Breite Unterstützung für den Lkw-Abbiege-Assistenten

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

Immer wieder sind Lkw in schwere Unfälle verwickelt, weil die Fahrer andere Verkehrsteilnehmer nicht sehen. Die Gefahr des „Toten Winkels“ will nun eine breite Interessengemeinschaft mit freiwilligen Nachrüstungen bannen.

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Die Gefahr des „Toten Winkels“ vor allem für Radfahrer und Fußgänger wollen Politik, Verbände und Unternehmen gemeinsam bannen.
Die Gefahr des „Toten Winkels“ vor allem für Radfahrer und Fußgänger wollen Politik, Verbände und Unternehmen gemeinsam bannen.
(Bild: Photography Schaarschmidt)

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) setzt zum besseren Schutz von Radfahrern und Fußgängern vor gefährlichen Lkw-Unfällen auf freiwillige Umrüstungen. „Es tut sich etwas, aber jetzt müssen wir ordentlich anschieben“, sagte Scheuer am Dienstag in Berlin nach einem Treffen mit Vertretern der Autoindustrie, Logistik, Prüforganisationen, Autofahrer- und Fahrradfahrerclubs.

Das Problem: Immer wieder kommen Radfahrer oder Fußgänger ums Leben, weil Lkw-Fahrer sie beim Abbiegen übersehen. Abhilfe schaffen können elektronische Abbiege-Assistenten. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will nun den Einbau dieser technischen Systeme bei Lastwagen in Deutschland beschleunigen –zunächst auf freiwilliger Basis der Speditionen und Logistikunternehmen.

Zum Abbiegeassistenten, den die Edeka verbaut, gehört eine Kamera, die den gefährlichen toten Winkel voll einsehen kann. Ein Bildschirm im Fahrerhaus zeigt diesen Bereich an.
Zum Abbiegeassistenten, den die Edeka verbaut, gehört eine Kamera, die den gefährlichen toten Winkel voll einsehen kann. Ein Bildschirm im Fahrerhaus zeigt diesen Bereich an.
(Bild: Edeka/www.schraegformat.de)

Im Zuge einer „Aktion Abbiege-Assistent“ haben sich bereits mehrere Firmen verpflichtet, vor einem verbindlichen Einführungsdatum auf EU-Ebene ihren Fuhrpark mit technischen Systemen auszurüsten – darunter Edeka, Netto, Aldi und DB Schenker. Der Minister kündigte an, er wolle sich für den Haushalt 2019 für einen neuen Fördertopf für Nach- und Umrüstungen von Lkw mit elektronischen Abbiegeassistenten einsetzen. Angaben zum möglichen Fördervolumen machte Scheuer aber nicht.

Union und SPD haben auch im Koalitionsvertrag vereinbart, diese Technik für neue Lastwagen und Busse zur Pflicht zu machen. Dies ist aber auf EU-Ebene zu regeln. Scheuer gehen die Verhandlungen dort nicht schnell genug. Die EU will eine Pflicht für neue Lkw ab 2022 erlassen. Scheuer will sich dafür einsetzen, dass dies bereits ab 2019 der Fall ist.

Auf nationaler Ebene geht es zunächst um einen freiwilligen Einbau der Abiegeassistenten. Scheuer sagte, die Systeme kosteten zwischen 800 und 1.300 Euro pro Lastwagen, dies sei leistbar. Das Ministerium werde über eine zuständige Bundesanstalt Leitlinien entwickeln, damit die Systeme von der technischen Qualität her vergleichbar seien.

Nach Angaben des Auto-Branchenverbands VDA sind erste Abbiegeassistenzsysteme für bestimmte deutsche Fahrzeuge verfügbar. Neben solchen Systemen gebe es als Übergangslösung sogenannte Kameramonitor-Systeme. Diese könnten dem Fahrer helfen, andere Verkehrsteilnehmer zu erkennen, die in den Spiegeln nicht ausreichend wahrnehmbar sind. Daimler wies darauf hin, dass bereits in rund jedem dritten neuen Modell der Lkw-Typen Actros und Antos, der in Deutschland gekauft wird, ein Abbiege-Assistent verbaut sei. Dieser warne den Fahrer frühzeitig vor möglichen Kollisionen.

Wenn meist erhöht sitzende Lkw-Fahrer Radler oder Fußgänger im toten Winkel übersehen, die sich neben ihrem Fahrzeug befinden, kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Abbiege-Assistenten können Warnsignale aussenden oder automatisch bremsen. Nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) starben allein in diesem Jahr bundesweit mindestens 23 Radfahrer durch abbiegende Lkw. Der Verband zählt dazu sowohl Unfälle mit Sattelschleppern als auch mit kleineren Lastern.

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