Autonome Fahrzeuge: Kaum jemand möchte Vorreiter sein

Autor / Redakteur: mid/vh / Viktoria Hahn

Eine aktuelle Analyse zeigt: Entscheider der Automobilbranche überschätzen offenbar nicht nur die Bereitschaft der Käufer mehr Geld für autonome Fahrzeuge auszugeben, sondern auch deren grundsätzliches Interesse.

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Nur rund jeder fünfte Deutsche glaubt an die Sicherheit von autonomen Fahrzeugen.
Nur rund jeder fünfte Deutsche glaubt an die Sicherheit von autonomen Fahrzeugen.
(Foto: Daimler)

Die Automobilbranche entwickelt seit Jahren Systeme zum hochautomatisierten und vollautonomen Fahren. Das sei die Zukunft, so der einhellige Tenor. Doch eine Analyse des Beratungsunternehmens Alix Partners zur Verbraucherstimmung in wichtigen internationalen Märkten zeigt: Sowohl das Interesse als auch die Bereitschaft, mehr Geld für die neue Technik zu zahlen, sind geringer, als viele erwarten. Selbst bei potentiellen Käufern mit ernstem Interesse an hochautomatisierten autonomen Fahrzeugen wollen 80 Prozent keine Vorreiter sein. Sie würden nach eigenen Aussagen fünf Jahre oder länger mit dem Erwerb warten, nachdem die Fahrzeuge flächendeckend verfügbar sind. Nur vier Prozent der Deutschen können sich einen Kauf innerhalb von zwei Jahren nach Verfügbarkeit der Fahrzeuge vorstellen, während mehr als zwei Drittel (78 %) länger als fünf Jahre warten würde. Auch jeder zweite Chinese und 81 Prozent der Briten würden so vorgehen.

Ein häufig genannter Kritikpunkt der Befragten an autonomen Fahrsystemen ist die Sicherheit. Bei der Umfrage zeigte sich: Die Skeptiker wohnen in Deutschland – dort glaubt nur rund jeder Fünfte an die Sicherheit von autonomen Fahrzeugen. Am zuversichtlichsten sind die chinesischen Befragten: 58 Prozent von ihnen haben keine Zweifel, dass ein weiterentwickeltes autonomes Fahrzeug sie sicher von einem Ort zum anderen navigieren und fahren könnte.

Was die Kosten angeht, sind wiederum die Deutschen durchaus bereit, mehr Geld für die neue Technik auszugeben. 8 bis maximal 24 Prozent Aufschlag für hochautomatisierte Fahrzeuge (Level 4) wären demnach in Ordnung. Das ist deutlich mehr als beispielsweise bei den Chinesen (acht Prozent) oder den Amerikanern (neun Prozent).

Bequemlichkeit als Kauffaktor

Gleichzeitig erwarten Verbraucher eine substanzielle Weiterentwicklung der Infotainment-Systeme und der Innenausstattung. 44 Prozent der Amerikaner, 47 Prozent der Deutschen und 69 Prozent der Chinesen setzen dies bei autonomen Fahrzeugen voraus. Bequemlichkeit in ihrer täglichen Routine stellt für die Verbraucher einen entscheidenden Faktor beim Kauf von autonomen Fahrzeugen dar.

Die Automobilindustrie steht bei autonomen Fahrzeugen vor einer weiteren Herausforderung: dem Wettbewerb durch die Ride-Hailing-Industrie. Hätten Fahrtvermittlungsdienste wie Uber künftig ebenfalls autonome Fahrzeuge im Einsatz, würden 84 Prozent der befragten Verbraucher in China auf ein privates Fahrzeug verzichten, wenn die Kosten für die Buchung eines solchen Services nicht höher sind als für den Unterhalt des eigenen Wagens. Selbst in klassischen „Auto-Ländern“ wie Deutschland oder den USA würden sich in diesem Fall 52 respektive 44 Prozent keinen eigenen Wagen mehr anschaffen.

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