Schieflage Byton Deutschland zahlt offenbar Gehälter nicht mehr

Autor: Andreas Wehner

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Byton Deutschland GmbH wegen Insolvenzverschleppung. Den Mitarbeitern in München ist das chinesische E-Auto-Start-up noch einige Monatsgehälter schuldig. Doch in Deutschland gibt es seit dem Weggang des früheren Chefs Daniel Kirchert keinen Verantwortlichen mehr.

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Gehen bei Byton in Deutschland bald die Lichter aus?
Gehen bei Byton in Deutschland bald die Lichter aus?
(Bild: Byton)

Die in München ansässige deutsche Tochter des chinesischen E-Auto-Start-ups Byton ist offenbar in Schwierigkeiten. Medienberichten zufolge ermittelt die Staatsanwaltschaft München gegen die Byton Deutschland GmbH wegen Insolvenzverschleppung. Wie ein Byton-Sprecher am Montag auf Anfrage von »kfz-betrieb« bestätigte, habe das Unternehmen den deutschen Mitarbeitern seit Monaten keine Gehälter mehr gezahlt.

Derzeit sei unklar, wie es mit der Byton Deutschland GmbH weitergehe. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob und seit wann Insolvenzgründe vorliegen und könnte letztlich den Insolvenzantrag auf den Weg bringen. Das haben die chinesischen Verantwortlichen bei Byton bislang versäumt – obwohl die Schieflage in München wohl bereits im Sommer eingetreten ist. Für die aktuell in der Luft hängenden Mitarbeiter würde das zumindest klare Verhältnisse schaffen.

Der Sprecher dementierte allerdings, dass der frühere Byton-CEO und gleichzeitige Geschäftsführer der Byton Deutschland GmbH, Daniel Kirchert, nach China „geflohen“ sei, wie die „Bild“-Zeitung berichtete. Der frühere BMW-Manager hatte das Unternehmen im Sommer verlassen. „Daniel Kirchert lebt seit Jahren in Hong Kong. Selbstverständlich hält er sich – gerade zu Pandemie-Zeiten – auch dort auf“, sagte der Sprecher.

Niemand ist verantwortlich

Seit Kircherts Kündigung gibt es aber in Deutschland offenbar keinen Verantwortlichen mehr. Und in China scheint die deutsche Tochter trotz der laufenden Restrukturierung gerade keine große Rolle zu spielen.

Zuletzt hatte Byton angekündigt, mithilfe des Elektronikzulieferers Foxconn seine Fertigung wieder in die Gänge bringen zu wollen. Ursprünglich wollte Byton bereits im vergangenen Jahr mit der Produktion beginnen und die ersten Fahrzeuge Ende 2020 ausliefern. Vorserienfahrzeuge waren in der Fabrik im chinesischen Nanjing auch bereits vom Band gelaufen. In der Corona-Pandemie ging dem Unternehmen jedoch das Geld aus. Alle Pläne wurden auf Eis gelegt, die Produktion gestoppt.

Bytons erstes Modell M-Byte hatte seine Premiere im September 2019 auf der IAA in Frankfurt gefeiert. Das Auto zeichnet sich vor allem durch ein riesiges, 48 Zoll großes Display aus, das sich über die komplette Breite des Fahrzeuginnenraums spannt. Byton will vor allem mit seinem Konnektivitätsangebot punkten. Ob das Auto jemals auf deutschen Straßen zu sehen sein wird, ist aktuell völlig unklar.

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Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«