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CAR: Elektrostrategie der Regierung scheitert

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andreas Grimm, Andreas Grimm

Trotz der Umweltprobleme und mittlerweile verfügbarer attraktiver Produkte bleibt Elektroautos der Durchbruch verwehrt. Deutschland ist weit entfernt vom anvisierten „Leitmarkt für Elektromobilität“.

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Elektroautos verkaufen sich weltweit noch nicht gut, doch in Deutschland läuft es besonders schlecht.
Elektroautos verkaufen sich weltweit noch nicht gut, doch in Deutschland läuft es besonders schlecht.
(Foto: Archiv)

Die Versuche der Automobilindustrie, das Elektroauto in Deutschland zu etablieren, sind nach Ansicht des Centers Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen derzeit vergebens. Dazu fehle in Deutschland „ein politischer Rahmen, der den Elektroautos erlaubt, ihre großen Vorteile auszuspielen“, insbesondere in Großstädten. In der Untersuchung „Elektromobilität – Was läuft schief in Deutschland“ zeigen die beteiligten Wissenschaftler, dass Deutschland nicht nur in absoluten Zahlen der weltweiten Entwicklung hinterher hinkt, sondern im Vergleich zu anderen Industrienationen das Potenzial für E-Fahrzeuge nur zu einem Bruchteil ausschöpft.

2.389 neu angemeldete Elektroautos verzeichnete das Kraftfahrt-Bundesamt für das erste Halbjahr 2013, immerhin ein Plus von fast 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das reicht gerade einmal für einen Marktanteil von rund 0,15 Prozent, wobei gut 900 Einheiten noch Eigenzulassungen der Hersteller und Händler waren. Dass es zumindest besser geht, rechnet das CAR am Beispiel der Niederlande vor. Dort seien im ersten Halbjahr 1.184 Elektrofahrzeuge zugelassen worden, womit dieser Antrieb 0,56 Prozent der dortigen Neuzulassungen stellt.

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Das CAR sieht in diesem Ergebnis einen Beleg, dass der Anspruch der Bundesregierung, Deutschland zum „Leitmarkt für Elektromobilität“ werden zu lassen, indem bis 2020 hierzulande eine Million Elektroautos fahren, am Scheitern ist. Dabei sind sich die CAR-Forscher im Klaren, dass das Elektroauto nirgendwo ein Quotenseller ist, „aber so schlecht wie in Deutschland bewegt es sich kaum vom Fleck“.

Im Vergleich mit den Niederlanden kann auch der Verweis auf eine engmaschigere Infrastruktur des dicht besiedelten Landes nicht als Erklärung herhalten. Denn selbst das extreme Flächenland USA verzeichnet hinsichtlich der auf beiden Seiten des Atlantiks gleichermaßen angebotenen Elektromobile Ampera/Volt (General Motors), Miev (Mitsubishi) und Leaf (Nissan) wesentlich bessere Ergebnisse. 580 Neuanmeldungen in Deutschland stehen 20.576 Neuwagen in den USA gegenüber. Während der US-Neuwagenmarkt fünfmal größer ist als der deutsche, übertrifft der US-Elektromarkt die deutsche Nachfrage um das 35-Fache.

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Ursache für das Desaster des E-Antriebs in Deutschland ist nach Ansicht des CAR eine verfehlte Förderpolitik. Das Modellregionen-Programm habe sehr kleinteilige und örtlich begrenzte Projekte gefördert. Auch die späteren Schaufenster-Projekte verlieren sich nach Ansicht der Wissenschaftler in Kleinteiligkeit, der fokussierte große Durchbruch fehle. „Während man in Deutschland in lokalen Kleinstprojekten sein Heil suchte, hat man in anderen Ländern mit Kaufanreizen Elektroautos auf die Straße gebracht“, fasst die Untersuchung die Probleme zusammen.

Abgesehen vom Preis könnten weitere Argumente den Umstieg in die Elektromobilität erleichtern. Ein Vorschlag des CAR ist eine emissionsabhängige City-Maut für Fahrzeuge, die E-Fahrzeuge nicht betreffe. Zudem müssten die Kunden stärker als bisher über den praktischen Umgang mit einem E-Fahrzeug erfahren. „Menschen sind sehr skeptisch gegenüber der Technik, weil sie keine eigene Erfahrung mit ihr haben“, heißt es in einem CAR-Schreiben. Großflächige Carsharing-Systeme könnten daher die Verbreitung dieser Technologie flächendeckend vorantreiben.

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