Autos, die Geschichte schrieben

Autor / Redakteur: sp-x / Gerd Steiler

Mit dem tödlichen Attentat auf das K&K-Thronfolgerpaar im Juni 1914 betrat das Automobil offiziell die Bühne der Weltgeschichte. Seither waren Autos regelmäßig Gegenstand historischer Ereignisse.

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Tod im Gräf & Stift-Cabriolet: Am 28. Juni 2014 wurde das Thronfolgerpaar der Habsburger-Monarchie ermordet. Das Attentat von Sarajewo war Auslöser des Ersten Weltkriegs.
Tod im Gräf & Stift-Cabriolet: Am 28. Juni 2014 wurde das Thronfolgerpaar der Habsburger-Monarchie ermordet. Das Attentat von Sarajewo war Auslöser des Ersten Weltkriegs.
(Foto: Wikipedia)

Am 28. Juni 1914 erschoss der serbische Nationalist Gavrilo Princip den Thronfolger der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie, Erzherzog Franz Ferdinand, und seine Frau Sophie in Sarajevo. Das Paar saß dabei im Fond eines Cabriolets von Gräf & Stift. Die Tat gilt als finaler Auslöser für den Ersten Weltkrieg und rückte erstmals ein Automobil in den Fokus des Weltgeschehens. Seitdem waren Autos regelmäßig Bestandteil oder selbst Gegenstand geschichtlicher Ereignisse und Entwicklungen. Vom Lincoln Continental SS-100-X, in dessen Fond am 22. November 1963 der 35. US-Präsident John F. Kennedy den Tod fand, bis zum VW Käfer.

Der Wiener Autobauer Gräf & Stift fertigte seit 1904 Automobile. Das Fahrzeug, das die Hochadeligen am Vorabend des Ersten Weltkriegs durch Sarajevo transportierte, war sozusagen ein Leihwagen. Der 1910 ausgelieferte „Doppelphaeton 28/32 PS“ gehörte dem böhmischen Franz Graf Harrach, der als Kämmerer der K&K-Monarchie sein Auto zur Verfügung gestellt hatte. Die Folgen der Ereignisse auf den Rücksitzen eines einzelnen Autos waren quasi ein Menetekel für das noch junge Transportmittel.

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Der Weltkrieg, der in der Folge des Doppelmords zwischen 1914 und 1918 die Welt in den Abgrund riss, war der erste mechanisierte. Ohne Automobile wären die logistischen Herausforderungen des Kriegs mit dem Transport von Millionen Soldaten und ungezählten Tonnen von Material nicht möglich gewesen. Alleine am 6. September 1914 transportierten Hunderte von Pariser Taxifahrer mit ihren Renaults 6.000 Soldaten von der Seine an die Marne. Dort kämpften bis Dezember rund 1,75 Millionen Soldaten. Jeder Dritte verlor dabei Leben oder Gesundheit.

Autos der US-Präsidenten

Autos und US-Präsidenten führen seit 1900 eine enge und publikumswirksame Beziehung. William McKinley, 25. Präsident führte 1900 einen dampfgetriebenen „Steamer“ des Spezialisten Stanley ein. Die beiden gepanzerten Cadillacs, die die US-Regierung 1938 in Auftrag gegeben hatten, trugen die Namen „Queen Mary“ und „Queen Elisabeth“, nach den beiden großen Passagierschiffen. Die mit Waffen ausgestatteten Autos dienten über mehr als zwei Jahrzehnte drei Präsidenten: Franklin D. Roosevelt, Harry S. Truman und Dwight D. Eisenhower.

Unvergessen sind die Bilder des Hobbyfilmers Abraham Zapruder, der am 22. November 1963 in Dallas mit seiner Achtmilimeter-Schmalfilmkamera die dramatischen Sekunden auf Zelluloid bannte, in denen der 46-jährige US-Präsident John F. Kennedy nach Schüssen eines Attentäters sein Leben verlor. Der Präsident hatte sich für seine Wahlkampftour durch die texanische Metropole für einen offenen Lincoln Continental entschieden. Die Sonderanfertigung mit der Bezeichnung „SS-100-X“ war im Auftrag des Geheimdienstes Secret Service beim Spezialisten Hess & Eisenhardt in Cincinnati entstanden.

Seit 1983 nehmen US-Präsidenten ausschließlich im Fond von Cadillacs Platz. Der aktuelle Dienstwagen von Barak Obama trägt den Spitzname „The Beast“, das „Biest“. Der Cadillac auf Basis der Limousine DTS ist 13 Zentimeter dick gepanzert und im wahrsten Sinn des Wortes „bombensicher“. Für Schlagzeilen sorgt das rund 3,5 Millionen Dollar teure Panzerauto zuletzt nur durch ganz profane Pannen. So als es 2011 in Irland auf einer Bodenwelle fest saß oder als 2013 in Israel der falsche Sprit in den Tank kam.

Käfer: Von „KdF“ zu „Made in Germany“

Als automobiles Politikum schrieben zahlreiche Autos Geschichte. An erster Stelle der Käfer von VW. Entstanden im Dritten Reich als Mittel der Propaganda, als „Kraft-durch-Freude-Auto“ zum massenhaften Beförderungsmittel der Volksgenossen, die wöchentlich fünf Mark zum Kaufpreis von 1.000 Reichsmark zusammensparen durften, um dereinst millionenfach die neuen Reichsautobahnen zu befahren. Doch letztendlich schrieb das Auto Wirtschaftsgeschichte. Zwischen 1945 und 2003 entstanden genau 21.529.464 Exemplare. Die rundliche Limousine mit dem luftgekühlten Boxermotor im Heck symbolisierte nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Slogan „Made in Germany“ das deutsche Wirtschaftswunder wie kein anderes Industrieprodukt.

Politik mit Autos betrieb auch DDR-Chef Erich Honecker, als er 1978 zur Beruhigung seiner mangelwirtschaftlich missgestimmten Werktätigen 10.000 VW Golf importieren ließ. Das half langfristig ebenso wenig die Bürger auf Linie zu halten wie die 10.000 Mazda 323, die 1981 folgten. Das ungewollte „Happy-End“ für den sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat symbolisierte ebenfalls ein Auto. Den Trabant 601, mit 2.818.547 Einheiten der „Volkswagen des Ostens“, nutzten nach dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 ungezählte Noch-DDR-Bürger zur ersten Ausfahrt in den freien Westen. Der legendäre „Trabbi“ mit seinen knatternden 30 Zweitakt-PS wurde bald zum Sinnbild der neu gewonnenen deutschen Einheit.

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Unfälle und Anschläge

Zu zweifelhaftem Ruf brachten es auch jene Autos, in denen dereinst berühmte Zeitgenossen den Unfalltod fanden. Exemplarische Beispiele sind der Porsche 550 Spyder, in dem der erst 24-jährige US-Schauspieler James Dean – ein Jugendidol seiner Zeit – am 30. September 1955 bei einem Unfall tödlich verunglückte oder das französische Luxuscoupé Facel Vega FV, in dem am 4. Januar 1960 der französische Schriftsteller und Philosoph Albert Camus bei einem Autounfall ums Leben kam.

Dramatische Geschichte schrieben auch die gepanzerte Mercedes S-Klasse, in der am 30. November 1989 der damalige Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen bei einem Bombenattentat der „Roten Armee Fraktion“ getötet wurde und der zerfetzte Fiat Croma, in dem der 53-jährige italienische Untersuchungsrichter Giovanni Falcone am 18. Mai 1992 in Palermo einem Bombenanschlag der sizilianischen Mafia zum Opfer fiel. Als Symbol politischer und krimineller Gewalt gingen die Bilder der zerstörten Autos damals um die Welt.

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