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Baukasten zur Umrüstung von Diesel-Brummis zu E-Lkw

| Autor / Redakteur: Ampnet / Andreas Grimm

Im Bemühen um saubere Luft in den Städten rücken auch die Emissionen von Lkw in den Fokus. Darum sollen künftig auch große Lastwagen elektrisch fahren. Wie das zu überschaubaren Kosten funktionieren könnte, zeigt ein neues Projekt der RWTH Aachen.

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Der 7,5-Tonner „Li-Ve 1“ basiert auf einem Isuzu-Modell. Der Dieselmotor wird durch einen E-Antrieb ersetzt.
Der 7,5-Tonner „Li-Ve 1“ basiert auf einem Isuzu-Modell. Der Dieselmotor wird durch einen E-Antrieb ersetzt.
(Bild: BPW Bergische Achsen)

Die Technische Hochschule Aachen (RWTH) wird mehr und mehr zum Brutkasten für elektrische Mobilität. Nachdem aus der Hochschule heraus bereits die Projekte Streetscooter und E-Go Mobile mit dem E-Kleinwagen E-Go Life entstanden sind, haben die Forscher nun einen Lkw mit 7,5 Tonnen elektrifiziert. Entstanden ist das Projekt am Lehrstuhl „Chair of Production Engineering of E-Mobility Components“ (PEM). Er hat sich zur Aufgabe gesetzt, wirtschaftliche Lösungen für die Elektrifizierung von Lastwagen zu entwickeln.

Optisch ist der „Li-Ve 1“ von einem normalen Lkw seiner Klasse nicht zu unterscheiden. Kein Wunder, schließlich entstammt die Karosserie der N-Serie des japanischen Automobilproduzenten Isuzu, die normalerweise als Kraftquelle einen Turbodiesel mit 5,2 Litern Hubraum und einer Leistung von 190 PS (140 kW) nutzt. Doch der Li-Ve 1 schleicht akustisch auf leisen Sohlen nahezu unhörbar über den Asphalt und verbreitet außerdem nicht den Hauch schädlicher Abgase. Verantwortlich dafür ist sein Elektromotor mit kraftvollen 6.500 Newtonmetern Drehmoment.

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Schon in naher Zukunft sollen Lkw mit 7,5 und sogar 18 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht elektrisch unterwegs sein. Wie dies in Produktion und Unterhalt kostengünstig funktionieren kann, zeigt das Forschungsprojekt Li-Ve: Die Abkürzung steht für die Bandwurm-Bezeichnung „Lebenszykluskostenreduktion im elektrischen Verteilerverkehr durch individuell adaptierbaren Antriebsstrang“.

Der Ansatz des Lehrstuhls basiert auf einem Baukastensystem, das die Kosten senken, die Variantenvielfalt elektrisch betriebener Lkw erhöhen und deren Gestaltungsmöglichkeiten flexibel machen soll. Kooperationspartner des Projekts sind Isuzu Deutschland, Streetscooter und das Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit durch das Programm „Erneuerbar Mobil“ gefördert.

Skalierbare Technik für Lkw verschiedener Größe

Das jetzt vom Lehrstuhl PEM vorgestellte Nutzfahrzeug versteht sich nicht als Prototyp für einen in Kürze zu bestellenden Elektro-Laster. Professor Achim Kampker, Gründer des Lehrstuhls und Mitbegründer der Streetscooter GmbH, die sich inzwischen im Besitz der Deutschen Post befindet, spricht vielmehr vom „Primotyp“, einer Vorstufe in der Entwicklungsarbeit. Aus ihr sollen in knapp zwei Jahren vier Varianten entstehen, nämlich neben dem 7,5-Tonner ein 18-Tonner ebenfalls mit Elektroantrieb, ein weiterer 18-Tonner mit Wasserstoff-Brennstoffzelle sowie ein 18-Tonner mit Stromabnehmer für Oberleitungen. Ein solches System wird seit Kurzem erstmals auf der Autobahn A5 bei Darmstadt getestet.

Mit modularer Bauweise besitzt der umtriebige Professor über eine Menge Erfahrung. So steht zum Beispiel die Streetscooter-Variante Work XL auf Basis des Ford Transit, hat ein Nutzvolumen von 20 Kubikmetern und wird mit bei Ford in der Türkei vorproduzierten Fahrgestellen in Köln mit einem elektrischen Antriebsstrang und einem Aufbau ausgestattet. Grundbestandteil des Li-Ve 1 ist neben dem serienmäßigen Isuzu eine elektrisch angetriebene Achse des Nutzfahrzeugzulieferers BPW Bergische Achsen. Ebenfalls von BPW kommt die Leistungselektronik. Auch Nebenaggregate wie Servolenk-, Kühlwasser- und Vakuumpumpe sowie Lüfter wurden elektrifiziert. Sie entsprechen den technischen Anforderungen des Basisfahrzeugs und sorgen für eine sichere Funktionsweise von Antriebs-, Brems-, und Lenksystem.

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