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Automobildialog: Maß und Mitte entscheidend

Autor / Redakteur: Christoph Baeuchle / Andreas Wehner

Statt Autofahrer an den Pranger zu stellen, forderten die Teilnehmer des 1. Berliner Automobildialogs eine entideologisierte Diskussion. Maß und Mittel seien entscheidend, um das Thema voranzubringen.

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Beim Berliner Automobildialog tauschten sich Experten zu verkehrspolitischen Themen aus.
Beim Berliner Automobildialog tauschten sich Experten zu verkehrspolitischen Themen aus.
(Foto: Baeuchle)

Das Automobil polarisiert weiterhin die Gesellschaft. Dies führt zu Diskussionen, Forderungen und Maßnahmen, die dem Thema nicht angemessen sind. „Die Stimmen in der Diskussion werden lauten und unausgewogener. Dadurch wird ein schiefes Bild gezeichnet“, kritisierte ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker beim 1. Berliner Automobildialog, der neuen Veranstaltungsreihe des Deutschen Kfz-Gewerbes. Die Realität sei nicht eindimensional, sondern vielschichtig.

Den positiven Seiten der individuellen Mobilität stehen Schattenseite gegenüber. Diese kommen beispielsweise in der Unfallstatistik zum Ausdruck. Doch Becker wies darauf hin, dass der Straßenverkehr immer auch ein Restrisiko berge: „Das Ziel, keine Toten und Verletzten zu haben, kann man nur ohne Verkehr erreichen.“ Statt überzogener Maßnahmen verwies Becker an die Eigenverantwortung der Verkehrsteilnehmer und plädierte für richtige Mittel und richtiges Maß.

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Zumal sich die Entwicklung in Deutschland durchaus sehen lassen kann. Während die Unfallstatistik Anfang der 1970er Jahre noch rund 20.000 Verkehrstote auswies, sank die Zahl in den vergangenen Jahren auf weit unter 4.000 Tote. Dennoch könne man „in der öffentlichen Diskussionen den Eindruck gewinnen, als wäre in den vergangenen 40 Jahren nichts besser geworden“, kritisierte Gunter Zimmermeyer, Vizepräsident der Deutschen Verkehrswacht. Dabei gebe es sowohl beim Umweltschutz als auch bei der Verkehrssicherheit zahlreiche Fortschritte. „Zudem sind wir auf dem Weg, noch besser zu werden.“

Aus Zimmermeyers Sicht sind vier Säulen entscheidend: Fahrzeugtechnik, Infrastruktur, Menschen im Verkehr sowie Regeln und Kontrollen. „An diesen Dingen gilt es weiter anzupacken“, so der Vizepräsident der Verkehrswacht.

Dabei fordert Dekra-Manager Roland Krause Prioritäten bei der Vorgehensweise. „Wir sollten gemeinsam die Dinge da anpacken, wo wir etwas erreichen können.“ Priorität haben dabei für den Prüfexperten Maßnahmen bezüglich Landstraßen. „Über 60 Prozent der Verkehrstoten sterben auf Landstraßen“, zitiert Krause aus Dekra-Studien. Auf Autobahnen würde 11 Prozent der Verkehrsteilnehmer zu Tode kommen und in Innenstädten seien es 28 Prozent.

Gerade die Unfallstatistiken zeigen aus Sicht von Dirk Fischer deutlich, dass Forderungen nach einem Tempolimit der falsche Weg sind. „Statt ein starres Tempolimit brauchen Autofahrer ein Limit, das an die aktuelle Lage angepasst wird“, betonte Fischer. Bezüglich der Sicherheit im Straßenverkehr habe Deutschland Erfolg erzielt, die andere Länder nicht geschafft hätten.

Weitere Anstrengungen sind notwendig. Dies gilt vor allem auch für Investitionen in die Infrastruktur. „Individuelle Mobilität ist unverzichtbarer Bestandteil unserer modernen Gesellschaft. Das Automobil und ein intaktes Straßennetz wiederum unverzichtbare Voraussetzungen individuelle Mobilität“, fasste ZDK-Hauptgeschäftsführer Axel Koblitz zusammen.

Dass den Worten nun auch Taten folgen müssten, forderte Siegfried Kauder, Vorsitzender des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestages. Er empfahl, das Thema über den Weg einer Online-Petition an den Bundestag stärker in den Blickpunkt zu rücken.

Die Veranstaltung unter dem Motto „Mobilität im Fadenkreuz – Brauchen wir eine Allianz für das Auto?“ bildete den Auftakt zur einer neuen Reihe. „Mit dem Berliner Automobildialog will der ZDK seinen Beitrag zu einem notwendigen Meinungsaustausch über verkehrspolitische und gesellschaftlich relevante Themen leisten“, so ZDK-Geschäftsführer Christoph Konrad, der den Automobildialog initiiert hat. Oftmals würden im Zusammenhang mit Verkehr nur die Belastungen für die Umwelt und die Gefahren für die menschliche Gesundheit thematisiert. Gleichzeitig sei Mobilität aber auch eine zentrale Voraussetzung für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung moderner Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften.

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