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Brandt Partners Management Consultants: Was tun bei einer Vertragskündigung?

| Autor / Redakteur: Das Gespräch führte Joachim v. Maltzan / Andreas Grimm

Der Unternehmensberater Jörg Heidrich empfiehlt Kfz-Betrieben, die ihren Vertrag verlieren oder abgeben, einen kühlen Kopf zu behalten. Wichtig sei jetzt, die eigenen Handlungsoptionen genau zu prüfen sowie wichtige Partner und Mitarbeiter in den Transformationsprozess einzubeziehen.

Jörg Heidrich: „Der Unternehmer muss die Mitarbeiter umso intensiver einbinden, je näher das Ende der vertragsgebundenen Tätigkeit rückt.“
Jörg Heidrich: „Der Unternehmer muss die Mitarbeiter umso intensiver einbinden, je näher das Ende der vertragsgebundenen Tätigkeit rückt.“
(Bild: Brandt Partners Management Consultants)

Jörg Heidrich: Zunächst ist wichtig, als Unternehmer einen klaren Kopf zu behalten und in keinem wilden Aktionismus zu verfallen. Vielmehr sollte der Unternehmer seine Handlungsspielräume klären und einen Maßnahmenplan für den Kündigungszeitraum abstecken, um das laufende operative Geschäft nicht zu gefährden. Er muss dann sofort prüfen, ob die Kündigung rechtlich wirksam ist. Man sollte aber dabei bedenken, dass eine Auseinandersetzung mit dem Hersteller nur in Einzelfällen zielführend ist. Effektiver ist es, die zukünftigen Netzpläne des Herstellers zeitnah in Erfahrung zu bringen und diese in die eigenen Zukunftsüberlegungen einzubeziehen. Zudem muss der Unternehmer unverzüglich eine einheitliche und vor allem vertrauensbildende und fortführungsorientierte Sprachregelung finden, da Händlervertragskündigungen schnell publik werden. Schleichende Nachrichten können das Vertrauensverhältnis der Mitarbeiter zum Unternehmen, aber auch das der Kunden und der Finanzierungspartner erschüttern.

Welche weiteren Sofortmaßnahmen sind wichtig?

Der Kfz-Unternehmer muss die Hausbanken unverzüglich informieren, bevor es andere tun. Das schafft grundlegendes Vertrauen. Selbst in latenten Krisensituationen sind die Banken erfahrungsgemäß bereit, den vorhandenen Status Quo beizubehalten und dem Unternehmen die erforderliche Zeit zu gewähren, damit dieses seine Neuausrichtung auch wirklich umsetzen kann. Analog verhält es sich bei den Banken, die die Fahrzeugbestände finanzieren. Im Falle der Herstellerbanken muss der Händler wissen, wie deren Abwicklungsstrategie während und zum Ende des Kündigungszeitraums aussieht. Sie nutzen gerne kurzfristig erhöhte Prolongationszahlungen, Limitierungen der Bestandskredite, Absenkung von Beleihungswerten sowie den Entzug der Eigenverwaltung von KFZ Briefen um das eigene Risiko zu senken. Ein weiteres, oft unterschätztes Thema ist die IT-Sicherheit. Der Kfz-Unternehmer sollte frühzeitig seine EDV-Systeme so umrüsten, dass sensible Unternehmensdaten wie beispielsweise der Kundenstamm nur schwer an den Hersteller abfließen können. Große Bedeutung kommt in dieser Situation auch der Mitarbeiterbindung über vertrauensbildende Maßnahmen zu. Ich empfehle, Leistungsträger in die unternehmerischen Überlegungen einzubinden. Denn sie sind Multiplikatoren auch für alle anderen Mitarbeiter und unterstützen den Unternehmer in schwierigen Phasen der Neuausrichtung. Der Unternehmer muss die Mitarbeiter umso intensiver einbinden, je näher das Ende der vertragsgebundenen Tätigkeit naht. Denn sonst können sie schnell durch andere Handler, die im Netz verbleiben, abgeworben werden.