Bugatti: Moskauer Service-Kunden am Rhein

Autor: Christoph Baeuchle

Das neue Showroom-Konzept von Bugatti hat im Düsseldorfer Ausstellungsraum von Gottfried Schultz Einzug gehalten. Die Qualität des Standortes hat sich herumgesprochen – sogar bis Moskau.

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Neue CI im Showroom: Bugatti Düsseldorf.
Neue CI im Showroom: Bugatti Düsseldorf.
(Foto: Bugatti)

Bugatti Düsseldorf hat seinen Showroom neu gestaltet und nun wiedereröffnet. Der gut 100 Quadratmeter große Ausstellungsraum am Höherweg ist schlicht gestaltet: Im Mittelpunkt steht der Sportwagen. Zum Auftakt präsentierte die Edelmarke aus dem VW-Konzern in Düsseldorf den Bugatti Chiron, der zuletzt auch auf dem Genfer Automobilsalon zu sehen war.

Nach New York, Miami, Leusden und München ist der Düsseldorfer Standort der fünfte Showroom, der den neuen Auftritt umsetzt. Insgesamt hat Bugatti 32 Händler, davon zwölf Partner in Europa. Außer in München und Düsseldorf ist die Marke in Deutschland auch in Hamburg und Frankfurt vertreten.

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Im neu gestalteten Showroom widmet sich die Heritage-Zone den Werten der Marke. In jede der drei Wand-Stelen ist ein Monitor eingelassen, auf dem Filme und Animationen näher auf den jeweiligen Markenwert eingehen.

An einem horizontalen Kommunikationsband, das an der Wand entlang läuft, können Informationen und Präsentationen zu Produkten und der Markengeschichte abgerufen werden. Darüber hinaus können Kunden hier ihren neuen Bugatti konfigurieren. Gesteuert wird alles intuitiv per iPad oder Tablet.

Optional: Sessel statt Sportwagen

Zum Gespräch nehmen Kunden in der Lounge-Ecke Platz. Sie ist mit Möbeln von Bugatti Brand Lifestyle ausgestattet. Die organisch geformten Sessel sind aus feinstem Leder und blauem Sicht-Carbon gefertigt. Auf Wunsch kann ein Kunde statt eines Sportwagens auch die Sessel kaufen. Kostenpunkt: 30.000 Euro. Abhängig vom gewählten Leder kann der Preis noch etwas steigen.

In Düsseldorf fand Bugatti einen Platz unterm Dach von Bentley; beide Marken werden von der Gottfried-Schultz-Gruppe vertrieben. „Der Showroom ist Ausdruck, dass wir die Marke betreuen“, sagt Guido Graf von Spee, Geschäftsführer Bugatti Düsseldorf. Mit einem Team von 14 Mitarbeitern kümmert er sich um die Marke.

Das klappt gut. So gut, dass Bugatti die Gottfried-Schultz-Tochter 2014 auszeichnete. „Bugatti Düsseldorf ist einer der Top-Performer in Europa. In 2014 haben Guido Graf von Spee und Tobias Dorn unseren weltweiten Wettbewerb ,Dealer of Excellence Programm‘ als erfolgreichster Partner gewonnen“, betont Bugatti-Vertriebschef Stefan Brungs. Das Düsseldorfer Bugatti-Team hat zwar 2014 nicht am meisten Sportwagen verkauft, aber die vorgegebenen Ziele am besten erfüllt beziehungsweise weit übertroffen. Für fünf Bugattis fanden sie Käufer.

Das ist viel. Denn pro Woche verlässt etwa ein Fahrzeug das Werk im elsässischen Molsheim, wo Bugatti seinen Stammsitz hat und produziert. 2014 lieferte die Marke aus dem VW-Konzern 45 Fahrzeuge aus. Im vergangenen Jahr lief der Veyron aus, nun laufen die Vorbereitungen für den Chiron.

„Wir kennen jeden einzelnen Kunden“, erläutert Guy Caquelin. Deren Anzahl ist dreistellig, aber dennoch überschaubar: 450 Veyron verkaufte Bugatti an 320 Kunden. Einige haben also mehrere Sportwagen in der Garage.

Dies ist auch die Zielgruppe, die Bugatti mit dem neuen Modell als erstes ansprach: Zunächst präsentierte der Hersteller das neue Modell den bereits vorhandenen Mehrfach-Kunden, anschließend allen anderen Kunden und solventen Interessenten.

Das kam an: Gut ein Drittel der 500 geplanten Fahrzeuge hat Bugatti bereits verkauft. Der Preis kann sich sehen lassen: Immerhin kostet der Chiron 2,856 Millionen Euro und damit deutlich mehr als der Veyron, der für eine Million zu haben war. Wer sich für den Chiron entscheidet, zahlt 200.000 Euro an. Bei der endgültigen Bestellung werden weitere 900.000 Euro fällig, den Rest zahlt der Kunde bei der Übergabe. Dafür erhält er einen Traum in Carbon: Der W16-Motor hat einen Acht-Liter-Hubraum mit 1.500 PS. Das Ergebnis ist eine Beschleunigung, die erst weit jenseits der 400 km/h endet.

Diesen Traum können sich nur wenige erfüllen – und die wenigen wollen gefunden werden. „Bugatti ist ein reines Ziel-Geschäft“, erläutert Graf von Spee. Im Ausstellungsraum kommt selten jemand vorbei. Doch Tobias Dorn, der bei Bugatti Düsseldorf für den Verkauf verantwortlich ist, geht die Arbeit nicht aus. „Bugatti kann man nicht nebenher verkaufen“, stellt Geschäftsführer Graf von Spee klar. „Da braucht man einen exklusiven Verkäufer.“

Weltweit auf der Suche nach Gebrauchten

Dessen Arbeit unterscheidet sich natürlich von den Aufgaben eines Verkäufers eines Volumenmodells. Weltweit macht sich Verkäufer Dorn auf die Suche nach Fahrzeugen, um die Kundenwünsche zu erfüllen. Die Kunden kommen aus Doha und Peking, aus Norwegen und Deutschland. Jede Kundenanfrage wird angenommen. „Recherche ist das entscheidende Thema für den Verkäufer: Wo sind welche Autos zu welchem Preis zu haben?“

Dabei verkauft Bugatti mit einem Agentensystem: Die Partner vermitteln die Neuwagen an Kunden. Am Ende unterzeichnen Vertreter der Marke den Vertrag und die Partner vor Ort erhalten eine Provision. Bei Gebrauchten gehen die Düsseldorfer andere Wege: Abhängig von Fahrzeug und Preis kauft das Autohaus die Fahrzeuge auch an. Im vergangenen Jahr fand das Autohaus für fünf Gebrauchtwagen Interessenten; drei hatte es zuvor zugekauft, die beiden anderen vermittelt.

Durch die tägliche Recherche baut Bugatti Düsseldorf sein weltweites Kundennetz aus. Dies zahlt sich nicht nur bei Neu- und Gebrauchtwagen aus. Derzeit haben die Rheinländer einen Sportwagen eines Moskauer Kunden in der Werkstatt.

Der Russe stellte eine Anfrage an Dorn bezüglich der Vermittlung eines Gebrauchtwagens. Noch am gleichen Tag erhielt er Antwort. Im Abbinder seiner Mail wies Dorn auf die Excellence-Auszeichnung aus 2014 hin. Dies beeindruckte den Moskauer Bugatti-Fahrer so, dass er für den nächsten Check sein Fahrzeug auf einen Lkw verladen und nach Düsseldorf bringen ließ. Schließlich wolle er sein Schätzchen nur in beste Hände geben.

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Über den Autor

 Christoph Baeuchle

Christoph Baeuchle

Chefreporter Automobilwirtschaft & Politik/Verbände