Autonomes Fahren stellt Geschäftsmodelle der Hersteller infrage

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andreas Grimm

Die Digitalisierung und das autonome Fahren bewirken laut einer Studie von A.T. Kerney große Umwälzungen. Auf der einen Seite entstehen neue Angebote, auf der anderen Seite wird weniger Kfz-Service gefragt sein.

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(Foto: Volvo)

Die Managementberatung A.T. Kearney sieht die Automobilbranche im Zuge der Digitalisierung und der Entwicklung in Richtung autonomes Fahren vor erheblichen Umwälzungen stehen. Wie das Unternehmen in einer begleitenden Pressemitteilung zur Studie „How Automakers Can Survive the Self-Driving Era“ schreibt, werde das autonome Fahren „den ersten großen Wachstumsschub des 21. Jahrhunderts auslösen“.

Ein Grund zu einhelliger Freude ist dieser Befund für die Automobilindustrie allerdings nicht. Die Umwälzungen markierten „das Ende der bislang bekannten Wertschöpfungskette“, warnt Ralf Kalmbach, weltweiter Leiter des Automobilgeschäfts bei A.T. Kearney. Infolge der Digitalisierung würden klassische Autobauer künftig gegen viele Wettbewerber ihren Anteil am 500 Milliarden Euro schweren Automobilgeschäft verteidigen müssen.

Die Autoren gehen in ihrer Studie davon aus, dass sich die Automobilbranche in zwei große Lager aufspalten wird. Neben den Herstellern bilden künftig Serviceanbieter einen eigenständigen, wachstumsstarken Zweig. Ihre Einnahmen generieren sie aus der verbrauchsabhängigen Nutzung und von Unterhaltungs-, Multimedia- und Informationsangeboten. Die Berater sehen sogar die Möglichkeit, dass die Serviceanbieter bereits ab dem Jahr 2025 mehr Umsatz erwirtschaften, als die klassischen Hersteller mit Sonder- und Zusatzausstattungen erzielen.

Autobauer müssen Geschäftsmodelle hinterfragen

In der Folge werden bisherige Geschäftsmodelle im Automobilbau infrage gestellt, zuallererst die Angebote von Mittelklasseanbietern wie Toyota, VW, Seat oder Citroën. „Nach dem Vorbild technologischer Vorreiter wie GM, BMW und Ford müssen sie strategische Allianzen mit branchenfremden Partnern bilden, um etwa im Bereich Telematik attraktive Lösungen anbieten zu können“, analysiert die Studie.

Gleichzeitig schreitet die Entwicklung zu schnell voran, als dass sie die Autobauer im Alleingang stemmen könnten. Selbst Premiumhersteller müssen auf externe Kompetenzen zurückgreifen. Hing ihr Erfolg bislang von der Zusammenarbeit mit innovativen Zulieferern ab, kommen nun weitere Partner aus den digitalen Bereichen Content, Anwendungen, Sensorik, Kameratechnik, Netzwerk oder Endgeräte ins Spiel. Die Autobauer seien künftig vor allem gefragt, die verschiedenen Kompetenzen gewinnbringend zu vernetzen.

Gleichzeitig drängen neue Player in die Autobranche – neben Digitalunternehmen wie Google, Apple, Facebook, Cisco oder Microsoft auch Anbieter wie Samsung, Siemens oder die Deutsche Telekom. „Diese Unternehmen haben zum Teil extrem starke Marken, technologisches Know-how, riesige F&E-Budgets und vor allem Zugang zum Endkunden. Das macht sie zu den gefährlichsten Mitbewerbern für die Autobauer“, zitiert die Mitteilung Michael Römer, Head Digital Business Europa, Mittlerer Osten und Afrika bei A.T. Kearney.

Umwälzungen im Kfz-Service

Dass die Entwicklung Auswirkungen auf sämtliche Felder der Automobilbranche – und damit auch auf den klassischen Kfz-Service – haben wird, liegt auf der Hand. Die Vernetzung der Autos und das autonome Fahren könne die Zahl der Verkehrsunfälle um 70 Prozent reduzieren, heißt es in der Studie. Aufgrund geringerer mechanischer Beanspruchung würden die Unterhaltskosten für die Fahrzeuge um rund 35 Prozent sinken. Zudem könnte ein besserer Verkehrsfluss den Energieverbrauch um ein Drittel senken.

Für die Studie „How Automakers Can Survive the Self-Driving Era” ging A.T. Kearneyder Frage nach, mit welchen Produkten, Services und Partner-Strategien Hersteller und Zulieferer sich am besten für die autonome Zukunft des Autos positionieren. Grundlage der Untersuchung bilden unter anderem die Ergebnisse von Interviews mit mehr als 150 Automobilentscheidern aus aller Welt.

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