Suchen

CES 2018: Nun kommt die Sprachsteuerung

| Autor / Redakteur: Stefan Grundhoff / Andreas Grimm

Vor Jahren schien es, als hätten die Autohersteller die Consumer Electronics Show in Las Vegas zu ihrer neuen Lieblingsspielwiese für Zukunftstechnologien auserkoren. Doch die Autoindustrie zögert plötzlich und lässt die CES nicht mehr zu ihrer ganz großen Showbühne werden.

Firma zum Thema

... um das Bediensystem aus erster Hand zu erleben.
... um das Bediensystem aus erster Hand zu erleben.
(Bild: Gundhoff/Pressinform)

Dauerregen im sonnenverwöhnten Spielparadies in der Wüste Nevadas. „Hier regnet es sonst nur ein paar Tage im Jahr. Im Juli oder August haben wir solche Tage wie jetzt herbeigesehnt“, lächelt Taxifahrer James in seinem beigen Toyota Camry in sich herein, „die meisten hier freuen sich darüber.“ Die Besucher der CES, der ursprünglich als Messe für Unterhaltungselektronik gestarteten Leistungsschau, werden das etwas anders sehen. Doch zum Auftritt der Autobauer passt der Dauerregen in diesem Jahr irgendwie ganz gut.

Hatte man vor Jahren das Gefühl, die CES würde als perfekter Jahresauftakt selbst die traditionsreiche Detroit Motorshow (NAIAS) unter Druck setzen, die nur ein paar Tage später in Michigans Motorcity das internationale Automobiljahr eröffnet, so sieht die 2018er-Auflage blasser aus als in den Jahren zuvor. Europäische Autohersteller wie Audi, Volkswagen oder BMW, bis vor kurzem zumindest nach außen hin glühende Fans des Las-Vegas-Showprogramms, sind gar nicht mehr oder nur noch mit blassen Ständen vertreten.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 32 Bildern

Auch bei Ford, Hyundai, Nissan oder Honda sowie einer Reihe Autozulieferer sind echte Neuheiten überschaubar. Vieles dreht sich um das autonome Fahren, die besten Lademöglichkeiten für das Elektroauto der Zukunft, alternative Antriebe oder voll vernetzte Mitfahrgelegenheiten – Uber, Lyft und Co. lassen grüßen.

Schön, dass es dann doch noch ein paar Neuigkeiten gibt, die es in sich haben. Byton will mehr sein als das 100. chinesische Start-Up-Unternehmen, das auf die Idee kommt, ein verheißungsvolles Elektroauto auf den Markt zu bringen. Die Leute hinter Byton wissen dabei allemal, wovon sie reden, denn viele haben vorher in verantwortlichen Positionen bei Herstellern wie BMW, Audi und Tesla gearbeitet. Das Design des SUV Concepts kann sich sehen lassen – 4,85 Meter lang und in zwei Leistungsstufen von 200 und 350 Kilowatt verfügbar, soll es ab Anfang 2020 zunächst in China und ein halbes Jahr später in Teilen der USA auf den Markt kommen.

Xpeng: Noch eine chinesische Marke

Ob und wann Byton Europa und speziell in Deutschland, Österreich oder der Schweiz mit dem Allrad-Crossover startet, steht so recht noch nicht fest. Während Byton als Automarke des Future-Mobility-Konzerns trotz der kurzen Lebensphase einen recht erwachsenen Eindruck macht, sieht es eine Messehalle weiter am Stand des chinesischen Konkurrenten Xpeng ganz anders. Fragen nach dem knallroten Elektro-SUV namens G3 werden von Produktmanager Wei nur rudimentär beantwortet. „Der Wagen wird ab Ende 2018 produziert und kommt 2019 dann in China auf den Markt. Später aber auch in USA und vielleicht auch Europa.“ Technische Daten des Xpeng G3? „Die stehen noch nicht fest“, fabuliert Wei, „es wird ein reines Elektroauto mit Allradantrieb werden. Leistung und Reichweite sind ebenfalls noch nicht klar.“ Aha. Da hätte man sich den Messestand nebst Prototypenbau auch sparen können und das gesparte Geld lieber in einem der Casinos auf rot oder schwarz gesetzt.

Deutlich mehr Realitätssinn gibt es erwartungsgemäß am Stand von Mercedes. Die Schwaben haben diesmal kein komplett neues Auto im Gepäck, sondern eine Reihe von Showmodellen der letzten Monate vom Car-2-Go der Zukunft bis zum AMG-Hypercar mit in die regnerische Wüste gebracht. Der eigentliche Star ist aber das neue Bediensystem MBUX, das im kommenden Monat in der neuen Mercedes A-Klasse seine Premiere feiert. Das große Doppeldisplay im neuen Einstiegsmodell von Mercedes ist dabei sogar sehenswerter als das von E- und S-Klasse. Und es ist erstmals mit Hightech-Prozessoren und einer künstlichen Intelligenz hinterlegt, die kaum Grenzen zu kennen scheint.

Nach dem Befehl „Hey Mercedes“ kann man per Sprache den Sitz verstellen, die Temperatur modifizieren oder Restaurants der Umgebung finden. „Mit MBUX sind wir unserem Ziel, das Fahrzeug zum mobilen Assistenten zu machen, wieder einen großen Schritt nähergekommen. Man kann ganz normal mit dem System sprechen und braucht keine speziellen Befehle“, erläutert Sajjad Khan, verantwortlich für Digitalisierung bei Daimler, „es reicht, wenn man sagt, dass es einem kalt ist oder man morgen Flip-Flips tragen will.“ Ebenfalls neu bei Daimler: eine Touchfunktion für den Bildschirm. Die Mercedes A-Klasse macht dabei nur den Anfang. In den kommenden Jahren werden alle Daimler-Modelle mit dem neuen System ausgestattet.

Neues aus der Welt etablierter Hersteller

Toyota zeigt ein autonomes Pärchen von Konzeptstudien, von denen ein Modell zusammen mit Firmen wie Amazon, Uber und Pizza Hut für Lieferdienste entwickelt wurde. Hyundai setzt in Las Vegas auf die nächste Generation seines Wasserstofffahrzeugs – natürlich im Kleid eins SUV. Der 163 PS starke SUV soll mit einer Länge von 4,70 Metern Platz für bis zu fünf Personen bieten und mit einer Wasserstofftankfüllung bis zu 600 Kilometer weit fahren können.

(ID:45080626)

Über den Autor

 Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Journalist