Autometropole Detroit meldet Konkurs an

Autor / Redakteur: dpa/sp-x / Andreas Wehner

Die hoch verschuldete Stadt im US-Staat Michigan ist pleite. Die einst dank der Autoindustrie blühende Stadt befindet sich seit Jahren im Niedergang und häufte zuletzt immer mehr Schulden an.

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Die Autoindustrie – im Hintergrund die GM-Zentrale – machte Detroit einst zur blühenden Stadt. Davon ist nicht mehr viel übrig.
Die Autoindustrie – im Hintergrund die GM-Zentrale – machte Detroit einst zur blühenden Stadt. Davon ist nicht mehr viel übrig.
(Foto: sp-x)

Die amerikanische Autometropole Detroit ist pleite. Die hoch verschuldete Stadt im US-Staat Michigan meldete offiziell Konkurs an. Es ist das erste Mal in der Geschichte der USA, dass eine Stadt dieser Größe Insolvenz anmeldet. Detroit war zuletzt kaum fähig, die Kosten für die Straßenbeleuchtung zu zahlen. Einsätze von Polizei und Feuerwehr wurden auf die wichtigsten Notrufe reduziert.

Der Gouverneur von Michigan, Rick Snyder, sprach in einem an den Insolvenzantrag angehängten Brief von einer „verfehlten Pflicht gegenüber den Bürgern“. Die Stadt hat Medienberichten zufolge Schulden von rund 19 Milliarden Dollar (15,5 Milliarden Euro).

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Einst bekannt für seine blühende Autoindustrie, kämpfte die Stadt seit Jahren ums finanzielle Überleben. Die Autobauer General Motors (GM), Ford und Chrysler verhalfen der Stadt zur Blüte. Doch die scharfe Konkurrenz aus Japan, Fehlentscheidungen in den Unternehmen und Misswirtschaft in der Stadtverwaltung ließen Detroit in einem jahrzehntelangen Niedergang abstürzen. Nun ist der Ort pleite, an dem das 20. Jahrhundert geboren wurde, wie der Historiker Bob Casey schrieb. Wie schon GM im Jahr 2009 sucht die Stadt nun Gläubigerschutz unter dem Konkursrecht.

In den 50er Jahren wohnten noch rund zwei Millionen Menschen rund um den Highland Park im damals geschäftigen Stadtzentrum. Dort, wo Henry Ford das erste Fließband im Automobilbau einsetzte, steht nun ein Einkaufszentrum. Die Kunden aber fehlen längst. Die einstige Millionenstadt ist in Sachen Einwohner auf das Format von Frankfurt geschrumpft – bei fast anderthalbfacher Fläche. Gerade das macht Detroit besonders deprimierend: die pure Größe, die breiten Straßen, die ausufernden Parkplätze an allen Ecken – und die gleichzeitige Unsichtbarkeit von Leben.

Blühende Metropole der 50er Jahre

In den 50er Jahren muss es ganz anders gewesen sein. Die Metropole zog mit sicheren Arbeitsplätzen und guter Bezahlung Menschen aus allen Teilen des Landes an. „Motor City“ blühte, „Motown“-Sound bestimmte die Hitparaden und die US-Autoindustrie war so groß wie ihre Straßenkreuzer.

Doch der Keim des Niedergangs war schon gesät. Die Konzentration der Fahrzeugindustrie wurde der US-Regierung im Kalten Krieg unheimlich. Aus Angst vor einem lähmenden Atomschlag wurde die Autoindustrie dezentralisiert – zog vom Stadtzentrum aus in die benachbarten Orte, die City starb langsam aus. Rassenunruhen in den 60er Jahren beschleunigten den Wegzug der weißen Bevölkerung noch. Als dann in den 70er Jahren die Automobilhersteller aus Deutschland und Japan auf den US-Markt drängten gab es einen weiteren Negativ-Schub für Detroit.

Bereits seit Jahren herrscht vielerorts Trostlosigkeit. Wer vom Flughafen aus in die Innenstadt von Detroit fährt, reist rückwärts durch die Zeit. Vorbei an verfallenen Schulen, fensterlosen Wohnblocks und staubigen Industrieruinen. Man passiert verblichene Highway-Schilder, ausgebrannte Laternen und stillgelegte Bahnstrecken. Und plötzlich ragen diese drei gläserne Stahlbetontürme vor einem auf, 221 Meter hoch, glänzend und funkelnd: das Renaissance-Center, Sitz von General Motors, dem einst größten Automobilkonzern der Welt. Und der letzte Rest einer großen Vergangenheit.

Verfallene Häuser, unbewohnbare Gebiete

Bis zur Jahrtausendwende verlor Detroit fast eine Million Einwohner. Die Häuser, in denen sie lebten sind längst verfallen. Die Geschäfte, in denen sie einkauften, stehen leer. Rund 35 Prozent des Stadtgebiets gelten mittlerweile als unbewohnbar. Versuche einer Renaissance gab es viele. Hightech-Industrie wollte man ansiedeln oder die urbanen Brachflächen zu Äckern machen.

Die Pläne sind vorerst gescheitert. Die Stadt kann weder die Infrastruktur erhalten, kann ihren Bürgern keinen Schutz gewähren und kann auch ihre Schulden nicht zurückzahlen. Nun soll ein Restrukturierungsplan entwickelt werden. Bei GM hat das geklappt – wenn auch mit staatlicher Hilfe – der Autobauer hat die Insolvenz überwunden und steht nun besser da als zuvor. Bleibt zu hoffen, dass das auch im Schatten der Glastürme gelingt.

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