Suchen

Betriebe sollen sich beim Bewerber bewerben

| Autor / Redakteur: Holger Zietz / Christoph Baeuchle

Die Suche nach geeigneten Nachwuchs- und Fachkräften wird schwieriger. Wer Erfolg haben will, muss aus Sicht von Axel Haitzer ausgetretene Wege verlassen. Bei der Delegiertenversammlung des Kfz-Gewerbes Hessen gab der Personalexperte Tipps.

(Foto: ZDK)

Beim Kfz-Gewerbe Hessen zahlt es sich aus, dass Landesverband, Innungen und Mitgliedsbetriebe den Fokus auf Nachwuchskräfte richten. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Mit 1.527 unterschriebenen Ausbildungsverträgen zum Kfz-Mechatroniker melden die Hessen einen Rekord. Im Vorjahr waren es noch 1.500 Neuverträge.

Es war nicht die einzige gute Nachricht, die Horst Haese bei der Mitgliederversammlung des Kfz-Gewerbes Hessen in Gießen überbrachte. Das Vorstandsmitglied aus dem hessischen Landesverbandes lobte das Engagement der Autohäuser und Werkstätten. Auch beim Automobilkaufmann haben die Neuverträge kräftig zugelegt. Sie stiegen von 348 in 2016 um knapp 10 Prozent auf 378 Verträge im vergangenen Jahr. Hierzu trage die 2017 in Kraft getretene neue Ausbildungsverordnung bei, die in hohem Maße auf die steigenden Anforderungen an digitalisierte und vernetzte Prozesse in Autohaus und Werkstatt eingehe, ist Haese überzeugt.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 6 Bildern

Ein ebenso erfreuliches Thema für das Kfz-Gewerbe ist die von der hessischen Landesregierung beschlossene Meisterprämie. Angehende Meisterschüler können ab 2018 mit einem Zuschuss von 1.000 Euro rechnen. Aufgrund der unterschiedlichen Förderhöhe in den Bundesländern hätten sich die Handwerksorganisationen dafür ausgesprochen, die Zuschüsse bundeseinheitlich zu gestalten und den Zentralverband des Deutschen Handwerks aufgefordert, sich hierfür stark zu machen, ergänzte Haese.

„Wer keine Fachkräfte findet, ist selbst schuld“ – davon ist Bestseller-Autor Axel Haitzer überzeugt. Der Personalexperte zeigte, auf welche Situationen sich Unternehmen in Zukunft einzustellen haben und welche Möglichkeiten ergriffen werden können, um geeignetes Fachpersonal zu rekrutieren.

Um an die richtigen Nachwuchs- und Fachkräfte zu kommen, sollte sich jeder Betrieb aus Sicht des Experten entsprechende Fragen stellen: Warum soll jemand bei mir und nicht beim Wettbewerb arbeiten? Was hat der Mitarbeiter für Fähigkeiten und wo kann ich ihn damit einsetzen? Haitzer rät den Betrieben, sich bei den Bewerbern zu bewerben. Erste Visitenkarte sei die Homepage des Betriebes, wo ein Bewerber sich informiert. Dort sollten dann auch Mitarbeiter des Unternehmens auftauchen. Wenn die Suche in der Zeitung ohne Erfolg bleibt, dann ist es vielleicht die falsche Zeitung. Haitzer rät dazu, Mut zu haben für neue Wege in der Personalsuche.

Nachrüstung von Diesel-Fahrzeugen

Neue Wege sind auch in der Überwindung der Dieselkrise gefragt. „Wir brauchen eine Nachrüst-Verordnung für ältere Diesel, insbesondere für die rund sechs Millionen Euro-5-Fahrzeuge. Nur so lässt sich der dramatische Wertverlust, den die Autobesitzer, aber auch die Händler erleben, in den Griff bekommen“, wiederholte Verbandspräsident Jürgen Karpinski seine mehrfach schon geäußerte Forderung. Dass die Hardware-Nachrüstung technisch funktioniere, hätten Tests der Zulieferer und des ADAC mit unterschiedlichen Systemen bewiesen. Jetzt müssten sich die politisch Verantwortlichen, aber auch die Hersteller und Importeure klar dazu bekennen.

(ID:45265466)