Britische Automobilindustrie ist auf „Alarmstufe Rot“

Autor / Redakteur: dpa/gr / Andreas Grimm

Die Eckdaten des Jahres 2018 verheißen für die britische Automobilindustrie nichts Gutes. Zulassungszahlen und Produktion sinken, vor allem aber brechen die Investitionen weg.

Großbritannien kehrt der EU den Rücken. Vor allem die dortige Automobilindustrie dürfte das schmerzhaft treffen.
Großbritannien kehrt der EU den Rücken. Vor allem die dortige Automobilindustrie dürfte das schmerzhaft treffen.
(Bild: Jaguar Land Rover)

In Großbritannien ist die Produktion von Autos bereits vor dem von der Branche gefürchteten Brexit eingebrochen und die Aussichten sind düster. Die Zahl der produzierten Fahrzeuge sei im vergangenen Jahr um 9,1 Prozent auf 1,52 Millionen Stück gefallen, teilte der Branchenverbandes SMMT (Society of Motor Manufacturers and Traders) am Donnerstag in London mit. Die Neuzulassungen waren um 6,8 Prozent auf 2,37 Millionen Einheiten gesunken.

Noch größere Sorgen bereitet dem SMMT-Chef Mike Hawes allerdings der Einbruch der Investitionen um 46,5 Prozent auf 588,6 Millionen britische Pfund (673,51 Mio. Euro)und die Furcht vor einem ungeordneten Austritt des Landes aus der EU. Der größte Autobauer des Landes, Jaguar Land Rover, hatte bereits angekündigt, weitere 4.500 Stellen zu streichen. Neben den Brexit-Sorgen drückt den Autobauer aber auch das Diesel-Problem.

„Die Branche befindet sich in Alarmstufe Rot“, sagte Hawes. „Die Unsicherheit rund um den Brexit hat bereits enormen Schaden bei der Produktion, den Investitionen und den Arbeitsplätzen angerichtet.“ Dies sei aber nichts im Vergleich zu dem, was bei einem ungeordneten Brexit auf die Branche zukomme.

Tatsächlich könnten die Produktionszahlen dann regelrecht abstürzen. Denn nur knapp ein Fünftel der britischen Autoproduktion bleibt im Land: 2018 gingen 1,24 Millionen Neuwagen in den Export – davon gut die Hälfte in die EU. Allerdings war im vergangenen Jahr auch der Export nach China stark eingebrochen – um 24,5 Prozent.

Inzwischen erwägen viele Firmen, Betriebsteile ins Ausland zu verlagern. Bisher bekannt gewordene Pläne seien nur die „Spitze des Eisbergs“, heißt es in einem Bericht der Zeitung „The Guardian“. Die Ankündigung, Werke zu verlagern, sei keine leere Drohung, ist sich auch Alexander Veith sicher. Er ist Rechtsanwalt bei der Kanzlei Allen & Overy, die Firmen in den Brexit-Vorbereitungen berät. „Kein Konzern wird direkt zum 1. April Fabriken schließen, aber mittelfristig ist das durchaus realistisch.“

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