BMW: Die Münchner China-Strategie

Autor / Redakteur: Wolfgang Gomoll / Jens Rehberg

Nicht zuletzt mit mehr Händlern im Landesinneren will China-Chef Karsten Engel mittelfristig seinen Absatz verdoppeln. BMW will zudem ein neues Fabrikat kreieren.

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BMW-Markentempel in Schanghai.
BMW-Markentempel in Schanghai.
(Foto: press-inform)

Jedes Wirtschaftswunder verliert früher oder später an Fahrt. Das sind die Gesetze der Ökonomie, denen sich auch das Boom-Land China nicht verschließen kann. Das Wachstum im Reich der Mitte kühlt sich langsam ab. Selbst die Regierung in Peking geht davon aus, dass mittelfristig nur noch hohe einstellige Steigerungen erzielt werden können.

Doch die – für chinesische Verhältnisse – bescheidenen Wachstumszahlen bringen BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson nicht aus der Ruhe. „Das ist für einen Markt, der in den letzten Jahren ein solches Wachstum hingelegt hat, ganz normal.“ Noch gibt es für die Münchner auch keinen Grund, auch nur im Ansatz Trübsal zu blasen. Immerhin hat der Hersteller ohne Rolls-Royce und Motorrad 2012 in China 326.444 Autos verkauft. Das entspricht einem Wachstum von 40,4 Prozent. Im ersten Quartal dieses Jahres waren es bereits 86.070 Fahrzeuge (+ 7,6 %). Auf das Jahr hochgerechnet wären das 344.280 Modelle.

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Der Erfolg kommt nicht von ungefähr: Laut dem „China Trend Index“ des Jahres 2012 ist BMW mit einem Wert von 90 Prozent die begehrteste Automarke in China.

Doch Robertson richtet den Blick nach vorne. Für die Münchner sei es jetzt entscheidend, die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen und sich dabei nicht von dem konstant eingeschlagenen Kurs abbringen zu lassen. Dabei ist vor allem der Ausbau des Händlernetzes wichtig. Nach den erschlossenen Städten der Ostküste lautet jetzt mit Unterstützung der chinesischen Regierung die Devise „Go West“ – die kleineren Städte im Landesinneren stehen auf dem Plan. Immerhin geht es um rund fünf Millionen Einwohner, die noch keinen BMW-Partner in Reichweite haben.

Momentan verfügt BMW über 370 Verkaufsstandorte in China. 60 weitere Betriebe sollen folgen, von denen jeder für 1.500 bis 2.000 Autos pro Jahr gut sein soll. Der vor kurzem ernannte China-Chef Karsten Engel peilt mittelfristig eine Verdoppelung des Absatzes an. Das ergibt sich aus der schieren Größe des Landes und den neuen Absatzmöglichkeiten.

Die Ambitionen der Münchner kommen nicht von ungefähr: Die Auto-Analysten von PWC prognostizieren, dass sich die Produktion deutscher Premium-Hersteller bis 2020 im Reich der Mitte verdoppeln wird. Diese Prognose wird von den Unternehmensberatern von McKinsey unterstützt, die sogar in den nächsten acht Jahren von einem durchschnittlichen Wachstum von zwölf Prozent im chinesischen Premium-Segment ausgehen. Im Vergleich dazu werde der gesamte Automarkt laut den Prognosen jährlich um rund acht Prozent wachsen. Das bedeutet: Bis spätestens 2020 wird die Volksrepublik mit rund drei Millionen verkaufter Autos pro Jahr die USA als größten Absatzmarkt für Premium-Modelle abgelöst haben.

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