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Autoservice Micha erschließt sich mit Know-how neue Umsatzbringer

Autor: Jan Rosenow

23 Jahre lang war Markus Micha in Mercedes-Betrieben angestellt, bis er sich im alten Taxibetrieb seiner Eltern selbstständig machte. Mit seiner freien Werkstatt überzeugt er die Kunden – und die Jury des Deutschen Werkstattpreises 2020. Sie sieht den Autoservice Micha unter den Top-Ten-Betrieben.

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Ob für Kleinwagen oder Klassiker: Bei Autoservice Micha finden alle Kunden professionelle Hilfe.
Ob für Kleinwagen oder Klassiker: Bei Autoservice Micha finden alle Kunden professionelle Hilfe.
(Bild: Rosenow/»kfz-betrieb«)

Herne: Hier schlägt das Herz des Ruhrgebiets. Typisch für Deutschlands größten Ballungsraum sind nicht nur die Denkmäler der Industriearchitektur aus dem letzten Jahrhundert, sondern ebenso klassische Siedlungsstrukturen, in denen Gewerbebetriebe inmitten von ruhigen Wohnvierteln liegen. Und so war es kein Wunder, dass die Jury des Deutschen Werkstattpreises am Tor von Auto-Service Micha erst einmal vorbeifuhr, denn der Betrieb liegt im Hinterhof eines großen Wohnblocks und ist nur über eine schmale Durchfahrt zu erreichen.

Mit seinem rustikalen Charme kann es der Betrieb von Markus Micha schon fast mit den umliegenden Zechen- und Hochöfenlandschaften aufnehmen. Denn bei seiner Unternehmensgründung im Jahr 2012 hat sich der Kfz-Meister, der 23 Jahre lang bei Mercedes-Benz-Händlern angestellt war, im früheren Taxi- und Busunternehmen seiner Familie angesiedelt, das bereits von seinem Urgroßvater gegründet worden war.

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Man tritt dem Besitzer wohl nicht zu nahe, wenn man die Remisen als „Vereinigte Hüttenwerke“ bezeichnet: Eine größere Halle mit vier Arbeitsplätzen, eine weitere Halle für die Direktannahme und ungefähr 20 Einzelgaragen umstehen einen großen Hof. Das Büro befindet sich in einem Container. Natürlich wohnt Markus Micha mit seiner Frau Jaqueline, die für Verwaltung und Buchhaltung zuständig ist, und dem gemeinsamen Kind auch auf dem Gelände. Auch seine Mitarbeiter kommen fast alle aus der unmittelbaren Umgebung. Schnell mal am Sonntag ein abgeschlepptes Auto annehmen? Kein Problem! Markus Micha ist immer im Dienst, und vom Sofa zum Hoftor schafft er es locker in weniger als einer Minute.

Wer aufgrund des Ambientes allerdings schließt, dass sich der 47-Jährige ausschließlich damit befasst, alte Opels vor dem Verschrotten zu retten, der täuscht sich. Markus Micha und sein zwölfköpfiges Team arbeiten auf dem neuesten Stand der Technik. Mit Diagnosegeräten ist er so umfangreich ausgestattet, dass er alle Neuwagen bearbeiten kann. Neben den üblichen Multimarkentestern besitzt er einen Euro-DFT sowie – als Mercedes-Spezialist – auch die Star-Diagnose des Stuttgarter Herstellers. Eine 3-D-Achsvermessung gibt es zusätzlich zu den sechs Hebebühnen.

Spezialist für Streetscooter

Auch im Zeitalter der Elektromobilität ist Auto-Service Micha längst angekommen. Als Partner von Global Automotive Service (GAS) ist der Betrieb seit November 2017 zertifizierter Reparaturstützpunkt für die Streetscooter der Deutschen Post. Beim Jurybesuch parkten gleich mehrere der gelben Kleintransporter auf dem Hof, weil ihre Batterie ausgetauscht werden musste und das Ersatzteil nicht lieferbar war. Zwischenzeitlich hatte Micha so viele immobile E-Mobile im Haus, dass er beim benachbarten Edeka Parkplätze anmieten musste.

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Über GAS kommt Micha auch an Leasingfahrzeuge heran, für deren Besitzer er das Reifengeschäft abwickelt. Jüngst hat er sich eine neue Reifenmontiermaschine gekauft, um Größen bis 23 Zoll WDK-gerecht montieren zu können. Auf dem Programm stehen zudem Unfallreparaturen und Scheibenservice als Partner von KS Autoglas. Das Reifengeschäft betreibt er mithilfe des Konzepts Reifen 1 Plus; rund 400 Sätze hat er eingelagert. Motorinstandsetzungen werden ebenfalls durchgeführt. „Das Herz eines jeden Kfz liegt auch uns am Herzen“, sagt Markus Micha. Mit gleich zwei Getriebespülgeräten kümmert er sich um ruckelnde Schaltboxen. Hilft das nicht mehr, führt er in Kooperation mit ZF Getriebereparaturen durch. Dafür hat er sich dem Partnerkonzept Protech Plus angeschlossen.

Der Neubau ist schon geplant

Und dass er sich auch auf Reparaturen an Oldtimern einlässt, bewies beim Jurybesuch ein roter Roadster auf der Bühne – selbstverständlich einer mit Stern. Man sieht: Markus Micha lässt kein Feld des Kfz-Service unbeackert.

Den Spaß daran, nach vielen Jahren als Angestellter nun selbstständig zu sein, sieht man dem Kfz-Unternehmer auch fast acht Jahre nach der Unternehmensgründung noch an. „Am Anfang war es schon spannend, wieder selbst zu schrauben“, erinnert er sich. Seit damals ist das Unternehmen permanent gewachsen. Die Spezialisierung auf Mercedes-Benz-Fahrzeuge ist dabei erhalten geblieben, viele Sternkunden kennen ihn noch. Doch nicht nur der Chef selbst, auch viele seiner Mitarbeiter haben eine Vergangenheit im Markenhandel. Während der Coronakrise konnte er sogar zwei weitere Werkstattkräfte einstellen, die von ihren bisherigen Arbeitgebern entlassen worden waren.

Ganz wichtig ist Markus Micha die lokale Verwurzelung seines Unternehmens. Auch wenn gesteuerte Aufträge einen erheblichen Umsatzanteil darstellen, kümmert er sich trotzdem engagiert um die Autobesitzer aus dem direkten Umfeld mit ihren oft älteren Fahrzeugen. Hol- und Bringdienst ist selbstverständlich, das übernehmen meistens die Mitarbeiter, die ja ebenfalls im Viertel wohnen. Manche Kunden kommen einfach nur auf einen Kaffee vorbei – auch für die hat Markus Micha Zeit. Allerdings ist fraglich, wie lange er mit seinem Betrieb noch auf dem jetzigen Grundstück bleiben wird. Bei allem Charme ist das Gelände zu klein, und die Gebäude sind für die Anforderungen eines modernen Reparaturbetriebs nicht geeignet. Deshalb plant Markus Micha nun einen Neubau an einer anderen Stelle. Die Jury des Deutschen Werkstattpreises wünscht dabei viel Glück und gratuliert herzlich zur Top-Ten-Platzierung!

(ID:46950455)

Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group