BMW 6er Gran Coupé: Elegante Ableitung

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Im Wettbewerb der Premiummarken schließt BMW eine Angebotslücke in der Nische zwischen Coupé und Limousine: Das 6er Coupé wird um zwei Türen gestreckt. Das Ergebnis ist so elegant wie teuer.

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BMW hat dem 6er zwei zusätzliche Türen verpasst.
BMW hat dem 6er zwei zusätzliche Türen verpasst.
(Foto: BMW)

Die von Marketingstrategen ersonnene Gattung des „viertürigen Coupés“ ist eigentlich ein Widerspruch in sich: Coupés sind per definitionem Zweitürer. Beim jetzt vorgestellten, mindestens 79.500 Euro teuren BMW 6er Gran Coupé ist die Bezeichnung allerdings nicht so ganz weit hergeholt wie bei den Konkurrenzmodellen: Beim neuen Modell hat BMW das 6er Coupé einfach um zwei Türen verlängert. Der technische Aufwand war begrenzt: Der Radstand ist nunmehr wieder identisch mit dem 5er, auf dem der 6er seit jeher basiert; im Heckbereich ist die Plattform modifiziert.

Geplant war das Gran Coupé zwar nicht von Anfang an, die Entscheidung fiel jedoch relativ rasch während der Entwicklung der 6er-Baureihe. Der Vorderwagen ist nun völlig identisch, die Mittelsektion deutlich verlängert, und der Heckabschluss entspricht wiederum weitgehend dem Coupé. Allerdings setzt die nunmehr an die Oberkante der Heckscheibe verlegte dritte Bremsleuchte einen eigenständigen Akzent. Ihre Kontur ergibt sich aus einem subtilen Kantenverlauf im Dach.

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Die gemeinsame Bodengruppe bringt einige Vorteile, aber auch Nachteile. Und dazu zählt in erster Linie das beträchtliche Gewicht: Hatte BMW bei der Vorgängergeneration von 5er und 6er noch einen Aluminium-Vorderwagen eingesetzt, so ist man nun wieder auf eine Stahlbauweise verfallen, bei der allerdings die Außenhaut verschiedentlich durch Aluminium substituiert wird. Das Ergebnis sind Leergewichte zwischen 1.825 und 2.015 Kilogramm - es liegt nochmals höher als bei den gleich motorisierten Modellen der 5er-Reihe.

Der „Fahrerlebnisschalter“ sorgt für Spaß

Auf der Straße gelingt es dem 6er Gran Coupé, sein hohes Gewicht weitgehend zu überspielen. Dabei hilft unter anderem der „Fahrerlebnisschalter“, mit dem je nach gewählter Fahrzeugspezifikation zwischen verschiedenen Modi umgeschaltet werden kann. In der „Sport“- und „Sport Plus“-Einstellung gewinnt die Limousine deutlich an Agilität, wenngleich auch bei "Sport Plus" die Stabilitätskontrolle frühzeitig eingreift.

Im „Comfort“-Modus neigt sich der 6er in Kurven stärker, der Fahrkomfort gewinnt allerdings. Nicht empfehlenswert ist die Wahl von „Comfort Plus“ - hier tendiert der Wagen zu unangenehmem Nachschwingen. Gerade in den „Comfort“-Modi wirkt die elektromechanische Servolenkung etwas klebrig, in den "Sport"-Modi passt sie besser. Übrigens gibt es auch noch eine verbrauchsoptimierte Einstellung namens „Eco Pro“.

Das Interieur des 6er Gran Coupé ist vorn mit dem des 6er Coupé identisch: Die Armaturentafel ist fahrerorientiert und hochwertig ausgeführt. Die Sitze bieten vorn und hinten guten Seitenhalt; das Platzangebot auf den Rücksitzen ist für eine Fünf-Meter-Limousine allerdings gerade einmal ausreichend. Der Kofferraum fasst 460 Liter und lässt sich auf 1.265 Liter erweitern.

BMW bietet für das 6er Gran Coupé drei Motoren an. Einstiegsmodell ist der 640i mit einem 3.0-Liter-Reihensechszylinder, der mit einem Turbolader auf 235 kW/320 PS kommt. Alternativ dazu gibt es den 640d mit einem 230 kW/313 PS-Reihensechszylinder-Turbodiesel mit zwei Turboladern. Spitzenmodell ist bis auf weiteres der 650i mit einem 4,4-Liter-V8-Biturbo, der in der neuen Limousine erstmals 330 kW/450 PS leistet. Ihn gibt es auch mit Allradantrieb - dann ist übrigens eine hydraulische Servolenkung an Bord, die das Lenkverhalten verbessern dürfte, aber mehr Energie verzehrt.

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Für die Kraftübertragung sorgt in allen Fällen eine sehr schnell schaltende ZF-Achtgang-Automatik. Die manuellen Eingriffe erfolgen entweder mit Schaltpaddeln oder per Wählhebel auf der Mittelkonsole. Dass BMW hier der Logik von Rennwagen folgt und das Hochschalten mit Ziehen, das Herunterschalten hingegen mit Wegstoßen des Hebels initiiert, registrieren sportliche Fahrer dankbar.

Mit allen Motoren erreicht das 6er Gran Coupé hervorragende Fahrleistungen. Beide Sechszylinder erreichen die 100-km/h-Marke nach 5,4 Sekunden, der 650i schafft es in 4,6 Sekunden, mit Allradantrieb sogar in 4,4 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist grundsätzlich bei 250 km/h abgeregelt. Unterschiede gibt es beim Verbrauch, der im Zyklus zwischen 5,7 Litern beim Diesel und 9,2 Litern beim 650i xDrive rangiert. Erfahrungsgemäß dürften die Benziner den Normverbrauch in der Praxis deutlich überbieten.

Eigenständig ist natürlich auch das Klangbild. Hier dürfte der im Herbst kommende Achtzylinder stark punkten; der Sechszylinder-Benziner klingt nicht mehr ganz so seidig wie die Vorläuferaggregate, so dass der Schritt zum vernünftigeren Diesel leichter fallen dürfte.

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Preis startet bei 79.500 Euro

Vernunft allerdings ist ohnehin nicht das entscheidende Kaufmotiv bei dieser zwischen 79.500 und 96.000 Euro teuren Limousine, die schon in der leistungsschwächsten Stufe mit einigen Extras locker die 100.000-Euro-Schwelle überschreitet. Die Konkurrenz setzt sich zusammen aus Audi A7 und Mercedes-Benz CLS, dem Porsche Panamera und den coupéhaften Jaguar-Limousinen XF und XJ. BMW betrachtet sogar den Aston Martin Rapide als Rivalen - ein Hinweis darauf, in welche preislichen Gefilde sich der neue Viertürer aus Dingolfing transportieren lässt.

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