Autonomes Fahren: Das könnte länger dauern als gedacht

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Die Zuversicht scheint groß, dass in bereits wenigen Jahren Autos ohne Lenkrad zum Alltag im Verkehr werden. Doch möglicherweise steckt hinter der vielfach verbreiteten Euphorie auch viel Wunschdenken.

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Ob und wann man sich tatsächlich von selbstfahrenden Autos von A nach B bringen lassen kann, steht in den Sternen.
Ob und wann man sich tatsächlich von selbstfahrenden Autos von A nach B bringen lassen kann, steht in den Sternen.
(Foto: Volvo)

Geht es um die autonome Autozukunft, werden Verantwortliche von Autoherstellern und Tech-Unternehmen nicht müde, Großes zu verkünden. Das Roboterauto steht, diesen Eindruck dürften viele in den letzten Jahren gewonnen haben, kurz vor seinem Durchbruch. Bei der Frage nach einem konkreten Datum werden die Apologeten allerdings meist vage.

Gerne wird dann die Zahl 202X genannt und darauf hingewiesen, dass erst noch entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen. Dieses Ausweichen deutet allerdings vor allem auch darauf hin, dass vieles vorläufig ungewiss bleibt, vielleicht sogar der Durchbruch vollständig autonom fahrender Autos im öffentlichen Verkehr selbst.

Level 5 ist das vermeintlich nahe Fernziel, dessen Durchbruch nach Ansicht einiger besonders euphorischer Visionäre bereits in der Vergangenheit liegt. Tesla und auch Volvo etwa haben jeweils 2017 als Level-5-Jahr ins Spiel gebracht, jedoch nicht geliefert. Andere bleiben da etwas vorsichtiger, wie etwa das Fraunhofer-Institut IAO, welches als frühestes Datum das Jahr 2025 prognostizierte, während die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften das Jahr 2030 und die Unternehmensberatung Oliver Wyman 2035 ausgaben.

2050? Oder noch später?

Und selbst hierbei könnte es sich um übertrieben optimistische Schätzungen handeln, denn es gibt auch Insider, die vollautonome Autos nicht vor 2050 erwarten. Angesichts etlicher Unwägbarkeiten und vorläufig ungelöster Probleme haben allerdings letztlich alle Prognosen eher den Verbindlichkeitscharakter von Kaffeesatzleserei.

Ein gewisses Maß an Euphorie scheint nicht einmal abwegig, denn auf technischer Seite wurde bereits vieles entwickelt. Und wie etliche fahrerlose Prototypen eindrucksvoll demonstriert haben, können Autos bereits völlig selbstständig ihren Weg finden. Auch die gewaltige Menge fehlerfrei absolvierter Testkilometer gibt durchaus Anlass zu großer Hoffnung.

Doch andererseits stoßen diese Entwicklungsfahrzeuge immer wieder vor Probleme oder sogar vor für sie unlösbare Aufgaben, bei denen dann Menschen eingreifen müssen. Das Ziel soll allerdings eine perfekte Performance sein. Doch das erweist sich als schwierig. So äußerte der Chef des Bostoner Start-ups Nutonomy, Karl Iagnemma, gegenüber dem Technologie-Magazin Wired, dass das letzte Prozent auf dem Weg zur Entwicklung vollautonomer Fahrzeuge im Vergleich zu den ersten 99 Prozent den weitaus schwierigeren Part darstelle. Eigentlich scheint der Durchbruch, zumindest auf der technischen Seite, dem Greifen nah, doch gibt es weiterhin schwerwiegende Hürden, die sich als größer erweisen als vielleicht von einigen zunächst erwartet.

Ein Zauber- und Buzzwort in diesem Kontext ist die Künstliche Intelligenz (KI). Autonome Autos sollen damit lernen können, wie sie sich in Verkehrssituationen verhalten sollen. Auch hier ist die Lösung zwar angedacht, doch derzeit sind Autohersteller und ihre Technikpartner eher dabei Grundlagenforschung zu betreibe statt eine seriennahe Lösung zu präsentieren. Zwar ist KI in aller Munde, doch bislang hat noch keiner verkündet, eine entsprechend leistungsfähige Technik entwickelt zu haben.

Leistungsfähiges Datennetz nötig

Technisch fehlt es auch hinsichtlich der Infrastruktur an den Voraussetzungen für autonomes Fahren. Roboterautos müssen mit allen und jedem kommunizieren und dabei gewaltige Datenmengen in sehr kurzer Zeit austauschen. In der autonomen Autozukunft soll alles vernetzt sein. Für diese Kommunikationsfähigkeit müssen sowohl die Verkehrsteilnehmer gerüstet sein als auch eine entsprechende Infrastruktur geschaffen werden.

Wichtigste Voraussetzung hierfür wäre der Aufbau eines leistungsfähigen Datennetzes. 5G heißt die Lösung, die in Deutschland allerdings noch im Dornröschenschlaf verharrt. Wann erste entscheidende Schritte zum Aufbau einer entsprechenden Hochleistungsinfrastruktur hierzulande getätigt werden, scheint ungewiss. Derzeit ist nicht einmal der LTE-Standard flächendeckend verfügbar. Es dürfte jedenfalls noch viele Jahre dauern, bis eine für den Einsatz von autonomen Autos entsprechend leistungsfähige Breitbandtechnik verfügbar ist.

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