„Autonomes Fahren“ kostet 5.000 Euro Aufpreis

Autor / Redakteur: sp-x / Gerd Steiler

Europa ist überreguliert? Vielleicht. Dank der strengen Richtlinien könnten wir nach Einschätzung eines US-Experten allerdings auch zur führenden Region in Sachen autonomes Fahren werden.

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Der US-Experte Jeff Owens, Technologie-Vorstand des Automobilzulieferers Delphi, sieht Europa beim autonomen Fahren vorn.
Der US-Experte Jeff Owens, Technologie-Vorstand des Automobilzulieferers Delphi, sieht Europa beim autonomen Fahren vorn.
(Foto: Delphi)

Wer an fahrerlose Autos denkt, hat oftmals gleich das Silicon Valley im Kopf. Doch nicht im US-Technologie-Zentrum werden die ersten Fahrzeuge autonom fahren. In etwa 10 bis 15 Jahren könnten auf Europas Straßen Autos fahrerlos unterwegs sein – und zwar als erster Region der Welt. Diese Prognose wagt ausgerechnet der US-Experte Jeff Owens, Technologie-Vorstand des Automobilzulieferers Delphi.

Der Zulieferer stellt auf der IAA (17. bis 27. September) ein Versuchsfahrzeug aus, das mit diversen Sensoren bestückt ist, die überwiegend entweder bereits in einem Serienfahrzeug eingesetzt sind oder deren Serienreife schon fest eingeplant ist. 20 Sensoren hat das Demo-Auto, darunter verschiedene Radare, Kameras und die lasergestützte Entfernungsmessung Lidar. Eine Menge, die ein künftiges autonom fahrendes Auto gar nicht bräuchte.

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Realistischer Starttermin: 2025 bis 2030

Vier Lidar-Systeme, eine Kamera, je einen Radarsensor für den Fern- und Nahbereich sowie einen Sensor, der die Car-to-Car-Kommunikation ermöglicht, mehr bräuchte man laut Jeff Owens nicht. „Das wären künftig Sensoren im Wert von vielleicht 5.000 Euro in Summe für Extra-Equipment, um komplett autonom zu fahren.“

Insbesondere die Lidar-Sensoren, die derzeit noch mindestens 1.000 Euro pro Stück kosten, müssten noch günstiger werden, der Preis auf rund 100 Euro pro Stück sinken. Damit rechnet der Technik-Fachmann in nicht allzu ferner der Zukunft.

Entsprechend nah ist laut Owens die komplett autonome Zukunft: Den Zeitraum zwischen 2025 bis 2030 hält er als Startdatum für realistisch. Die Technik werde bis dahin so weit sein, sie funktioniere ja heute schon. „Es kommt natürlich immer darauf an, ob es bis dahin einen rechtlichen Rahmen gibt“, schränkt er ein.

„Vision Zero“

Dieser wird aus seiner Sicht eben voraussichtlich zuerst in Europa erreicht. Die EU hat sich seit einigen Jahren der „Vision Zero“, also der Vision von Null Verkehrstoten verschrieben. Die Crashtest-Organisation Euro-NCAP macht im Hinblick darauf das Erreichen der vollen Punktzahl von immer mehr Assistenzsystemen abhängig. „Das hat dazu beigetragen, dass die Durchdringungsrate gestiegen ist. Jeder möchte doch das sicherste Auto haben“, so Owens.

Zwar gebe es einen Technologie-Fokus in den USA, doch letztlich werde es am regulatorischen Umfeld, rechtlichen Rahmenbedingungen und der Akzeptanz der Kunden liegen. Dafür sei der beste Markt Europa mit seinem Fokus auf Sicherheit – schließlich seien auch die Emissionsbestimmungen hierzulande strenger als in Amerika.

Bereits heute werden längst nicht nur im Silicon Valley autonome Fahrzeuge im öffentlichen Verkehr getestet, sondern auch in Europa. So gibt es zum Beispiel Teststrecken in der Nähe von Stuttgart oder Göteborg. Auch Delphi plant, die Technologien alsbald auch in Deutschland zu testen.

Delphi auf der IAA: Halle 5.1, Stand B06

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