Azubis an Bewerberauswahl beteiligt

Redakteur: Johannes Büttner

Der Thüringer Mercedes-Benz-Betrieb Auto-Scholz-AVS hat schon mehrere Preise für seine Ausbildung erhalten. Beim Bundesbildungspreis belegte er Rang zwei bei den großen Betrieben.

Firmen zum Thema

Viele Kfz-Betriebe im Osten Deutschlands spüren die Auswirkungen des demografischen Wandels. Es fällt ihnen schwer, genügend geeignete Bewerber für offene Lehrstellen zu finden – selbst, wenn sie wie Auto-Scholz-AVS einen ausgezeichneten Ruf als Ausbilder genießen.

Der Mercedes-Betrieb mit mehreren Standorten im Osten Thüringens erhielt schon einige Preise für seine „Ausbildung mit Stern“, unter anderem den Bundesbildungspreis im Jahr 2003. Nun belegte er beim Bundesbildungspreis des Deutschen Kfz-Gewerbes 2009 den zweiten Platz in der Kategorie der großen Betriebe.

Der gute Name sorgt zwar dafür, dass AVS-Scholz aus einer ausreichenden Menge an Bewerbern auswählen kann. Doch mit Blick auf die Zukunft spielt das Mercedes-Autohaus die ganze Klaviatur der Bewerberrekrutierung. Die reicht von Tagen der offenen Tür über Ausbildungsmessen bis hin zu Schulpartnerschaften; Praktika sind ohnehin eine Selbstverständlichkeit.

Für die Präsentation des Unternehmens auf Messen und in Schulen nimmt die Ausbildungsverantwortliche von AVS-Scholz, Monika Anske, kompetente Hilfe in Anspruch: die eigenen Azubis. Sie informieren über die Autoberufe im Allgemeinen und die Ausbildung in ihrem Betrieb im Speziellen.

Paten für die Neulinge

Die Auszubildenden sind sogar in die Bewerberauswahl integriert. Azubis des zweiten und dritten Lehrjahrs koordinieren die Vorstellungsgespräche und stellen für die kaufmännische Leiterin eine Vorauswahl zusammen. Im Bewerbungsgespräch sitzt ein Azubi mit am Tisch. Er vermittelt einerseits dem nervösen Kandidaten ein Gefühl der Sicherheit und darf andererseits mitentscheiden und auf diese Weise schon frühzeitig Verantwortung übernehmen.

Wer einen Ausbildungsplatz ergattert hat, wird zum ersten Höhepunkt in seinem Berufsleben bei Auto-Scholz-AVS eingeladen: der feierlichen Unterzeichnung der Lehrverträge mit allen neuen Azubis und ihren Eltern. Bei dieser Gelegenheit erhalten die Neulinge gleich eine „Willkommensmappe“. Sie enthält unter anderem Fachliteratur sowie die aktuelle Ausgabe der Mitarbeiterzeitschrift, die übrigens von den Auszubildenden gestaltet wird.

Vom ersten Tag der Ausbildung an stehen den Neulingen dann erfahrene Paten aus dem dritten Lehrjahr als Ansprechpartner zur Verfügung. Das erleichtert die Integration in das Berufsleben, genauso wie der feierliche Auftakttag, an dem die neuen Azubis alle Betriebe kennenlernen und von ihren Kollegen begrüßt werden.

Bewertungsgespräche mit den Azubis

Um die Qualität der Ausbildung zu steigern, erfolgt am Ende eines jeden Abschnitts ein Bewertungsgespräch. Darin berichtet der Azubi, was er in einer Abteilung gelernt und wie ihm der Fachausbilder die Lehrinhalte vermittelt hat. Außerdem führt AVS-Scholz separate Lehrunterweisungen in den Fachgebieten durch, die in der täglichen Arbeit zu kurz kommen.

Daneben leistet das Autohaus seinen Anteil dazu, das Niveau des schulischen Teils der Ausbildung zu verbessern. Es bietet den Berufsschullehrern der Region Fortbildungsveranstaltungen an und ermöglicht ihnen Praktika im Betrieb.

Seinen Führungsnachwuchs rekrutiert der Betrieb gerne aus Absolventen der Berufsakademie in Gera. Das Autohaus pflegt eine enge Zusammenarbeit mit der Bildungseinrichtung. Leitende Mitarbeiter von Auto-Scholz waren dort sogar schon als Dozenten tätig.

Führungsnachwuchs von der Berufsakademie

Aktuell beschäftigt der Betrieb sechs Studenten. Sie erwerben innerhalb von drei Jahren den Titel eines Bachelors. Im Wechsel studieren sie für drei Monate in Gera, dann arbeiten sie wieder ein Vierteljahr lang bei Scholz-AVS im Autohaus. Am Ende fertigen sie eine Abschlussarbeit an. Das Thema dafür stimmen sie mit ihrem Betrieb ab.

Damit ist das Studium zwar anstrengender als an einer normalen Hochschule, dafür aber auch praxisorientierter. Und die Mühen lohnen sich. Das erleben die Studierenden im eigenen Betrieb: Führungskräfte wie der jetzige Verkaufsleiter Pkw oder die Assistentin der Geschäftsführung besuchten vor wenigen Jahren noch selbst die Berufsakademie.

„Wir wollen unseren Führungsnachwuchs aus unseren eigenen Leuten rekrutieren“, begründet Geschäftsführer Ulrich Weise dieses Engagement. Er ist davon überzeugt, dass sich Eigengewächse besser mit ihrem Arbeitgeber identifizieren und hofft, dass sie irgendwann einmal im Betrieb Karriere machen werden und dann weiterhin als gutes Team auftreten.

(ID:301360)