Bedienkonzepte: Klarer Blick

Autor / Redakteur: Wolfgang Gomoll, press-inform / Jan Rosenow

Bei den Bedienkonzepten von morgen wird es viele Eingabemöglichkeiten geben. Vor allem die Steuerung mit Blicken treibt die Tüftler in Stuttgart, München und Wolfsburg um.

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Gestensteuerung bei BMW.
Gestensteuerung bei BMW.
(Foto: BMW)

Apple und Google machen es vor, die Autobauer ziehen nach. Bei den Bedienkonzepten von morgen wird es eine kreative Koexistenz verschiedener Eingabemöglichkeiten geben. Vor allem die Steuerung mit Blicken treibt die Tüftler in Stuttgart, München und Wolfsburg derzeit um.

Damit es der Fahrer einfacher hat, opfert BMW sogar heilige Kühe. Schließlich galt in den iDrive-Entwicklungslabors jahrelang das Dogma „Kein Touchscreen in einem BMW“. Das war einmal: Beim neuen 7er ist das Bedienkonzept um einen Touchscreen erweitert worden. „Aufgrund der Smartphones und der Tablets sind die Kunden mittlerweile viel mehr an die Touchscreens gewöhnt und legen sehr viel Wert auf dieses Bedienelement“, erklärt Marcus Behrendt, Leiter Anzeige- und Bedienkonzepte und Bedienqualität bei BMW, den Paradigmenwechsel.

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Die Bedienlogik der Automobilisten folgt fast stringent jener der Haushaltselektronik, da die Nutzer sich an diese Art und Weise der Eingabe gewöhnt haben. Systeme wie Mirrorlink, auf das Opel und Skoda setzen, spiegeln den Bildschirm des Smartphones auf den Infotainment-Bildschirm, damit sich die Fahrer leichter zurechtfinden. Elektronikriesen wie Apple und Samsung geben die Richtung vor. Folglich werden Apps künftig eine große Rolle bei der Bedienung spielen. Diesem Trend kann sich niemand entziehen: Auch Ford will bei seinem neuen Bedienkonzept „Sync 3“ Apple Carplay und Android Auto mit einem Update nachrüsten.

Heim- und Automobilelektronik verschmelzen

Diesen Weg verfolgt auch Mercedes. Unlängst haben die Schwaben die „Mercedes-Benz Companion App“ vorgestellt, mit der Heim- und Automobilelektronik weiter verschmelzen sollen. Erst sucht der Fahrer per Sprachbefehl auf der Apple Watch nach einem Restaurant. Hat er seine Wahl getroffen, steht diese Adresse automatisch im Navigationssystem des Autos zur Verfügung. Der Fahrer braucht sie nur noch zu bestätigen und los geht's. „Wir schauen uns immer genau an, mit welcher Art der Bedienung die Menschen am besten zurechtkommen, und wenn ein Bediensystem ganz oder teilweise nicht mehr benötigt wird, dann schalten wir das ab“, sagt Sajjad Khan, Abteilungsleiter Connected Car, Telematics and User Interaction bei Mercedes-Benz. Wohin die Reise geht, wird klar, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die aktuelle S-Klasse 40 bis 50 Prozent weniger Tasten im Auto hat als der Vorgänger.

Ein ganz heißes Thema, an dem die Bedienungsexperten tüfteln, ist die Blicksteuerung, die der Handy-Hersteller Samsung schon beim Smartphone Galaxy S4 eingesetzt hat. Allerdings ist diese Aufgabe für die Automobilisten deutlich schwerer zu lösen. Die Blickerfassung wird heute schon bei Assistenzsystemen wie dem Müdigkeitsassistenten genutzt, aber die echte Steuerung durch Augenbewegungen ist deutlich schwerer. Bis zur Serienreife dieser Technik wird noch einige Zeit vergehen. Davon ist zumindest Andreas Titze, Leiter interaktive Elektronik bei Volkswagen, überzeugt: „Wenn wir eine Technologie im Bereich Anzeige und Bedienung einsetzen, muss sie im Volumenmarkt funktionieren.“

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