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Cadillac ATS-V: Die amerikanische Rennklasse

Autor / Redakteur: Jens Meiners / Jens Scheiner

Hochleistungsmodelle erscheinen in Zeiten von Downsizing-Motoren und Spritspar-Technik kurios. Und dennoch bietet jeder Premium-Hersteller, der etwas auf sich hält, entsprechende Kraftprotze an.

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Cadillac präsentiert die V-Variante der kompakten Baureihe ATS.
Cadillac präsentiert die V-Variante der kompakten Baureihe ATS.
(Foto: Jeff Jablansky)

Die meisten Autos beschleunigen – zumindest außerhalb Deutschlands – kaum einmal über die 150-km/h-Grenze hinaus: Trotzdem legen viele Kunden Wert darauf, dass sich ihr fahrbarer Untersatz, wenn es darauf ankommt, in ein rund 300 km/h schnelles Projektil verwandeln kann. Das gilt offenbar auch für die Kunden von Cadillac. In der größeren CTS-Baureihe kommt demnächst die dritte Generation der V-Serie auf den Markt. Was rein opportunistisch als kostengünstig entwickeltes Derivat der ersten Generation begann, der man einfach eine Corvette-Maschine unter die Haube verpflanzte, ist zu einem echten Hochleistungsauto geworden, das in jedem Bereich verbesserte Performance bietet – und für dessen Entwicklung Synergien mit anderen Cadillac-Modellen gesucht und gefunden wurden.

Jetzt stellt Cadillac eine V-Variante der kompakten Baureihe ATS vor, die direkt auf BMW M3 und M4, Audi RS5 und Mercedes-AMG C63 zielt. Angeboten werden Limousine und Coupé, der Ansatz ist klassisch: Der ATS-V kommt ausschließlich mit Hinterradantrieb, und neben einem Achtgang-Automaten gibt es auch ein Sechsgang-Schaltgetriebe, das von Tremec zugeliefert wird. Ob das manuelle Getriebe nach Europa kommt, ist unklar; das Auto ist zertifiziert, aber die Märkte tendieren dazu, nur den Automaten anzubieten.

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Das ist ausgesprochen schade, denn gerade der Handschalter arbeitet den puristischen Charakter des ATS-V besonders überzeugend heraus. Die Kupplung beißt kraftvoll zu, die Schaltwege sind kurz und klar definiert – und wem es nicht gelingt, per Gasstoß die passende Drehzahl zu finden, kommt mit der „Rev-Matching“-Funktion auf seine Kosten: Sie gibt auf Wunsch automatisch Zwischengas.

Die hauseigene 8L90-Hydramatic kann nicht in gleichem Maße Emotionen wecken. Sie wechselt die Gänge zwar blitzschnell, verzichtet aber im Gegensatz zur deutschen Konkurrenz auf Klangeffekte beim Hochschalten. Übrigens gibt es beim Gaswegnehmen auch kein Ploppen im Auspuff wie beim größeren CTS-V. Und das wird den einen oder anderen Kunden enttäuschen, der sich von einem derart hochmotorisierten Auto vielleicht etwas mehr Effekt gewünscht hätte.

An Leistung mangelt es nämlich nicht: Der 3,6-Liter-V6-Motor wird von zwei Mitsubishi-Turboladern auf bis zu 341 kW/470 PS gepeitscht; das maximale Drehmoment liegt bei 603 Nm, die bei 3.500 U/min anliegen. Das Klangbild ist verhalten aggressiv, insgesamt aber eher unaufdringlich. Der ungünstige Hubraum verhindert übrigens eine Markteinführung in China: Künftig dürften V6-Modelle von Cadillac knapp unterhalb der steuerlich relevanten Drei-Liter-Schwelle bleiben.

Übrigens hat Cadillac auch über ein Doppelkupplungsgetriebe nachgedacht. Das wäre aus Marketing-Gründen vorteilhaft gewesen, würde jedoch keine tatsächlichen Vorteile bringen. Chefentwickler David Leone sagt, dass ein Doppelkupplungs-Automat nicht schneller, wohl aber schwerer und teurer wäre.

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