AVAG: Spiel ohne Grenzen

Augsburger Handelsriese nimmt neue Märkte und Marken ins Visier

16.11.2007 | Redakteur: Gerd Steiler

Das Herz des Unternehmens: die Zentrale der AVAG Holding AG in Augsburg
Das Herz des Unternehmens: die Zentrale der AVAG Holding AG in Augsburg

Ein Jubiläum besonderer Art feierte Anfang November die Augsburger AVAG Holding AG. Mit der Eröffnung des neuen Toyota-Flagship-Stores (DIT München) am Frankfurter Ring in München nahm der Augsburger Autohandelsriese seinen insgesamt hundertsten Standort in Betrieb. Doch auch sonst stehen die Zeichen beim bayerisch-schwäbischen Megahändler klar auf Wachstum. Für das Ende August abgeschlossene Geschäftsjahr 2006/2007 meldet die AVAG Holding ein Absatzvolumen von rund 76 000 Fahrzeugen (zirka 45 000 Neuwagen und 31 000 Gebrauchtwagen) und einen Konzernumsatz von etwa 1,15 Milliarden Euro. „Mit diesem Ergebnis konnten wir unseren Vorjahresrekord sogar nochmals leicht toppen und schreiben mithin das bislang beste Jahresergebnis der Firmengeschichte“, freut sich AVAG-Vorstandschef Dr. Volker Borkowski. Auch wenn das operative Jahresergebnis aufgrund von Sondereffekten und „organisatorischer wie personeller Veränderungen“ in etwa auf Vorjahresniveau verharrte, zeigt sich Borkowski mit der Jahresbilanz 2006/2007 insgesamt „sehr zufrieden“.

Voll auf Expansionskurs

Bei der AVAG hat sich im Jahr 2007 in der Tat einiges bewegt. So trat Borkowski zu Jahresbeginn die Nachfolge seines Mentors Albert Still an, der in den Aufsichtsrat des Unternehmens wechselte. Zudem kamen Roland Nosky, Markus T. Hofmann und Albert C. Still jun. neu in den Vorstand. Auf ihren neu geschaffenen Vorstandpositionen tragen sie die Verantwortung für die Geschäftsbereiche DIO (Opel, Chevrolet, Saab, Fiat, Alfa Romeo, Lancia, Subaru und Suzuki), DIA (Honda, Nissan, Toyota) und AV International (Auslandsaktivitäten in Kroatien, Österreich, Polen und Ungarn).

Gemeinsam mit den Spezialisten für Verkauf, Service und Finanz/Controlling bilden die drei Bereichsvorstände eine Taskforce, die für Netzentwicklung, Partnerkoordination, Markenkonzeption und Kostenkontrolle verantwortlich zeichnet. Auch der Ausbau des AVAG-Händlernetzes machte in diesem Jahr gewaltige Fortschritte. Wichtigste Eckpunkte der Inlandsexpansion waren:

  • Übernahme der Marktverantwortung im Marketarea Gießen/Wetzlar/Marburg für die Marke Opel (März)
  • Übernahme des Opel-Autohauses Hesse in Berlin/fünfter Standort in der Bundeshauptstadt (Juli)
  • Eröffnung des Toyota-Flagship-Stores (DIT München) am Frankfurter Ring in München/dritter Standort in der bayerischen Landeshauptstadt (November)

Zudem eröffnete die AVAG Mitte November ihren zweiten Standort in der ungarischen Hauptstadt Budapest und wird zum Jahreswechsel vier Standorte der Österreichischen Fahrzeugbau GmbH (ÖFAG) im Großraum Salzburg für die Marke Opel übernehmen. Damit avanciert die AVAG zugleich zum größten GM-Partner in der Alpenrepublik.

Neue Märkte im Visier

Für die nächsten beiden Jahre geplant sind die Ausweitung des Nissan-Engagements in Augsburg, Chemnitz und Leipzig, die Eröffnung zweier weiterer Toyota-Standorte im Süden (2008) und Südosten (2009) von München sowie die Neuakquise eines Standorts in der polnischen Hauptstadt Warschau. Insgesamt rund 30 Millionen Euro investiert die AVAG in dieses eindrucksvolle Expansionsprogramm. Aus Gründen der „Risikostreuung“ strebt die AVAG folgende Verteilung ihres Gesamtumsatzes an: DIO 40 Prozent, DIA 30 Prozent und AVI 30 Prozent. Dies lässt die Ausdehnung der Auslandsaktivitäten in weitere (süd)osteuropäische Länder wie Tschechien, die Slowakei oder Slowenien sinnvoll erscheinen. Dazu Borkowski: „Konkrete Pläne hierfür gibt es derzeit zwar noch nicht. Aber wir behalten solche Optionen durchaus auf unserem Radar. Wenn sich eine günstige Gelegenheit bietet, werden wir sicherlich zugreifen.“ Allerdings sei die AVAG mit ihrem aktuellen Investitionsprogramm derzeit „gut ausgelastet“. „Unsere Hauptaufgabe besteht momentan darin, die in diesem Jahr neu gegründeten Standorte richtig ins Laufen zu bringen“, so Borkowski.

AVAG steht zu Nissan

Bei der Fortentwicklung ihrer Mehrmarkenstrategie setzt die AVAG in jüngster Zeit verstärkt auf die beiden japanischen Marken Toyota und Nissan. Während Toyota seit geraumer Zeit auf einer wahren Erfolgswelle schwimmt, brachte die Neuorganisation des Händlernetzes für Nissan einige Schwierigkeiten. Dennoch ist Borkowski von der Richtigkeit des Nissan-Engagements nach wie vor überzeugt: „Gerade die Neuorganisation des Nissan-Netzes war für uns ein entscheidender Grund, bei Nissan einzusteigen. Denn die Restrukturierung bot uns die Möglichkeit, komplette Marktverantwortungsgebiete in Eigenregie zu übernehmen wie etwa die in Dresden, Halle, Leipzig, Chemnitz oder Augsburg.

Diese Konstellation sichert ein Potenzial, das es uns erlaubt, auch in kleineren Märkten Synergien zu schaffen und rentable Betriebe auf die Füße zu stellen.“ Grundsätzlich stehe die AVAG fest zur Marke Nissan. „Allerdings sind wir mit der Ausgestaltung der Vertriebsprogramme und der Geschwindigkeit der Produktentscheidungen von Nissan Deutschland nicht immer ganz glücklich. Hier wünschte ich mir öfters etwas mehr Flexibilität und Praxisbezug“, meint Borkowski.

Option Geely

Weiter vorangekommen sind auch die Planungen für eine mögliches China-Engagement der AVAG. „An unserem Ziel, künftig die Importeursfunktion für eine chinesische Marke in Deutschland zu übernehmen, halten wir unverändert fest“, sagt Borkowski. Dennoch werde es noch etwa ein bis zwei Jahre dauern, bis eine solche Zusammenarbeit konkret werden könne. „Wir führen derzeit sehr gute Gespräche mit Geely. Dies ist momentan für uns die wahrscheinlichste Option, auch wenn wir weiterhin ebenso mit anderen chinesischen Marken verhandeln“, erklärt Borkowski. Grundvoraussetzung für eine Kooperation seien allerdings Produkte, zu denen man „volles Vertrauen“ haben könne. „Denn ohne dieses Vertrauen werden wir in Deutschland für chinesische Autos weder die nötigen Kunden noch Händler finden.“ Außerdem brauche die AVAG einen verlässlichen Partner, der an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert sei. „Schließlich verstehen wir unser China-Engagement als strategisches Investment und nicht als bloßes Quick-Win“, betont Borkowski. Mit der geplanten China-Kooperation wolle sich die AVAG ein zusätzliches Marktsegment erschließen, das den wachsenden Kundenwunsch nach „soliden und bezahlbaren Autos“ erfüllt. Insgesamt räumt Borkowski den chinesischen Automobilmarken auch in Deutschland gute Marktchancen ein: „Sofern Qualität und Preis stimmen, werden sich künftig sicher viele Kunden für chinesische Modelle interessieren.“ Das potenzielle Absatzvolumen schätzt Borkowsi auf etwa 5 000 Autos im Startjahr und rund 10 000 bis 15 000 Einheiten in den Folgejahren.

Dienstleister für Mobilität

„Dies ist jedoch keineswegs ein Selbstläufer, sondern ein sehr ambitionierter Wachstumsweg, der in jedem Fall harte und konzentrierte Arbeit erfordert. Doch wir haben sicherlich genügend Know-how und Durchsetzungsfähigkeit, um das China-Engagement für die AVAG zum langfristigen Erfolg zu machen“, unterstreicht Borkowski. Laut Vorstandschef will die AVAG Holding AG pro Jahr um rund zehn Prozent wachsen. Deshalb mache man sich nicht nur Gedanken über die Neuakquisition von Händlern und Verkaufsstützpunkten, sondern ebenso über die mögliche Erweiterung des Markenportfolios. Auch wenn das kommende Jahr vornehmlich im Zeichen der Konsolidierung stehe, werde man sich über kurz oder lang auch mit diesem „spannenden Thema“ befassen.

Den Mittelschichtkunden treu

„Grundsätzlich werden wir unseren traditionellen Mittelschichtkunden treu bleiben und hegen keinerlei Ambitionen, ins Premium-Segment einzusteigen“, betont Borkowski. Doch er macht eine Einschränkung: „Wenn wir uns mit einem Hersteller verheiraten, dann wollen wir auch sein gesamtes Produktportfolio abdecken. Deshalb haben wir neben unserer Kernmarke Opel auch Chevrolet und Saab im Angebot. So könnte ich mir im Falle von Toyota sehr gut vorstellen, an ausgewählten Standorten irgendwann auch die Topmarke Lexus zu etablieren.“ Zudem will Borkowski in der AVAG-Organisation die „Optimierung interner Prozesse“ vorantreiben. Hierzu soll insbesondere eine unternehmensinterne Qualifizierungsinitiative für das Verkaufs- und Servicepersonal beitragen. Ein wichtiges Ziel sei es, die vielfach hochkomplexen Arbeitsplätze zu „entschlacken“. „Wir wollen unsere Verkaufs- und Serviceberater so weit wie möglich von administrativen Aufgaben befreien, damit sie sich auf ihre eigentlichen Kernaufgaben konzentrieren können und wieder mehr Zeit für den Kunden haben“, erklärt Borkowski. In jedem Fall sei die AVAG auch in Zukunft „für manche Überraschung“ gut. So etwa wolle man sich künftig verstärkt als ideenreicher „Mobilitätsdienstleister“ profilieren. „Ich sehe viele innovative Möglichkeiten, um das Autohaus durch begleitende Mobilitätsangebote für den Kunden noch attraktiver machen“, meint Borkowski. Dabei liege die Kunst in der Beschränkung auf das Wesentliche. „Das bedeutet: Alles was wir machen, wollen wir richtig machen.“

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