Suchen

BGH bestätigt Erstattbarkeit des Rückstufungsschadens

| Autor / Redakteur: autorechtaktuell.de / Christoph Seyerlein

Unfallgeschädigte sollten den Prämienschaden keinesfalls übersehen und ihn von der unfallgegnerischen Versicherung eingefordert werden. Diese Praxis wird vom BGH gestützt.

Firmen zum Thema

(Foto: gemeinfrei / CC0 )

Bei der Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen in der Praxis wird häufig übersehen, dass der Geschädigte, welcher letztlich aufgrund einer Mithaftung seine Kaskoversicherung in Anspruch nehmen muss, den ihm danach entstehenden Prämienschaden zumindest quotenanteilig von der unfallgegnerischen Versicherung verlangen kann. Dabei entspricht das der ständigen Rechtsprechung, wie der BGH in einem Urteil vom 19. Dezember 2017 klarstellte (AZ: VI ZR 577/16).

Im verhandelten Fall hatte die Klägerin die unfallgegnerische Kfz-Haftpflichtversicherung verklagt, die ihren Unfallschaden zu 75 Prozent vorgerichtlich reguliert hatte. Die Klägerin begehrte die Feststellung, dass die Beklagte ihr auch den Prämienschaden zu erstatten habe, der durch die Inanspruchnahme der Kaskoversicherung entstanden sei. Der BGH gab ihr Recht und bestätigte den Anspruch.

Anders als das Berufungsgericht zuvor war der BGH der Ansicht, die Klägerin könne von der Beklagten in Höhe der Haftungsquote anteiligen Ersatz des Rückstufungsschadens verlangen. Nach ständiger Rechtsprechung des erkennenden Senats sei die Rückstufung in der Vollkaskoversicherung für den Geschädigten eine Folge seines unfallbedingten Fahrzeugschadens. Der Schädiger hafte auch bei nur anteiliger Schadenverursachung für den Prämienschaden. Dies folge aus dem Grundsatz, dass eine Mitursächlichkeit einer Alleinursächlichkeit in vollem Umfang gleichstehe.

Dem Argument des Berufungsgerichts, der vorliegende Fall sei anders zu beurteilen, da die Klägerin ihre Vollkaskoversichrung erst nach der Regulierung des Haftpflichtversicherers in Anspruch genommen habe und dies „nur“ hinsichtlich des von ihr selbst zu tragenden Schadenanteils, teilte der BGH nicht. Auch in diesem Fall könne der Schädiger den Prämienschaden quotenanteilig ersetzt verlangen.

Für die Ersatzfähigkeit des Rückstufungsschadens sei es unerheblich, ob der Geschädigte die Regulierung des Haftpflichtversicherers seines Unfallgegners für dessen Haftungsanteil abwarte und sich erst dann an seinen Kaskoversicherer wende oder ob er dies sogleich hinsichtlich des Gesamtschadens tue und danach der Schaden quotenmäßig ausgeglichen werde.

Bedeutung für die Praxis

Es kommt nicht darauf an, ob der Geschädigte zunächst die Haftpflichtversicherung in die Pflicht nimmt und sodann an seine Kaskoversicherung herantritt oder gleich eine kaskovertragliche Abrechnung vornimmt.

Der Prämienschaden sollte in der Praxis keinesfalls übersehen und von der unfallgegnerischen Versicherung eingefordert werden.

(ID:45145890)