Citroën Bertoni verabschiedet sich mit mittelschwerem Lkw

Autor: Steffen Dominsky

1965 zeigten die Franzosen, dass sie nicht nur extravagante Personenkraftwagen bauen können. Mit dem Typ „N“ platzierten sie auch ein mittelschweres Nutzfahrzeug mit ausgefallenen technischen und optischen Gimmicks.

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Ein Nutzfahrzeug mit einer ausgeprägten Stirn: Der Typ N wusste mit seiner Front aufzufallen. Gut erkennbar sind die beiden Fenster auf Fußhöhe von Fahrer bzw. Beifahrer. Sie erleichterten die Navigation gerade im Gelände.
Ein Nutzfahrzeug mit einer ausgeprägten Stirn: Der Typ N wusste mit seiner Front aufzufallen. Gut erkennbar sind die beiden Fenster auf Fußhöhe von Fahrer bzw. Beifahrer. Sie erleichterten die Navigation gerade im Gelände.
(Bild: Citroën)

Als der Lastkraftwagen vom Typ „N“ – N350 bis N850, entsprechend der Nutzlast von 3,5 bis 8,5 Tonnen – im Oktober 1965 erstmals in den Pariser Jardins du Trocadéro (zwei Gärten am rechten Seineufer) präsentiert wurde, gab es viele verblüffte Gesichter. Die wenigsten hatten damit gerechnet, dass Citroën den Schritt auf den mittelschweren Lkw-Markt wagen würde. Zwar gab es mit dem Typ 23 bereits ein Angebot im Nfz-Segment. Doch war dieser Hauben-Lkw nur in der kleinen Klasse von 1,5 bis 2,5 Tonnen Nutzlast angesiedelt. Designer Flaminio Bertoni, aus dessen Feder ebenfalls Wagen mit dem Doppelwinkel wie der 2CV, die DS, der Ami 6 und der Traction Avant stammen, schuf mit seiner letzten Kreation ein ganz besonderes Fahrzeug. Dieses wurde für seine Innovationen mehrfach ausgezeichnet.

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So verfügt es beispielsweise über ein futuristisches Design, eine Servolenkung sowie eine auf DS-Technologie basierende Hochdruckbremse. Auffälligster Clou: die beiden über den Frontscheinwerfern beziehungsweise im unteren Teil der Kabine eingebauten „Fenster“ mit freier Sicht auf die Fahrbahn, was anspruchsvolle Fahrmanöver gerade im Gelände deutlich vereinfachte. Erhältlich war der Typ N mit unterschiedlichen Benzin- und Dieselmotoren. In der speziellen Feuerwehrvariante kam ein 82-PS-Benziner zum Einsatz, der das Brandwehrfahrzeug auf eine für heutige Maßstäbe eher bescheidene Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h brachte.

Bei der Brandbekämpfung kamen die ausziehbare Feuerwehrleiter sowie Stahlrohre und Wassertanks mit bis zu 3.500 Litern Fassungsvermögen zum Einsatz. Den Spitznamen „Belphégor“ erhielt das Modell wegen des außergewöhnlichen Designs der Frontpartie in Anlehnung an die damals populäre TV-Serie „Belphégor oder das Geheimnis des Louvre“. Citroën produzierte den „Belphégor“ zwischen 1965 und 1972; insgesamt kamen knapp 11.000 Fahrzeuge auf den Markt. Bereits 1970 wurde ein Nachfolgemodell eingeführt, das aufgrund der Übernahme des Nutzfahrzeugherstellers Berliet als Citroën-Berliet K vermarktet wurde. Nach wie vor erfreut sich der N großer Beliebtheit und ist mancherorts noch als umgebauter Abschleppwagen oder Marktauto zu finden. In Deutschland ist laut Citroën nur noch ein fahrbares Modell vorhanden.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group