gestohlene Fahrzeug) haftet. Verfügt der Kunde über eine Teilkaskoversicherung, wird er sich in der Regel an diese wenden. Allerdings wird diese Versicherung dann sicherlich prüfen, ob sie die Werkstatt im Wege des Regresses für den entstandenen Schaden in Anspruch nehmen kann".

Denn es gehört zu den grundsätzlichen Nebenpflichten der Werkstatt aus dem Reparaturvertrag, dass das zur Reparatur gegebene Fahrzeug durch die Werkstatt im Rahmen des Zumutbaren und Möglichen vor Diebstahl oder Beschädigung geschützt werde. Verstößt die Werkstatt gegen diese Obhutspflichten, so kann sie schadensersatzpflichtig werden, so Laing.

Insoweit urteilten die zuständigen Gerichte dann unterschiedlich - je nach Sachverhalt im Einzelfall - ob ein für die Nachtannahme zum Schlüsseleinwurf zur Verfügung gestellter Werkstattbriefkasten so gegen einen Diebstahl des Schlüssel abgesichert war, dass der Werkstatt kein Vorwurf gemacht werden konnte.

Bestehe keine Teilkaskoversicherung für das gestohlene Fahrzeug, dann werde der Kunde i.d.R. direkt schauen, ob er nach den vorstehenden Grundsätzen die Werkstatt in Anspruch nehmen kann.

Fazit: Stellt eine also eine Werkstatt einen Werkstattbriefkasten zum Schlüsseleinwurf bereit, um den Kunden eine Übergabe des Fahrzeugs nach Feierabend zu ermöglichen, sollte sie ein gesteigertes Eigeninteresse daran haben, dass hier eine ausreichende Diebstahlsicherung vorhanden ist.

(ID:47766987)