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BMW-Einkaufschef Duesmann könnte Stadler ersetzen

| Autor / Redakteur: dpa/gr / Andreas Grimm

Der beurlaubte Audi-Chef Rupert Stadler wird wohl nicht mehr an seinen Arbeitsplatz zurückkehren. Unabhängig vom Ausgang der Ermittlungen hat der VW-Konzern mit BMW-Vorstand Markus Duesmann einen Manager als potenziellen Nachfolger verpflichtet.

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Markus Duesmann war seit 2016 Einkaufschef der BMW Group. Nun wechselt er zum Volkswagenkonzern, mutmaßlich als künftiger Audi-Chef.
Markus Duesmann war seit 2016 Einkaufschef der BMW Group. Nun wechselt er zum Volkswagenkonzern, mutmaßlich als künftiger Audi-Chef.
(Bild: BMW)

Volkswagen ist bei der Suche nach einem neuen Audi-Vorstandschef einem Bericht zufolge beim Konkurrenten BMW fündig geworden. Markus Duesmann, bislang Einkaufsvorstand bei BMW, soll den Posten schnellstmöglich übernehmen, berichtete das „Handelsblatt“ (Dienstagausgabe) unter Berufung auf Konzernkreise. „Die Position des Audi-Chefs ist nur eine von mehreren Möglichkeiten“, schränkten informierte Personen dagegen im Gespräch mit der „Deutschen Presse-Agentur“ ein. Denkbar sei auch, dass Duesmann ein Technikressort oder das China-Geschäft – den wichtigsten Einzelmarkt des Konzerns – leiten werde.

BMW-Chef Harald Krüger hatte am Montagabend vor leitenden Mitarbeitern in München mitgeteilt, dass Duesmann das Unternehmen „aus persönlichen Gründen“ verlässt und seinen noch gut ein Jahr laufenden Vertrag ruhen lässt.

Der Volkswagenkonzern bestätigte inzwischen die Verpflichtung Duesmanns, nicht aber seine Verwendung. Der Aufsichtsrat habe beschlossen, Markus Duesmann „den Eintritt in den Konzernvorstand anzubieten“. Er werde seine Tätigkeit aufnehmen, „sobald er hierfür zur Verfügung steht“. Zu seinem neuen Aufgabengebiet äußerte sich der Volkswagenkonzern nicht. „Es gibt noch keine Entscheidung über die Ressortverantwortung“, sagte Aufsichtsratssprecher Michael Brendel.

Duesmann hat eine Wettbewerbsklausel in seinem Vertrag. Frühestens in einem halben Jahr, eher aber später könnte er bei Audi anfangen, hieß es im „Handelsblatt“-Bericht. Die Hoffnung ruhe natürlich darauf, dass ihn BMW schneller aus seinem Vertrag lasse und er möglichst bald bei Audi anfangen könne. Mit Duesmann holt sich der weltgrößte Autobauer einen erfahrenen Experten der Automobilindustrie. „Er zeichnet sich durch eine breite Erfahrung in unterschiedlichen Bereichen der Branche bei verschiedenen Konzernen aus“, heißt es in der VW-Mitteilung.

Der 49-jährige Maschinenbau-Ingenieur ist seit 2007 für BMW tätig, als er als Leiter des Bereichs Antrieb zum damaligen BMW-Sauber-Formel-1-Team kam. Danach war er Bereichsleiter für Fahrdynamik und zuletzt für das gesamte Thema Antrieb im Entwicklungsressort des Unternehmens zuständig. Im Oktober 2016 übernahm er das Vorstandsressort Einkauf.

Volkswagen kann Duesmanns technische Expertise brauchen, weil der Konzern im Abgasskandal mehrere Topmanager auf diesem Feld verloren hat – von Ex-Konzernchef Martin Winterkorn über die Audi-Technikvorstände Ulrich Hackenberg und Stefan Knirsch sowie VW-Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer bis zu Porsche-Entwicklungsvorstand Wolfgang Hatz.

Duesmann wäre der zweite Topmanager, den die Wolfsburger von BMW abwerben. 2015 war bereits Herbert Diess in den VW-Vorstand gewechselt. Seit dem Rückzug von Matthias Müller ist er Vorstandsvorsitzender, er dürfte hinter der Berufung von Duesmann stehen. Bevor Duesmann in Wolfsburg oder Ingolstadt anfängt, sind aber noch zwei hohe Hürden zu überwinden: sein Vertrag bei BMW.

Duesmanns Vertrag mit BMW ruht bis zum Ablauf im September 2019 – so hat er es mit BMW-Aufsichtsratschef Norbert Reithofer vereinbart. Außerdem hat er laut „Handelsblatt“ eine Wettbewerbsklausel darin stehen. Nach Angaben des Arbeitsrechtlers Max Wittig gilt normalerweise: Je wichtiger die Position, desto länger die Sperrzeit für einen Wechsel zur Konkurrenz. Bis zu zwei Jahre nach Vertragsablauf sind möglich. Mitunter einigen sich der alte und der neue Arbeitgeber aber gegen hohe Zahlungen.

Der Posten an der Spitze von Audi ist vakant geworden, da Audi-Chef Rupert Stadler in Untersuchungshaft sitzt. Er ist beurlaubt, bis die Vorwürfe geklärt sind. Seither führt Audi-Vertriebsvorstand Bram Schot die VW-Tochter kommissarisch. Eine Rückkehr Stadlers auf den Chefposten gilt in Konzernkreisen als ausgeschlossen, auch wenn alle Vorwürfe entkräftet werden. Laut der Staatsanwaltschaft München soll der langjährige Audi-Chef die Aufarbeitung des Abgasskandals behindert haben.

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